Da das Turbo-Wahljahr 2013 schon läuft, dachte ich, ich mache mal etwas Stimmung. In die richtige Richtung. In die freiheitliche, herrschaftslose, gewaltlose; die anarchistische nämlich. Außerdem las ich eben auf Facebook in einem Diskurs wieder mal dieses unsägliche Argument, dass wenn man nicht wählen geht, dann ja die Extremen (links wie rechts) besser dastehen würden. Ich soll also meine Stimme für viele Jahre (!) abgeben (!), nur damit etwas NICHT passiert?
Wie sinnig soll DAS denn dann sein?
Im übrigen ist es NICHT so, dass dann die Nazis besser dastehen! Warum? Das kann ich euch erklären: Von meiner Nichtwahl profitieren dann nämlich rechnerisch gesehen in der Tat ALLE Parteien. Und zwar im Verhältnis zu ihrem vorhandenen Stimmenanteil! Klar, die 5% sind dann auch für die Bösen leichter zu erhaschen… Allerdings: In einem Land, in dem jeder fünfte Mensch (!) einen Hang zum Antisemitismus hat, in dem jeder vierte (!) Mensch Vorbehalte gegenüber Immigranten hegt, soll mich DIESES (Schein-)Argument nun an die Wahlurne zurücklocken; mich entmündigt, und einer kleinen Gruppe von kapitalistischen Vollspacken die Legitimation erteilen, vier weitere Jahre ihre Herrschaft über mich, meinen Geist und meinen Körper, auszuüben?
Wie sinnig soll DAS denn dann sein?
Dann kommt meistens: Ja, dann mache doch deine Stimme ungültig, dann wird auch nix an den radikalen Rändern hinzuaddiert. Genau: Ich mache meine Stimme ungültig, obwohl ich mich nicht mehr an der aktuellen Kapital-Diktatur (im demokratischen Wolfspelz) beteiligen möchte. Wer wählen geht, der nimmt auch in Kauf, dass die (kapitalistisch-wachstumsorientierte) Partei gewählt wird, die er NICHT gewählt hat.
Wie sinnig soll DAS denn dann sein?
Eine Abgabe (!) meiner Stimme an eine der großen (aber auch der kleinen bis mittleren) Volksparteien, fühlt sich für mich genau so an, als würde mich ein Arzt fragen, ob ich lieber Hodenkrebs oder eine Gehirnamputation haben möchte. Ich soll mich zwischen Übel und Superübel entscheiden? Ich soll mit dem Gefühl aus dem Wahllokal gehen, dann doch die weniger behämmerten gewählt zu haben?
Wie sinnig soll DAS denn dann sein?
Was auch immer geht, ist die folgenden (scheinheilige) Aussage: Ja…also, wenn du nicht gewählt hast, dann darfst du nachher auch nicht meckern! Also. Da platzt mir dann wirklich nicht nur der Kragen. Das ist genau wie: Du hast niemals FREE WILLY gerufen, also darfst du dich jetzt auch nicht über den (scheinheiligen) Bio-Lachs aus industriellen Zuchtfabriken beschweren.
Wie sinnig soll DAS denn dann sein?
….und nun noch ein Textauszug aus einem Video, welches meine Thesen, Ideen und Fragestellungen untermalen soll:
Der Wähler legitimiert die Ausübung staatlicher Macht durch seine Stimmabgabe. Er steht deshalb eng mit der staatlichen Gewaltanwendung in Verbindung. Im Umkehrschluss senkt jeder Nichtwähler die Legitimation staatlicher Gewaltanwendung. Derjenige, der bewusst nicht wählt, sagt also indirekt durch das Nichtwählen, dass er nichts mit staatlicher Gewaltanwendung zu tun haben will […] Wählen hat die gleiche Wirkung wie eine Rakete auf ein Ziel abzufeuern, das viele tausend Kilometer entfernt ist. Wählen hat den gleichen Effekt wie die „saubere Teilnahme“ an einer Gräueltat durch eine ferngesteuerte Langstrecken-Waffe […] Wer zur Wahl geht und seine Stimme abgibt, macht die Verantwortung für alle Gewalttaten, die die Regierung in seinem Namen ausübt zum festen Bestandteil seines eigenen Lebens.
Passt.
Hier das (stellenweise sehr polemische und etwas einseitige!) Video. Da sind einige radikale Ideen und Ansätze drin, über die ich noch nachdenken möchte:
Schließen möchte ich mit einem Satz der Anarchistin und Friedensaktivistin Emma Goldman († 1940)
Wenn wählen irgendetwas verändern würde, wäre es illegal.
Und nun: Eure Wahl!
(Mehr zum Thema Anarchie: Hier)