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Nachtwächter vs. Lumma

Spider_Jerusalem_by_Nikki_1986

Ich kann mir nicht helfen. Ich halte den Nachtwächter immernoch – und das seit Jahren – für einen der beseeltesten, aufrichtigsten und hasserfülltesten Schreiberlinge im deutschsprachigen Bloggerdorf. Ich sage Dorf, weil 'ne Stadt oder ein Land ist das längst nicht mehr, war es nie, der Kreis wird kleiner, die Vermarkter größer, das Geld mehr und die Gehirne leerer. So ist das. Und das sage ich ganz ohne Wertung. Evolution wertet nicht und HASS auf den ganzen Scheiss habe ich hier im Blog (und anderswo) schon zu Genüge rausgelassen. Mir geht's gerade rein um euer Amüsement. 

Vorgeschichte: Nico Lumma (ihr wisst schon, dieser vermarktete A-Blogger, der schwer überschätze, der eigentlich nie was sagt, dass aber dauerhaft und ausführlich, den dann immer alle liken und verlinken und zitieren, und sein An-Der-Oberfläche-Kratzen als mediale Revolte verstehen, dessen Mainstream-Geblogge einfach nur nervt, der irgendwie zu diesem Dunstkreis von Barcamp-Bloggern und rumgereichten Nixnutzen gehört, der immer so nett lächelt und von allem irgendwie so ein bisschen Ahnung hat, und dessen Texte meist eine kryptische Auflistung von Gedanken zur aktuellen (Web-)Geschehnissen sind, die seit Wochen längt in vielen Indie/Links-Medien ausgesprochen und niedergeschrieben wurden, der diese Inhalt dann immer aufgreift, sie nicht aufwertet, dann damit aber irgendwie immer als Web-Experte durchgeht und mich eigentlich nicht weiter kümmern sollte. Weil er mich nicht die Bohne juckt. Irgendwie gerade aber schon. – Offensichtlich.) jammert. Schon wieder. 

Wie auch immer: Lumma jammert in seinem Artikel: Digitalisierung der Gesellschaft: Eine Generation hat versagt über sich und seine Kumpels, die versagt haben, und warum das eigentlich gar nicht seine Kumpel sind und wir alle Schuld dran sind, dass die NSA ein Arschloch ist und sowas alles. So in etwa. 

Ich las den Lumma-Artikel komplett. Und dachte so: Hä? Nee, da ist mir ein Comment bei dem ja schon so doof.  Dann, so ca. zwei Stunden später las ich, dass der Nachtwächter eine Replik auf das leidige, biedere Lumma-Geheule getippt hat. Hier nämlich. Was soll ich sagen? Nix mehr, in der Replik steht ALLES; was ich dem Lumma auch an den Kopp werfen würde. Aber auch weiterführendes. Sowas wie das hier (als Antwort auf Lummas Ja, die Intellektuellen haben versagt-Gefasel)

Die Intellektuellen… in einer Gesellschaft, die Scharfsinn, bedächtiges Erwägen mitsamt der damit verbundenen Langsamkeit, Gründlichkeit und Bildung verachtet und in der Menschen die medial hochgespülte Dummheit geistiger Stanznieten zum Maßstab ihres eigenen Seins machen, hat “Intellektualität” längst schon keinen Wert mehr. In der Folge erwächst eine gesellschaftliche Führungsschicht, in der man seinen Narzissmus füttert, indem man den akademischen Grad wie eine Zier vorm Namen trägt; einen Grad, den man nur schon dadurch erworben hat, dass man auf das Deckblatt seiner intellektuellen Bankrotterklärung das Wort “Dissertation” geschrieben und eine falsche Eidesstattliche Versicherung als “Eigenständigkeitserklärung” angefügt hat.

