cyberpunk

‚Intelligenz macht unsterblich‘


Der korrekte Titel der Sendung Sternstunde Philosophie (3Sat, vom 13.06.2010) lautete eigentlich: ‚Künstliche‘ Intelligenz macht unsterblich. Da wir aber schon in Kürze (Mein Tipp: 2031, im Mai) keinen Unterschied mehr zwischen künstlicher und fleischlicher Intelligenz machen werden mach‘ ich schon jetzt oft nicht mehr finde ich meine Artikel-Headline jetzt einfach mal besser, als die von 3Sat. So kann’s gehen.

Zum Thema: Ray Kurzweil (der Verrückte in der Sendung), habe ich in diesem Weblog schon mehrfach erwähnt; er wird für die meisten also kein Unbekannter sein. Für die, die etwas mehr über ihn – und seine wahnwitzigen utopischen Ideen -, erfahren möchten, hier mal eben ein Einstiegssatz in die Kurzweil-Zukunft:

Mensch und Maschine werden verschmelzen, und die künstliche Intelligenz wird das menschliche Denkvermögen überflügeln.

Dann mal los:

Deus Ex: Meet Adam Jensen

Deus Ex: Human Revolution wird der erste Ego-Shooter, den ich seit ca. drei Jahren anrühren werde. In diesem Trailer wird der Hauptprotagonist Adam Jensen und die Cyber-Renaissance-Welt etwas näher vorgestellt. Am Ende des Trailer prangert der eindrucksvolle Satz: You are Adam Jensen. Und nicht weniger verspreche ich mir von dem Game: Die Revolution des Ego-Shooter-Genres. Zumindest eine kleine.

Das war beim Vorgänger schließlich auch so.

Wir haben Cyberpunk. Oder: Warum ich nicht mehr weiterschreiben kann.

(Bild: © by Oliver Wetter, von hier)

Irgendwann in den nächsten 20 Jahren möchte ich folgendes Szenario erleben: Ich sitze irgendwo oberhalb des Rhein-Main-Sprawls. Zum Beispiel an einem Waldrand, oder auch gerne im eigenen Garten. Zusammen mit einigen Robo-Pets, die zwar aussehen wir echte Hühner, innen drinnen aber viel smarter sind, als ich – einer der letzten seiner unmodifizierten Art –  es jemals sein werde. Dort sitze ich also, schreibe einen 1.200-seitigen Cyberpunk-Roman über die Liebe, über das große Ganze und über die Versprawlung der Welt. Dabei könnte dann sowas ähnliches rauskommen, wie das hier: 

Korrodiert, unbeheizt, ausgekleidet mit Styropor. Bloß weit genug weg von der Stadt. Starrende, katatonisch grün-graue Augen die unter einem rostig schimmernden, lachsfarbenen Ledermantel heraus in die bittere, düstere, Wahrhaftigkeit der Welt  schauen. Brechreiz und Metall in der Kehle. Dreck und der Geruch von altem Fisch umgibt sie. Eine technoisierte globalisierte Welt. Hart wie V2-Stahl. Wer ist sie? Wer war sie? Ihre Carbonimplantate fahren in den automatisierten Ruhemodus. Die Haut noch immer entzündet von den Einstichstellen. Ein Satz eines Pre-Singulären schießt ihr durch den modifizierten Hirnlappen: "Die Neugeborenen weinen, zu betreten die große Narrenbühne." – Woher diese Worte? Sie entsteigt ihrem Verschlag, die Augen nach vorne gerichtet. Steht auf, übergibt sich in den moderigen Geruch des Sprawls und wandelt hinaus in diese fremde Welt; der Regen, ihr trostspendender Begleiter. Ihre Tränen verwaschen; verloren auf ewig im Dunst des Morgens. Trübheit; versunken im Morast des 22. Jahrhunderts. Ächzend bewegen sich die Servos  in ihren Ellebogen, recken sich empor, zu einer Sonne, die niemals wieder aufgehen wird. 

