transhuman

‚Was ist so schlecht an Übermenschen?‘

Hier ist ein Auszug aus dem wirklich gut lesbaren Essay zum Thema Transhumanismus und Übermensch von Johann Hari.

Ich muss Ihnen etwas beichten. Mein Onkel ist ein Cyborg und meine Tante ist eines von Frankensteins Monstern, zusammengesetzt aus Körperteilen verschiedener Menschen. Sie würden das nicht erkennen, wenn Sie sie nur ansehen – sie arbeiten bei Woolworth und sehen sich Coronation Street an – aber es ist wahr. Oh, und ich, lieber Leser, bin ein erheblich verbesserter Übermensch, der gegenüber Krankheiten immun ist, die Millionen von deiner Art töten.

Video: Transhumanism

Das letzte Video zum Thema Transhuman ist ja nun schon etwas her. Also dachte ich, bevor ihr mir alle zu optimistisch werdet, und nur noch von Sonne, Strand und Liebe schwafelt, poste ich mal wieder was, was euch auf den Boden der Zukunftstatsachen zurückholt:

Wir werden alle Gremlins sein!

Nette Vorstellung. Ihr als Gremlins.

….aber auch sonst finde ich den Minifilm recht gut gemacht: Nicht zu futuristisch, nicht zu kritisch; und nicht allzu weit hergeholt.

Laura bloggt: kampfkatze.li


So. Mädels da draußen. Nehmt euch mal ein Beispiel an der lieben Laura. Die ist nämlich so zukunftsbekloppt, dass sie jetzt auch noch einen Blog aufgemacht hat, in dem sie (unter anderem) über die Zukunft und deren mögliche Szenarien schreibt. Jaja, ich geb's ja zu: Ein Mädchen (oder soll ich lieber 'Frau' sagen? Ich weiß es ja auch nicht!), dass in ihrem Weblog eine Themenwolke beherbergt, die so aussieht, wie diese hier…


…übt auf mich eine gewisse Anziehung aus. Das sie noch gut aussieht, spielt da schon fast keine Rolle mehr. Echt nich'! Laura ist schon etwas länger mit der Cyberpunk-Community verbandelt und mein Facebooksstream wäre um einiges langweiliger, würde sie nicht täglich darin auftauchen. Hier noch eben zwei Auszüge aus ihren Artikeln:

Irgendwie stell ich mir die Zukunft ruhig, kalt, technologisiert, nüchtern, distanziert und ziemlich verrucht und schwach vor.

Konträr dazu noch das hier:

Wir leben in einer grünen, stressfreieren und angenehmen Atmosphäre auf unserem kleinen, blauen Planeten. Haben interstellare Freundschaften geschlossen mit Wesen ausserhalb unseres Sonnensystems, Drogen sind legal, es gibt keine Entzugskliniken mehr nur noch Spitäler mit Spezialgebieten.

I like und willkommen in der Blogging-Runde, Laura! 

Ein offener Brief an christliche Meinungsführer


(Bild von hier. Weil es passt. So in etwa.)

Nun folgt ein Auszug aus einem offenen Brief, an Pastoren und andere, christliche Meinungsführer:

Transhumanist goals of using biotechnology, nanotechnology, mind-interfacing, and related sciences to create a superior man and thus classifications of persons—the enhanced and the unenhanced—opens the door for a new form of eugenics and social Darwinism

Angemerkt sei folgendes: Der Brief kommt von der Website raidersnewsnetwork.com. Und die Autoren, Initiatoren und Macher hinter der Seite haben mindestens genau so einen am Kopp, wie die gläubigsten Rechtschristen, die man sich in seinen schlimmsten Alpträumen ausdenken kann. Trotzdem kann ich den Text mit Einschränkungen empfehlen. Wenn man nicht allzu techno-religiös gepolt ist, geht der ganz gut durch.

Auch ohne transhumanistischen Schluckauf zu bekommen.

Die zehn transhumanistischsten Wörter überhaupt

(Bild von hier, einfach nur so) 

Jaja, ich weiß ja, ihr wartet schon wieder auf Transhuman-Gefasel, Robotermärchen und Sternekriege. Kommt ja, kommt ja! Ich lebe nur selber derzeit in einem sternenkriegähnlichen Szenario und muss die freie Zeit nur wirklich auch mal darauf verwenden, mir ein Schweinefilet mit Ziegenkäse zu füllen und dazu Rotweinsoße zu machen. #nomnom.

Hier, in aller Kürze, die ten most transhumanist words, ever:

  • Extropian, as in “Transhumanists tend to believe that Kurzweil’s extropian Law of Accelerating Returns will ultimately trump the 2nd Law of Thermodynamics.” 
  • Bemes, as in “By uploading her bemes, the transhumanist was able to create a mindfile to serve as a basis for a future cyber-conscious analog of herself.” The singular form, beme, refers to a digitally-inheritable unit of beingness (such as a single element of one’s mannerisms, personality, recollections, feelings, beliefs, attitudes and values) as in “The transhuman survivalist had a very strong beme for paranoia.” 
  • Singularity, as in “The Singularity — that era, no more than a few decades hence, when transhumanists believe machine intelligence will merge with and surpass biological intelligence.” 
  • Ectogenetic, as in “Many transhumanists look forward to growing replacements for all or part of their body via controlled differentiation of stem cells in an ex vivo ectogenetic process.” 
  • Mindclone, as in “Transhumanists are often accepting of the notion that one identity can simultaneously operate across multiple physical and virtual instantiations, via wireless synchronization, with each such instantiation being a mindclone of a biological original mind.”