Entschuldigung, aber es fällt mir schwer, angesichts solcher markant duftenden Hirnfürze noch sachlich zu bleiben. In der Hirnmassenstanze des contentindustriellen Apparates der breit wirksamen Medien herrscht strikte Antiintellektualität. Wer mir das nicht glauben will, opfere bitte einfach eine Stunde seiner beschränkten Lebenszeit und glotze eine beliebige Spätabend-Talkshow der gehobenen, mit einer Haushaltssteuer finanzierten, quasistaatlichen Fernsehsender der BRD. Wer es dann immer noch nicht merkt, wird auch durch viele weitere Erläuterungen meinerseits nicht mehr erreicht

Ich blöder Affe kann nix, nur rebloggen, ihr solltet dieses Rant-Entertainment-Glantzstück aber nicht verpassen. Daher hier erneut der ganze Link:

Doku-Trailer: Love Police

Zu Charlie Veitch und seiner Love Police hatte ich hier und hier mal was getippt. Wie Sascha (bei dem ich das Video entdeckte) schon richtig anmerkt: Charlie ist 'ne, öhm, umstrittene Persönlichkeit. Aber eben auch Anarchist. Und schon deshalb hege ich Sympathien für ihn. Auf der Facebookpage zur Doku steht das hier:

„The Love Police“ ist das unkonventionelle, authentische Portrait eines Aktivisten und Anarchisten bei seinem persönlichen Kampf gegen das System.

Etwas holperig diese Formulierung; ich freu' mich aber dennoch wie jeck auf den Film. Und jetzt gucke ich mir einfach zum 800sten male das Ur-Love-Police-Train-Video an und denk' mir so: Alles ok, alles wird gut, das Gute wird besser; wir müssen nur wollen und hoffen und eigentlich gilt ja doch immer und überall das hier: ♥

#slum #wolkenratzer #tower #of #david

Mitten im Downtown von Caracas steht das größte bzw. höchste Slum der Welt; ein vertikales Shanty Town (Artikel-Verweis: Shanty Towns: Vorlage für urbanes Leben?), wenn man so will. Man könnte den Tower of David nun soziologisch, ethnologisch oder cyberpunkisch betrachten und darüber philosophieren, wie es sein kann, dass es sowas gibt. Das führt mir aber heute zu weit; ich möchte nur eben hier dokumentiert wissen, dass es überhaupt sowas gibt. Drüben bei inhabitat.com habe ich auch noch eine Bildergalerie dazu gefunden: Hier. Irre: Die haben 'nen hauseigenen Taxi-Service (Mopeds) für die ersten 10 Etagen. 

Jedenfalls: Planet Erde. 2013. Jeder siebte Mensch lebt in einem Slum. Schäm dich.

Mach' ich jetzt auch. 

Es wird ernst. Ernster! #RSUKr

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Seit dem 1. April diesen Jahres wurden im Rahmen des Umbaus der Bundeswehr von einer Verteidigungs- zur “Interventionsarmee” so genannte Regionale Sicherungs- und Unterstützungskräfte (RSUKr) gebildet, die für den “Heimatschutz” zuständig sind und bundesweit aus 30 Einheiten bestehen. (Quelle: Freitag.de)

Während wir alle vor den Kisten sitzen um a) entweder keine Werte mehr zu schaffen oder b) um uns unser Hirn weichbraten zu lassen, gibt es 1%ter und Machtmenschen, die schon jetzt weiterdenken, dafür sorgen, dass die Gedankenverbrecher der Zukunft (HIER!), ja schön kuschen, wenn es hart auf hart kommt. Und DAS es hart auf hart kommt HOFFE ich zwar nicht, fühle und glaube es aber schon; auch noch zu meinen Lebzeiten (daher auch – unter anderem – meine, öhm, Aktivitäten in der Eifel; meine Kommunikation mit Menschen, die Ideen UND Pläne haben). 

Ich linke unten noch ein paar Quellen dazu; auch offizielle, hier aber mal in Kurzform, was diese RSUKr-Einheiten alles so können, wozu sie befähigt sind (schon jetzt! Die ersten Einheiten sind in Betrieb!)