Schön nicht? Dies waren die ersten Zeilen meines mittlerweile 66-Seiten starken Romans, den ich niemals fertig schreiben werde. 


(Bild: © by Kenneth Herstadr, von hier)

Ich möchte Euch erzählen, warum ich nicht mehr weiterschreiben kann. Es gibt einen einfachen Grund dafür: Mir fallen nicht schnell genug weitere, düstere Szenarien für eine Zukunft ein, die eigentlich gar keine Zukunft mehr ist. Das, was mich an der Cyberpunk-Literatur inspiriert und fasziniert, läuft mittlerweile stündlich im Fernsehen. Es passiert alles wirklich. Und es passiert so rasend schnell (zu schnell, wie neulich mal wieder erwähnt). Ich philosophiere über die nächste Stufe der Neo-Kolonialisierung; schaue Abends in's Internetz, und stelle fest, dass meine Fantastereien längst überholt sind; meine dunkle Zukunft 600 Kilometer weiter gerade Wirklichkeit wird. Wie soll man da noch weiter an einer fiktiven Storyline arbeiten? Da kommt doch keiner mehr mit.

…das ist alles gar nicht so dramatisch? Die Sonne scheint doch noch? Technologie und blinder Optimismus wird uns alle retten? Ich übertreibe? 

Nicht im geringsten! Zur untermauerung meiner These möchte ich Euch eben zwei Artikel empfehlen, die sich exakt mit dem Thema Warum wir schon in einem Cyberpunk-Szenario leben befassen. Anschließend macht ihr Euch ein paar Gedanken; und sagt mir dann, dass ich spinne, und die Hippies es eh nicht hätten rumreißen können. 

Sprawl! For real!

Bild:  © flickr.com/rastaschas

Wer sich mal mit dem wunderbaren Thema Cyberpunk befasst hat, oder regelmäßig dieses Weblog hier besucht, dem ist der Begriff Sprawl sicherlich schon mal untergekommen. In der rückständigen deutschen Wikipedia kann man leider nur den Konterbegriff zu Sprawl entdecken: New Urbanism.

New Urbanism („Neuer Urbanismus“) ist eine Bewegung im Städtebau, die Ende der 1980er, Anfang der 1990er Jahre in den USA entstanden ist. Feindbild der Bewegung ist der so genannte Sprawl…

Ist mir ziemlich neu, was da steht. Ich verbessere mal eben, und komme dann umgehend zum Thema. Sprawl ist weder eine Gegenbewegung zu irgendwas, noch würde ich den Terminus Feindbild anwenden. Feindbild zu was? Zu all' den ökologisch/ökonomisch nachhaltig konzipierten Megacities, die gerade an allen Ecken und Enden des Planeten aus dem Boden sprießen? …ein Feinbild braucht eine existierende Projektionsfläche. Sonst wird das nix, mit dem Bild. An den weiteren Ausführungen des Wikipedia-Autors habe ich nichts auszusetzen: 

…also die uferlose Ausbreitung der Städte in suburbane Siedlungen.

Jau. Passt so. Da wir nun die Begrifflichkeiten geklärt haben, komme ich zum Thema. China plant den Bau des ersten wirklichen Sprawls. Die erste Megacity, die den Namen auch verdient. Hier mal eben ein paar Hausnummern: 

  • Es werden neun bereits existente Großstädte zusammengelegt.
  • Das Sprawl wird nach Fertigstellung die 26-fache Größe von London haben. 
  • (ca. 41.440 Quadratkilometer)
  • 42 Millionen Menschen werden in der Überstadt Platz finden. 
  • 221 Milliarden soll der Spaß kosten

In allen Sprawl-Texten hier im Blog lese ich eine gewisse Euphorie heraus. Die mir gerade irgendwie ziemlich pervers vorkommt. Warum? Weil's mal wieder wirklich passiert. Ein ähnliches Gefühl hatte ich neulich, als da irgendwas mit Wikipedia und Geheimvergewaltigungen im Gespräch war.