Wie? Es sind ja nur fünf? 

Ja logisch; oder sehe ich aus wie ein Fotokopiererarschloch? 

Transhumanismus: Wurzeln und Ziele

Toll. Einfach toll. Ich mag dieses Video deshalb ganz besonders, weil es mal nicht diesen pseudoreligiösen, technofuturistischen, optimistischen Touch hat, den man in vielen Produktionen aus der Transhuman-Community beobachten kann. Logisch, da hat ja auch die deutsche Gesellschaft für Transhumanismus dran mitgewirkt. Und die gehen etwas rationaler und vorsichtiger an die Sache ran. Find' ich gut. Eben auch weil im Video erklärt wird, dass Fortschritt (im weitesten Sinne) eben auch immer Gefahr (im engeren Sinne) beinhalten kann.

Nur weil wir es können, muss es noch längst nicht gut sein.

Meine Rede.

Doku: The Transhumanist’s Wet Dreams

Schon in den ersten paar Minuten beschleicht mich dieses wunderbare Frankenstein-Feeling. Ich mag nämlich Transhumanismus immer dann ganz besonders gern, wenn der so linkisch von hinten um die Ecke kommt. Wenn man zugleich fasziniert wie angewidert ist. Wenn man eher LowTech als HighTech betrachten; man an Schrauben und Schädel denken muss. Denn, Freunde, jetzt mal so ganz unter uns: Darauf läuft's doch hinaus: Schmerzen, Schweiß und Maschinenöl. Frankenstein, halt. 

…wenn es nämlich gar nicht nach Glänzeroboter, Wundermaschine und Zukunftsmusik aussieht…sondern eher nach Hitchcock und Blut und Kreissägen und Mikrochips…dann wird's nämlich erst richtig mies und unangenehm. – Diesen Charme versprüht die 18-Teilige Doku The Transhumanist's Wet Dreams: Gehirne ohne Körper, Hawkings, Affengeister, das Genom und überhaupt.

Dolles Dingen. 

  • Guckt: Teil 1
  • Den Rest findet ihr. 

Kryonik – Ja was’n nu?


(Bild kommt von der äußerst großartigen Website: immortalhumans.com)

Ich bin der transhumanistischen Bewegung nicht abgeneigt; eher sogar zugetan. Natürlich gibt es im Zusammenhang mit dieser Bewegung / diesem Wissenschaftszweig auch immer mal wieder ziemlich radikale Auswüchse. Unweigerlich stößt man auf Menschen und Vereinigungen, die mit gesundem Menschenverstand (Attention: Definitionsproblem ahead!) nicht mehr viel gemein haben. Schaut man sich das breite Feld der Zukunftsforschung an, oder recherchiert mal nach, was es alles so für Vorstellungen gibt, stößt man auch auf Vereine, die mit Trans(oder Post-)humanismus so gut wie nix mehr am Hut haben.

Beispielsweise die Church of Euthanasia  (ich mein', ich hätte die hier schon mal erwähnt, find's gerade aber nicht). Diese Vereinigung propagiert die Auslöschung der Menschen. Machbar durch gezielte und sofortige Sterilisation aller Männer. Da hört's bei mir auf. Und bei anderen fängt da der Umweltschutz gerade erst an. Was ich damit sagen will… es gibt Bewegungen bzw. Kulturen, denen ich verdammt viel abgewinnen kann (Extropianer, zb. hochinteressant!). Dann gibt es die dunkle Seite (siehe oben); und dann gibt es immer mal wieder Ansätze und Ideen, die ich nicht bis zu Ende gedacht habe; zu denen ich mir kein abschließendes Urteil gebildet habe. Mir vielleicht auch nie eins bilden werde. Wie eben das kürzlich erwähnte Thema Kryonik.

Einfrieren? Komplett? Nur den Kopf? Bin ich denn dann auch wirklich save? Ist das egoistisch, oder kommen mir nur meine beknackten Wertvorstellungen und moralischen Bedenken in die Quere? Oder seh' ich's lieber völlig pragmatisch und rational, und freu' mich auf einen Sarg voller Eis (jaja, kein Eis, ich weiß es ja!) ? (In Deutschland ist ein solche Lagerung übrigens nicht möglich; diese kollidiert nämlich mit dem deutschen Friedhofszwang – der m.E aber auch irgendwie dämlich ist.)