  • Es wird bundesweit 30 solcher Einheiten geben; mit einer Mannstärke von 50-250 Mann! In Zahlen: DREIßIG und ZWEIHUNDERTFÜNFZIG! 
  • Die Einheiten werden eingesetzt, wenn (Zitat) organisierte und bewaffnete Aufstände anstehen​ 
  • Oder eben wenn (Zitat) allzu widerstrebende Bevölkerungsteile die innere Ordnung bedrohen

Man könnt' meinen, die meinen mich. Oder dich. Oder uns beide? WTF! 

In einem offiziellen Papier der Bundeswehr steht das hier:

Nach einer Generalklausel der Europäischen Union könnte der Amtshilfe-Einsatz auch beim politischen Generalstreik gegen Versorgungseinrichtungen, gewaltsamen Massenprotesten, sozialen Unruhen sowie Aktionen des zivilen Ungehorsam durch Streiks und/oder Straßenblockaden im Transport- und Energie- oder Gesundheitswesen möglich sein. Mit dieser Ausrichtung böten die neu aufgestellten RSUKr allen interessierten und geeigneten Reservisten Chancen des Engagements.

Engagements? Steht das da wirklich? Gemeint ist: Bürger verprügeln Bürger (im seichtesten Falle!). Und ich WEIß aus sicherer Quelle, dass diese Spacken MASSIVEN Zulauf haben, der Drill den die erfahren ist turbokrass aufs Zuschlagen ausgerichtet, da geht es längst nicht mehr um Deeskalation, es geht darum, die (künftigen) nervigen Bevölkerungsteile möglichst schnell und effektiv mundtot machen zu können, internieren und anketten zu können. Und das mit der klaren Ansage / der Androhung des Mittels der körperlichen Gewalt (die ja in den meisten Köppen der Menschen legitim ist, da vom Staate ausgehend. Diese Idiotenköppe!)

Was positives vielleicht noch zum Schluss? …ich bin nämlich gerade satt und seicht: Das die (you know them!) sowas anleiern…das bedeutet – neben all' der Schrecklichkeit – auch eins: Die haben Angst. Vor uns. Was gut ist; nur müssen wir auch was daraus machen. Und daher meine erneute eindringliche bitte: Lest dieses Buch, lest diese Artikel, schaut euch dieses Projekt an, mach die Fernseher aus (geht zum Fenster und schreit…), die Bücher auf, die Herzen auch, und die Augen erst! Horcht mal in euch rein; und dann sagt mir: Glaubt ihr noch ernsthaft, dass WENN es hier knallt, dass die Revolution mit Töpfen (wie in Island) noch 'ne Chance hat? Glaubt ihr das wirklich? WENN das HIER wer glaubt: Mach' das du Land gewinnst, hier biste falsch, ruf bei RTL an oder bei Springer; und lass mich und uns hier in Frieden.  – Jesses, hat Deutschland S21 schon vergessen? Wissen die nicht, was passiert, während sie alle Fußball gucken

HERRJE! ES IST ZUM AUS DER HAUT FAHREN, taube Ohren, geschlossene Augen, wohin man guckt, im eigenen Wohnzimmer steht ein 40-Zöllner, das tote Huhn liegt im Freezer, und 1x im Jahr an die türkische Riviera ist auch noch drin. Leider. Nur nicht mehr allzu lange. 

Und dann? Dann haben wir zuviel TV geguckt, sind zu fett und zu blöde, die Mediokratie hat gewonnen, Reflektion, Innehalten, Anarchie und Liebe sind längst vergessene Begrifflichkeiten und wurden vom Neusprech-Ministerium in einer Galerie ausgestellt.

Spitze. Sehr spitze. Das alles.

…anbei noch einige Quellen zu dieser unsäglichen RSUKr-Scheisse: 

Empathie: Immer und überall! Oder: Null Toleranz der Intoleranz?