Entdeckt / Mehr Infos:

UPDATE: ..den Vortrag hier hab' ich gerade noch mal angeguckt. Städteinvasion. Apokalypse. Wir werden alle sterben. 

Menschenranking


In einem seiner wilden Sci-Fi Bücher beschreibt Charles Stross eine Zukunft, in der Menschen wie Aktien bewertet (und ebenso gehandelt) werden. Leider wird diese Idee im  Roman nur angeteasert; sie hat keine effektive Auswirkung auf den Fortgang der Geschichte. 

Nimmt man den Ansatz von RecommendationEngines (Empfehlungs-Software), denkt mal an die allgemeine Entwicklung von Bewertungssystemen im Internet; und verknüpft das Ganze dann noch mit der Idee des (kommenden?) Internet der Dinge, könnte man zum Schluss kommen, dass wir neben Page-Rankings und Toplisten, auch noch Platz für was menschlich(er)es haben sollten: Menschen-Ranglisten! Forbes deluxe! …von allen. Für Alle. Für Alles. Heal the world und fuck you. 

Schon jetzt dienen soziale Netzwerke nicht nur der sozialen Vernetzung, sondern sind auch Gradmesser und Indikatoren für die Wertigkeit der Verpflechtungen innerhalb dieser Netze und Netzwerklisten. Ein Beispiel: Werbefachmann X checkt den Vernetzungsgrad von Blogger Y, entdeckt bei der Recherche, das Blogger Y ja ziemlich gut mit Blogger Z vernetzt ist. Nehmen wir nun weiter an, Blogger Z ist in seiner Nische ein sogenannter Meinungsführer. Nun könnte also Werbefachmann X (theoretisch) auf die Idee kommen, die Wertigkeit von Blogger Y aufgrund seiner Vernetzung mit einem Meinungsführer (Blogger Z) höher einzuschätzen. Klingt alles sehr trocken und theoretisch, spiegelt aber einen Prozess der Werbewelt im Jahre 2011 wieder.

Die logische Konsequenz dieser Art der digitalen Personenbewertung ist ergo eine Ausweitung des Konzepts auf alle Menschen (zukünftig: auf alle Dinge!), die sich im Web aufhalten. 

…und schon gibt's ne App dafür: Hashable

Statt an Orten “checkt” der Nutzer soziale Aktionen mit Menschen ein. Daraus entsteht ein Reputationssystem – der “Pagerank für Menschen”. Er dürfte das nächste grosse Ding werden.(Netzwertig)

Ei der Daus! That's Fuckin' Cyberpunk! (O__o)

Bevor ich mich nun selbst in Mitleid ertränke, weil sich die Welt einfach zu schnell für mich dreht, hau' ich hier lieber 'n paar Fragen rein, die mir beim Durchdenken der (Un-)Möglichkeiten dieser neuen Technologie so durch's Hirn zucken:

Stellen Startups künftig nur noch Menschen mit einem 'Mindest-Human-Rank von 5' ein?

Werden Meetings nur noch mit 'High-Level gerankten' Personen abgehalten?

Wie viele 'erste Dates' scheitern an einem 'nicht passablem Human-Rank'? 

Wieso lassen Startups nicht mal einen Philosophen oder einen Ethiker am Produkt mitentwickeln? 

Bin ich eigentlich altmodisch oder eher Cyborg? 

Fragen über Fragen. Diese App/dieses Tool bringt mich in die klassische Bredouille des zweischneidigen Schwertes: Auf der einen Seite kann ich mich für die immer schneller voranschreitende Entwicklung solcher Anwendungen begeistern und reite gerne auf der Enthusiasmus-Welle verquerer Nerds (who?), die in solchen Apps das Heil der medial-vernetzten Zukunft sehen.

