Empathie: Immer und überall! Oder: Null Toleranz der Intoleranz?

Ich steh da gerade vor einem Problem. Es ist ein sprachliches, ein kommunikatorisches, ein moralisches und ein philosophisches. Die überspitzt dargestellte Kurzfassung: 

Ich schrieb diesen Artikel über den dicken Nazi in der Post, outetet mich auch auf Facebook als klarer Nazi-Hater, verteidigte meine Null-Toleranz-Position gegenüber zwei (mir über die Netzjahre sehr lieb gewordenen ) Menschen und stecke nun anschliessend in diesem Dilemma fest: Wenn ich dem Nazi an sich nicht grundsätzlich kommunikativ und offen – also mit dem Willen mich in ihn hineinzudenken – gegenüberstehe, wie weit weg bin ich dann von meiner eigenen Überzeugung Anarchist und empathisches Wesen zu sein? Gibt es Schubladen die man schließen soll, so für immer, oder hat selbst der nazihafteste Arschlochpenner immer noch ne Chance verdient? Gehe ich anarchistisch-philosophisch an die Sache heran, ist die Sache klar, hilft mir aber in meinem Dillemma kein Stück weiter: Der Typ der dauernd alle nervt (der Nazi) kommt auf ne Eisscholle und darf in den Himmel, oder wir diskutieren bis ins Jahre 2689 mit dem aus, warum er ein Arschloch ist und bald auf die Scholle kommt, wenn er sich nicht schickt. Es gibt nur diese beiden Möglichkeiten, mehr gibt die Anarchie nicht her (bis auf eine mir bekannte Ausnahme, die ich nicht nennen will, weil ich sie nicht für repräsentativ halte). Hilft mir aber im Alltag wenig, ich lebe nicht ewig, und hab' auch keine Scholle, bzw. keine Gruppierung von Individuuen, die die Scholle anstößt. 

Weiter im Text: Ich disste also meine Bekannten auf Facebook, so a la Gutmenschentum und ihr mit eurer Moral und so. Das tut mir jetzt etwas leid. 

… und im selben Gedanken (und das hier ist wahrscheinlich doch noch mal eher 'ne psychologische Frage/Problematik…) steckt das hier drin: Ja, scheisse noch eins, es ist doch wahr, was ich sage. Nazis gehören in 'ne Schublade, und die wird dann auf 'ne Scholle gesetzt. Auf 'ne ganz große, eiskalte Scholle.  

Nein, schreit der Moralphilosoph aus der Ecke, die müssen alle nach Texas, Knarren rein, Zaun drum, Ruhe im Karton….von welchem Bekloppten von euch habe ich eigentlich diesen Gedanken? Max, Karo, Rolli!? Wer wars? Nein, schreit er,​ die Moral ist ein hohes Gut, die hat Reflektion und Bedächtigkeit verdient, du kannst keine Empathie fordern, wenn du selbst nicht bereit bist, welche zu geben.

WTF! Scheisse mann, ich liebe Philosophie, ich hab' keine Moral, mag dafür aber auch keine Menschen! – Ey Leute, merkt ihr was? Zynismus, Ironie? Hallo? Ich bin der empathischste Mensch den ich kenne! Ihr könnt mich doch alle am Arsch… MOMENT!

Jetzt mal echt, und zwar nicht so abstrakt, sondern recht praktisch: Ich schreibe nur meine Gedanken runter. Und ja: vielleicht kommt mir auch gleich mein Ego, meine vermeintlich fehlende Empathiefähigkeit und mein nazihaftes zweites Ich in die Quere, mag sein. Vielleicht ist es aber auch nur mein ausgeprägter Sinn für Gerechtigkeit (Mein UrUrOpa war Freibeuter. Kein Witz). Oder meine Selbstverliebtheit. Ich weiß es nicht. Sagt es mir. 

Wenn ich diesem blöden Nazi-Sack da in der Post (und der deutschen Post-Soldatin) mit Empathie, einem offenen Herzen und geschlossenem Mund begegnet wäre… anstatt meine Meinung kundzutun und im Beisein von 15 Tummeldeutschen auf den (mich anwidernden) Alltagsrassismus hinzuweisen,… was denkt ihr denn, was zielführender gewesen wäre, wenn das Ziel so definiert ist, dass kein Nazi besser ist, als einer zuviel?

Ich stelle diese Frage ernsthaft, dass ich ein besser Mensch bin als ihr, weiß ich eh. Schublade zu, Affe tot.

…mein liebster Ex-Polit-Blogger sagte eben an Telefon den Satz: Ach weißte, diese ganzen Konsensmenschen gehen mir auf den Sack.

Ist bei mir auch heute so, tut mir auch nicht leid, im Meer schwimmt nämlich jetzt ein Afrikaner um sein Leben, wegen dicken FC-Fans wie dem aus der Post, wegen dir, wegen mir, wegen uns allen. Und mir dann mit unser Sozialsystem und man müsse ja zumindest die Sorgen und Ängste der Leute versuchen zu verstehen kommen,… nee ey, ich weiß es ja nicht. Mediokratie? Angstmacher-Politik? Hallo? Merkt ihr noch was? Der Mensch IST ein empathisches Wesen, davon bin ich überzeugt. Und Bildung und Aufklärung ist wichtig, das wissen wir auch. Man kann aber auch ewig reden – und ja, das ist ein anarchistisches Prinzip, und ich heiße es gut! – und sich selbst auf Facebook schönlesen und den endlosen Konsens endlos suchen. Ich bin für: Position beziehen! Und zwar schnellstens, die (Nazis, Bänker, Postbeamte) haben das längst getan, nennt das Schwarz-Weiß-Denken, ich nenne das Logik.

Sorry, das war jetzt wieder ein Diss. Das wollte ich gar nicht. Ich sage ja: Dilemma. 

….bei mir käm' der Nazi jedenfalls auf 'ne Scholle (Nach mindestens semi-endloser Diskussion, vielleicht freiwillig und befristet. Oder mir noch so 'nem Idioten. Oder auch zwei.) 

Na?

Richtig oder Falsch? 

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