Ich steh da gerade vor einem Problem. Es ist ein sprachliches, ein kommunikatorisches, ein moralisches und ein philosophisches. Die überspitzt dargestellte Kurzfassung: 

Ich schrieb diesen Artikel über den dicken Nazi in der Post, outetet mich auch auf Facebook als klarer Nazi-Hater, verteidigte meine Null-Toleranz-Position gegenüber zwei (mir über die Netzjahre sehr lieb gewordenen ) Menschen und stecke nun anschliessend in diesem Dilemma fest: Wenn ich dem Nazi an sich nicht grundsätzlich kommunikativ und offen – also mit dem Willen mich in ihn hineinzudenken – gegenüberstehe, wie weit weg bin ich dann von meiner eigenen Überzeugung Anarchist und empathisches Wesen zu sein? Gibt es Schubladen die man schließen soll, so für immer, oder hat selbst der nazihafteste Arschlochpenner immer noch ne Chance verdient? Gehe ich anarchistisch-philosophisch an die Sache heran, ist die Sache klar, hilft mir aber in meinem Dillemma kein Stück weiter: Der Typ der dauernd alle nervt (der Nazi) kommt auf ne Eisscholle und darf in den Himmel, oder wir diskutieren bis ins Jahre 2689 mit dem aus, warum er ein Arschloch ist und bald auf die Scholle kommt, wenn er sich nicht schickt. Es gibt nur diese beiden Möglichkeiten, mehr gibt die Anarchie nicht her (bis auf eine mir bekannte Ausnahme, die ich nicht nennen will, weil ich sie nicht für repräsentativ halte). Hilft mir aber im Alltag wenig, ich lebe nicht ewig, und hab' auch keine Scholle, bzw. keine Gruppierung von Individuuen, die die Scholle anstößt. 

Weiter im Text: Ich disste also meine Bekannten auf Facebook, so a la Gutmenschentum und ihr mit eurer Moral und so. Das tut mir jetzt etwas leid. 

… und im selben Gedanken (und das hier ist wahrscheinlich doch noch mal eher 'ne psychologische Frage/Problematik…) steckt das hier drin: Ja, scheisse noch eins, es ist doch wahr, was ich sage. Nazis gehören in 'ne Schublade, und die wird dann auf 'ne Scholle gesetzt. Auf 'ne ganz große, eiskalte Scholle.  

Nein, schreit der Moralphilosoph aus der Ecke, die müssen alle nach Texas, Knarren rein, Zaun drum, Ruhe im Karton….von welchem Bekloppten von euch habe ich eigentlich diesen Gedanken? Max, Karo, Rolli!? Wer wars? Nein, schreit er,​ die Moral ist ein hohes Gut, die hat Reflektion und Bedächtigkeit verdient, du kannst keine Empathie fordern, wenn du selbst nicht bereit bist, welche zu geben.

WTF! Scheisse mann, ich liebe Philosophie, ich hab' keine Moral, mag dafür aber auch keine Menschen! – Ey Leute, merkt ihr was? Zynismus, Ironie? Hallo? Ich bin der empathischste Mensch den ich kenne! Ihr könnt mich doch alle am Arsch… MOMENT!

Jetzt mal echt, und zwar nicht so abstrakt, sondern recht praktisch: Ich schreibe nur meine Gedanken runter. Und ja: vielleicht kommt mir auch gleich mein Ego, meine vermeintlich fehlende Empathiefähigkeit und mein nazihaftes zweites Ich in die Quere, mag sein. Vielleicht ist es aber auch nur mein ausgeprägter Sinn für Gerechtigkeit (Mein UrUrOpa war Freibeuter. Kein Witz). Oder meine Selbstverliebtheit. Ich weiß es nicht. Sagt es mir. 

Wenn ich diesem blöden Nazi-Sack da in der Post (und der deutschen Post-Soldatin) mit Empathie, einem offenen Herzen und geschlossenem Mund begegnet wäre… anstatt meine Meinung kundzutun und im Beisein von 15 Tummeldeutschen auf den (mich anwidernden) Alltagsrassismus hinzuweisen,… was denkt ihr denn, was zielführender gewesen wäre, wenn das Ziel so definiert ist, dass kein Nazi besser ist, als einer zuviel?