(Hinter dem Marketingbegriff 'true' network verbirgt sich übrigens ein äußerst gemeingefährlicher Marketing-Roboter)

Andererseits graust es mich bei dem Gedanken, dass wir mittels solcher Apps den (für mich) fragwürdigen Gedanken des hierarchischen  Systems nicht nur fördern, sondern quasi seine Umsetzung erzwingen. Laut Darwin hat die Evolution eine Abkehr von Hierarchie und Geltungsdrang erst so für ca. 2055 vorgesehen. Das Tool kommt also zu früh. Wie zum Beispiel auch 'ne Marslandung. Oder das CERN. Mit seinen talibanistischen Kernspaltereien. Oder die Idee, wir könnten uns in den nächsten 20 Jahren mit den Übermenschen anlegen. Oder. Oder. Oder. Schwachsinn.

Ich möchte nicht zum Boykott dieses Tools (oder Tools dieser Art; die sicher kommen werden) aufrufen. Drüber nachdenken sollten wir aber alle mal. Nur so. Für 'nen kleinen Moment.

Lieber komme ich noch mal auf Charlie Stross und seine Sci-Fi-Fantastereien zurück. Der gravierendste Unterschied zwischen unserem Universum, und dem, in dem ein solches Human-Ranking bereits etabliert wurde und auch funktioniert, liegt auf der Hand: In Charlies Parallelwelt ist der Mensch bereits in den Vorgang der Ablösung involviert. Bessere, ausgebautere, weitsichtigere Lebewesen haben für eine faire Umverteilung gesorgt, lenken die Geschicke des Planeten, bauen die Galaxie zu einem Matroschka-Gehirn aus und rauchen Joints mal eben so nebenher. Soweit sind wir aber längst nicht.

Es darf bezweifelt werden, ob wir einen solchen Punkt überhaupt jemals erreichen können und werden. In Zeiten von Anti-Demokratisierung, Neo-Kolonialismus, Oil-Peak und anderen Highlights, die aus der industriellen Revolution und ihrer kleinen Schwester – dem Informationszeitalter – resultieren, behaupte ich:

Das einsortieren von Menschen in Rankingsysteme bringt uns derzeit nicht wirklich voran. 

Liebe und Anfassen halte ich da für weitaus richtiger wichtiger.

Telekineseheadset

(Player läuft nicht in jedem Reader)

Ich wette im Jahre 2034 gehört das Wort Telekineseheadset schon längst nicht mehr zum alltäglich Sprachgebrauch. Dann sind die Dinger nämlich unter der Haut, und der Mensch lebt ausschließlich durch gedachte Gedanken. 

Ich red' Quatsch? Dann lest mal:

Tan Le's astonishing new computer interface reads its user's brainwaves, making it possible to control virtual objects, and even physical electronics, with mere thoughts.

Cyber-Skibrille: ‚Transcend‘

Irgendwann in den Anfangszeiten diese Weblogs habe ich mal einige Artikel über Gadgets im allgemeinen geschrieben. Dann habe ich festgestellt, dass das andere ja viel besser können und ich auch irgendwie nie die Kohle habe, um mir zumindest mal eins von den tollen, verbloggten, technischen Spielzeugen selbst zu kaufen. Und auch bei diesem 429$ teuren Brillenteil, bleibt mir wohl zunächst nur das virtuelle Bestaunen übrig. 

Warum nun also speziell dieses Gadget? Weil es eine Brille ist. Frauen mit Brillen faszinieren mich seit jeher. Sei es nun der klassische Visor oder eine interaktive Datenbrille. Ich steh' einfach drauf. Nun kommt also die Company recon instruments mit einer neumodischen Ski-Cyber-Brille daher. Da vereinen sich also gleich zwei meiner Leidenschaften in nur einem Gerät: Snowboarden und der eben erwähnte Brillenfetisch. Was will man(n) mehr? Was das Teil kann, außer beknackt aussehen? Das erklärt Euch der Herr Marketing-Chef am besten selber mal: 

So ein Teil würde ich ja einfach mal zum Spaß bei einer Abfahrt tragen wollen.