Unter meinem vorletzten Kryonik-Artikel hatte mbee freundlicherweise einen wirklich interessanten Link zur Website biostase.de hinterlassen. Diese Website (und der Verein dahinter) ist in Deutschland die erste Anlaufstelle für Kryonik-Interessierte (wenn ich das richtig deute). Und jetzt – so ganz ohne Wertung- , haue ich mal eben einige Argumente hier rein, die wiederlegen möchten, warum Kryonik eigentlich eine blöde Idee ist: (Grundsätzlich sollt man sich zunächst mit dem Gedanken vertraut machen, dass eine Kryonisierung nichts anders sein kann, als ein schlichter Rettungsdienst. Dann geht das leichter runter) Here we go:

Warum lassen manche nur ihr Gehirn vitrifizieren, nicht aber den Rest ihres Körpers?

Manche Menschen nehmen an, dass das Gehirn ihre gesamte Persönlichkeit beherbergt, und dass der Rest irgendwie ersetzbar wäre.

Warum sollte man bei einem toten Körper diese Prozedur durchführen?

Die Grenze, ab der jemand für tot erklärt wird, verschiebt sich seit Anbeginn der modernen Medizin. Personen, bei denen heute das Herz aussetzt, werden reanimiert. Ebenso bedeutet ein Aussetzen des Gehirns keinesfalls, dass es keine Persönlichkeit mehr beherbergt.

Wozu soll das alles gut sein?

Kryonik begreift sich als Rettungsmaßnahme für den Fall, dass die zeitgenössische Medizin einem Menschen nicht mehr helfen kann. Kryonik soll dann dazu dienen, den Zustand des Menschen festzuhalten, um ihn anschließend durch die Zeit hindurch einer zukünftigen Medizin zu überbringen, in der er oder sie geheilt werden kann.

Wenn ich den Tod als natürliches Phänomen akzeptiere, kann ich zwangsläufig nichts mit Kryonik anfangen, oder?

Das kommt ganz darauf an, ob diese Akzeptanz die Ablehnung von lebensrettenden Maßnahmen grundsätzlich einschließt. Kryonik versucht letztlich einen Krankentransport durch die Zeit.

Wendet man sich nicht gegen sein (eventuell durch eine höhere Macht) vorbestimmtes Schicksal, wenn man vor einer bis dato unheilbaren Krankheit gerettet wird?

Falls dem so ist, wendet man sich wohl auch gegen sein vorbestimmtes Schicksal, wenn man eine in Deutschland unheilbare Krankheit in den USA behandeln lässt. Oder wenn man eine jahrelange Dialyse in Anspruch nimmt, weil es bis dato kein verfügbares Spenderorgan gibt. Kaum jemand lehnt jedoch diese Optionen ab.

Ist Kryonik nicht nur Geldmacherei?

Das ist ausgeschlossen, denn die beiden großen Kryonik-Anbieter (Alcor und Cryonics Institute) dürfen aufgrund ihrer Gesellschaftsform überhaupt keinen Profit erwirtschaften. Auch dürfen die Angestellten von Non-Profit-Organisationen kein übermäßig hohes Einkommen haben.

Ist das alles nicht furchtbar egoistisch?

Sind Rettungsdienste egoistisch? Nein. Sind Menschen egoistisch, weil sie gerettet werden wollen? Ja, falls sie diese Möglichkeit anderen Menschen vorenthalten wollen. Dies ist bei Kryonikern normalerweise nicht der Fall.

Trägt Kryonik nicht zur Überbevölkerung bei?

Trägt ein Rettungsdienst zur Überbevölkerung bei? Diese Frage ist offenbar zynisch. Dennoch: Untersuchungen zeigen, dass uns eine höhere Lebenserwartung nur vor moderate Probleme stellt. 

Warum sollten mich Menschen in der Zukunft heilen?

Weil Kryoniker auch in der Zukunft ein funktionierendes Notfallsystem, also eine funktionierende Kryonik haben wollen. Sich nicht um bisherige Patienten zu kümmern wäre dafür höchst kontraproduktiv, denn es würde ihre Glaubwürdigkeit kompromittieren.

Wenn das alles so toll ist, warum entscheidet sich dann fast niemand dafür?

Wir vermuten, dass dies mit einem Phänomen des menschlichen Gehirns zusammenhängt: der Tendenz zum Status quo (status quo bias). Das menschliche Gehirn bevorzugt demnach Szenarien, die keine Änderung des Etablierten bedeuten. Dazu gibt es interessante psychologische Studien. Zusätzlich blenden wir gern Themen rund um unsere Sterblichkeit aus.

Ist das nicht alles unbezahlbar?

Üblicherweise wird Kryonik über eine Risikolebensversicherung finanziert. Größenordnung: 10 bis 30 € pro Monat. Hinzu kommen bis zu 30 € für Mitgliedsbeiträge.

Angenommen, es käme dazu, dass ich Jahrhunderte später erwache. Dann kenne ich doch niemanden, oder?

Je mehr Menschen sich für Kryonik entscheiden, desto mehr Menschen werden sich potentiell in der Zukunft wieder treffen.

Nun ja. Ich bin mir dann mal den Kopf zerbrechen Gedanken machen. Was ich aber schon jetzt beitragen kann, ist das hier: Sich Gedanken um die Zukunft zu machen, ist manchmal sicher nicht so verkehrt.

Und ihr so?