Ich stelle diese Frage ernsthaft, dass ich ein besser Mensch bin als ihr, weiß ich eh. Schublade zu, Affe tot.

…mein liebster Ex-Polit-Blogger sagte eben an Telefon den Satz: Ach weißte, diese ganzen Konsensmenschen gehen mir auf den Sack.

Ist bei mir auch heute so, tut mir auch nicht leid, im Meer schwimmt nämlich jetzt ein Afrikaner um sein Leben, wegen dicken FC-Fans wie dem aus der Post, wegen dir, wegen mir, wegen uns allen. Und mir dann mit unser Sozialsystem und man müsse ja zumindest die Sorgen und Ängste der Leute versuchen zu verstehen kommen,… nee ey, ich weiß es ja nicht. Mediokratie? Angstmacher-Politik? Hallo? Merkt ihr noch was? Der Mensch IST ein empathisches Wesen, davon bin ich überzeugt. Und Bildung und Aufklärung ist wichtig, das wissen wir auch. Man kann aber auch ewig reden – und ja, das ist ein anarchistisches Prinzip, und ich heiße es gut! – und sich selbst auf Facebook schönlesen und den endlosen Konsens endlos suchen. Ich bin für: Position beziehen! Und zwar schnellstens, die (Nazis, Bänker, Postbeamte) haben das längst getan, nennt das Schwarz-Weiß-Denken, ich nenne das Logik.

Sorry, das war jetzt wieder ein Diss. Das wollte ich gar nicht. Ich sage ja: Dilemma. 

….bei mir käm' der Nazi jedenfalls auf 'ne Scholle (Nach mindestens semi-endloser Diskussion, vielleicht freiwillig und befristet. Oder mir noch so 'nem Idioten. Oder auch zwei.) 

Na?

Richtig oder Falsch? 

Vor der Wahl ist nach der Wahl. Ey.

Herrje. Es gärt noch ordentlich in mir, ob des katastrophalen Wahlsonntages von neulich. Das Ergebnis teilt mich einmal in der Mitte: LINKS weit oben, AfD aber auch!? O__o Ich glaub', ich mal nur noch bunte Bilder mit Blumen drauf, die ich dann hier ins Blog stelle. Ich will jetzt noch gar nicht viel mehr dazu sagen. Das ich die Menschen hasse, wisster ja eh; aber trotzdem, jetzt mal echt: WAS HABT IHR NUR GETAN!? WTF!?

Und: Wer sich nun darüber aufregt, dass Schäuble schon einen Vorstoß in Richtung Steuern hoch gemacht hat, den kann ich nur müde belächeln und ihn (oder sie) bitten, sich das Video oben 4.500x in Folge anzusehen; um sich dann doch anschliessend eine Ecke zu suchen, in der er (oder sie) einsam versterben kann. Ohne mich zu nerven. Die Dummheit, Naivität, Kurzsichtigkeit und Obrigkeitsgläubigkeit soll euch im Halse stecken bleiben. Ey. Ihr seid so doof, SO DOOF!, dass tut MIR schon weh, echt mal.

Ich denke, ein persönliches Vorab-Fazit kann ich aber schon jetzt ziehen: Die letzten Jahre, in denen ich mich ausführlichst mit der utopischen Idee eines anarchistischen Miteinanders beschäftigte, waren in keinster Weise vergeudet; im Gegenteil; diese Jahre manifestierten in mir den Unglauben, die Skepsis an- und gegenüber den derzeitigen, herrschenden Strukturen und Konventionen. In kurz (und bald auch noch ausführlicher):

Ich bin raus, jetzt erst recht. 

anarchist

Fuckerz!

HASS-Mail von Twitter (und so!)

Unbenannt

Leute. Ich muss gerade mal etwas brechen; ich hab' nen Hals, dick wie ein amerikanisches Männerbein. Was labern die nur alle von ah, wählen ist so wichtig und ah, wer nicht hin geht, der darf dann auch nicht meckern oder ah, wer nicht wählt, versteht die Demokratie nicht. Fuckerz alle, echt mal. Die haben doch alle den Knall nicht gehört. Mit DIE meine ich jetzt nicht euch LeserInnen; also nicht unbedingt; sondern eher die Spackos von Twitter, die mir eben die oben zu sehende Hate-Mail schicken. Oder die Dusel-ZEIT-Autorin Carolin Memecke, die in ihrem Pro-Wahl-Artikel mal eben reflektierte, überlegte, intelligente Anarchisten (oder Menschen, mit anarchistischen Überzeugungen) in einen Topf mit Rauten-Merkel wirft, weil die ja auch so rumeiert, wie es Nichtwähler tun; geht man nach der Logik der Autorin. Sie schreibt: 

Es mehren sich die Stimmen, die diesen Gestus zu zitieren scheinen, indem sie das "Nichtwählen" zur radikalen Verweigerung eines politischen Systems erklären, in dem die Parteien verwechselbar, die Programme austauschbar und die Wahlen keine Wahlen seien. – Ich halte das, mit Verlaub gesagt, für Bullshit.

Ich sage: Bullshit! Stimmt. Gut erkannt. Ich wende mich nun mal direkt an Fräulein Obrigkeitsgläubig (aka die Autorin): Du hast doch keine Ahnung, wer oder was 'ne Demokratie ausmacht. Ich auch nicht. Offensichtlich weiß das keiner mehr so genau, einige Steinewerfer in Athen vielleicht noch, die wissen wenigstens, wie man sich 'ne Stimme verschafft, bei uns schaffen das doch nur noch Wirtschaftslobbyisten; der medial-verstrahlte Rest glaubt doch eh immer weiter an Wachstum und Wachstum; und an Wachstum auch nochlebt in einer imaginierten scheindemokratischen Blase, die in Wahrheit nichts anderes ist, als 'ne Diktatur des Dollars (oder des Euros). Die reden von Veränderung, tolerieren aber Gewalt; und sei es ja nur die, die vom Staate ausgeht. Klar, mit solchen nicht-finalisierten Gedankenwelten kommen wir nie weiter; wer die bessere Welt nicht mal denken kann (oder will), der hat auch keine solche verdient. In diesem Sinne bin ich da beim anarchistischen Links-Außen-Gesocks und sehe einen Wahlgang als eine Art Gewaltverbrechen; als ein Frevel an der Humanität. Nimmt man alle Straftaten (definiert durch die Gesetzgebung) der übelsten Gangster der Neuzeit zusammen, stehen diese immernoch in keinem Verhältnis zu dem, was so die so called Volksverräter Volksvertreter den Menschen bzw. den humanistischen Werten angetan haben. Seit den unrühmlichen Zeiten der NSDAP gibt es nun auch wieder bei uns 'ne Art  Bürgerpolizei. In Hessen. Legitimiert durch 16 Jahre tief konservativ-christlicher Bullshit-Politik; alles im Sinne des Volkes, durchgedrückt durch dessen Vertreter. Ach, und wer hat übrigens über Assad und sein Gift gemeckert? Der hat das von uns (bekannt geworden durch eine Anfrage der LINKEN! (Info via Max) ; und ich frage mich, welche Volks-Vertretung so ne Scheisse abgesegnet hat!? Oder wart ihr das? Mit dem Kreuz an der richtigen Stelle? Na? Na? Na? – Flachzangen. Ey. 

Gibt man seine Stimme ab (und schon diese Formulierung lässt doch jedem anständigen Freigeist die Nackenhaare zu Berge stehen!), legitimiert man eine Gesellschaft, in der Schlagstöcke, Bespitzelung, Hass und Wachstum vor Blumen, Vertrauen, Liebe und Genügsamkeit stehen. Als Freizeit-Anarchist bleibt mir da nur zu sagen: ICH legitimere – zumindest in meiner Gedankenwelt – keinerlei Gewalt, egal von wem oder was diese ausgeht; ich beteilige mich NICHT an einem System, was Hass, Angst, Wachstum und Doppelmoral propagiert. 

Und das war nur EIN Grund, warum man nicht hingehen sollte, wenn man sich nicht lange und ganz ganz ganz genau überlegt hat, wem (und für was) man am Sonntag seine Stimme ABGIBT.

Und jetzt kommt der Clou: Ich geh' dieses Jahr selber hin; meine Wahlentscheidung und Wahlempfehlung lässt sich (unter anderem) hier nachlesen. Warum ich jetzt nach dem Gepolter oben so 'ne Kehrtwende vollziehe? Weil ich das Gefühl habe, dass Anarcho-Blogging, Wikileaks-Spenden, Demos, Plakatierung, viel Gequatsche im kleinen Kreis, etc. dieses Jahr nicht genug sind; weil ich finde, dass die Demokratie (mit künftigem Linksdrall) zumindest noch eine letzte – eine allerletzte! – Chance verdient hat. 

gnihi

…ich las eben einen Comment auf Facebook 

Schleichende Veränderungen hingegen scheinen mir unaufhaltsamer und stabiler, weil sie sich nach und nach auch im Werte- und Denksystem der Menschen verankern. Da helfen Wahlenscheidungen durchaus mit bei der Konsolidierung dieser winzigen Veränderungen.

Klingt gut. Ist es auch. Wenn man die derzeitig praktizierte Demokratie als kleinstes Übel begreift, der Obrigkeit hörig ist und gläubig gegenüber steht, den Status Quo als unveränderbar anerkennt und sich der illusionären Hoffnung hingibt, dass sich in den nächsten vier Jahren irgendwas verändern wird, nur weil man (oder Frau) ein Kreuz auf einem nichtigen (?) Blatt Papier macht. 

…ihr seht bzw. lest die Diskrepanz, ne? Ich fasele und fasele, gebe mich aber am Sonntag der selben Illusion hin. Allerdings hat meine Illusion ein Fundament: Ich habe das Gefühl, dass Gregor Gysi nun endlich die Achtung erfährt, die ihm gebührt. Ich habe weiterhin das Gefühl, dass bei viel mehr Menschen der Wunsch nach Veränderung durch ein alternative, linksorientierte Politik besteht, als es bei den letzten Wahlen der Fall war. Einen weiteren Grund habe ich auch noch: Der ist privat, blond, unglaublich sexy und hat mehr Ahnung von Politik, als ich sie mir jemals aneignen könnte. Diese beiden – natürlich sehr subjektiven – Gründe lassen mich daran glauben, dass die Wahl dieses eine mal anders ausgehen könnte, als es bisher der Fall war. Außerdem will ich noch ein (letztes?) mal den Thrill vor dem TV am Sonntagabend erleben. 

Was ich eigentlich sagen will: Wählen gehen ist keine Bürgerpflicht! Das Hinterfragen der politischen Kaste und ihrer Machenschaften Aktivitäten schon. Wer also nicht hingeht, bekommt einen Keks von mir. Wer hingeht und die LINKEN (oder die Violetten:) wählt: Zwei ;) Für alle anderen gilt: Grün, SPD-Rot, Schwarz, oder Gelb. Die stehen ALLE für Verrat an der Menschlichkeit, für Expansion, für Ellenbogen, für den Ego-Arschlochmodus, für Giftgas, Angst, Taliban und Nachbarschaftskriege. 

Ergo: Fickt euch, ich bin fertig mit euch und in meiner (künftigen) Kommune dürftet ihr maximal den Küchendienst machen. An Entscheidungen werden Arschlöcher eben nicht beteiligt; wir sind da dann nämlich allesamt Esos, Gutmenschen und Pazifisten, und keine Heckenpenner, Großkapitalisten oder doppelmoralige Kleingeister, die weiter Krieg spiel möchten.  

So far. Ich sehe dem Sonntag gespannt entgegen.

Endlich mal wieder. 

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