Monthly Archives: Januar 2011

Dragos Jieanu


Beginnen wir die Woche doch mit etwas Urlaub Yeah! Spaceship-Power. Dragos Jieanu sagt über sein eigenes Bild, dass er es leicht übertrieben hat. Ich finde allerdings diese unglaubliche Vielfalt und den Detailreichtum (klickt drauf!) ziemlich klasse. Haut doch voll rein! Ich wäre froh, wenn ich nur eine so 'ne kleine Wolke malen könnte. Seine Arbeiten sind eine gelungene Mixtur aus Sci-Fi, Biopunk und weiteren, zukunftslastigen Motiven. Lasst Euch vom Intro seiner Website nicht abschrecken; danach wird alles besser. Versprochen.

Wir haben Cyberpunk. Oder: Warum ich nicht mehr weiterschreiben kann.

(Bild: © by Oliver Wetter, von hier)

Irgendwann in den nächsten 20 Jahren möchte ich folgendes Szenario erleben: Ich sitze irgendwo oberhalb des Rhein-Main-Sprawls. Zum Beispiel an einem Waldrand, oder auch gerne im eigenen Garten. Zusammen mit einigen Robo-Pets, die zwar aussehen wir echte Hühner, innen drinnen aber viel smarter sind, als ich – einer der letzten seiner unmodifizierten Art –  es jemals sein werde. Dort sitze ich also, schreibe einen 1.200-seitigen Cyberpunk-Roman über die Liebe, über das große Ganze und über die Versprawlung der Welt. Dabei könnte dann sowas ähnliches rauskommen, wie das hier: 

Korrodiert, unbeheizt, ausgekleidet mit Styropor. Bloß weit genug weg von der Stadt. Starrende, katatonisch grün-graue Augen die unter einem rostig schimmernden, lachsfarbenen Ledermantel heraus in die bittere, düstere, Wahrhaftigkeit der Welt  schauen. Brechreiz und Metall in der Kehle. Dreck und der Geruch von altem Fisch umgibt sie. Eine technoisierte globalisierte Welt. Hart wie V2-Stahl. Wer ist sie? Wer war sie? Ihre Carbonimplantate fahren in den automatisierten Ruhemodus. Die Haut noch immer entzündet von den Einstichstellen. Ein Satz eines Pre-Singulären schießt ihr durch den modifizierten Hirnlappen: "Die Neugeborenen weinen, zu betreten die große Narrenbühne." – Woher diese Worte? Sie entsteigt ihrem Verschlag, die Augen nach vorne gerichtet. Steht auf, übergibt sich in den moderigen Geruch des Sprawls und wandelt hinaus in diese fremde Welt; der Regen, ihr trostspendender Begleiter. Ihre Tränen verwaschen; verloren auf ewig im Dunst des Morgens. Trübheit; versunken im Morast des 22. Jahrhunderts. Ächzend bewegen sich die Servos  in ihren Ellebogen, recken sich empor, zu einer Sonne, die niemals wieder aufgehen wird. 

Schön nicht? Dies waren die ersten Zeilen meines mittlerweile 66-Seiten starken Romans, den ich niemals fertig schreiben werde. 


(Bild: © by Kenneth Herstadr, von hier)

Ich möchte Euch erzählen, warum ich nicht mehr weiterschreiben kann. Es gibt einen einfachen Grund dafür: Mir fallen nicht schnell genug weitere, düstere Szenarien für eine Zukunft ein, die eigentlich gar keine Zukunft mehr ist. Das, was mich an der Cyberpunk-Literatur inspiriert und fasziniert, läuft mittlerweile stündlich im Fernsehen. Es passiert alles wirklich. Und es passiert so rasend schnell (zu schnell, wie neulich mal wieder erwähnt). Ich philosophiere über die nächste Stufe der Neo-Kolonialisierung; schaue Abends in's Internetz, und stelle fest, dass meine Fantastereien längst überholt sind; meine dunkle Zukunft 600 Kilometer weiter gerade Wirklichkeit wird. Wie soll man da noch weiter an einer fiktiven Storyline arbeiten? Da kommt doch keiner mehr mit.

…das ist alles gar nicht so dramatisch? Die Sonne scheint doch noch? Technologie und blinder Optimismus wird uns alle retten? Ich übertreibe? 

Nicht im geringsten! Zur untermauerung meiner These möchte ich Euch eben zwei Artikel empfehlen, die sich exakt mit dem Thema Warum wir schon in einem Cyberpunk-Szenario leben befassen. Anschließend macht ihr Euch ein paar Gedanken; und sagt mir dann, dass ich spinne, und die Hippies es eh nicht hätten rumreißen können. 

Sprawl! For real!

Bild:  © flickr.com/rastaschas

Wer sich mal mit dem wunderbaren Thema Cyberpunk befasst hat, oder regelmäßig dieses Weblog hier besucht, dem ist der Begriff Sprawl sicherlich schon mal untergekommen. In der rückständigen deutschen Wikipedia kann man leider nur den Konterbegriff zu Sprawl entdecken: New Urbanism.

New Urbanism („Neuer Urbanismus“) ist eine Bewegung im Städtebau, die Ende der 1980er, Anfang der 1990er Jahre in den USA entstanden ist. Feindbild der Bewegung ist der so genannte Sprawl…

Ist mir ziemlich neu, was da steht. Ich verbessere mal eben, und komme dann umgehend zum Thema. Sprawl ist weder eine Gegenbewegung zu irgendwas, noch würde ich den Terminus Feindbild anwenden. Feindbild zu was? Zu all' den ökologisch/ökonomisch nachhaltig konzipierten Megacities, die gerade an allen Ecken und Enden des Planeten aus dem Boden sprießen? …ein Feinbild braucht eine existierende Projektionsfläche. Sonst wird das nix, mit dem Bild. An den weiteren Ausführungen des Wikipedia-Autors habe ich nichts auszusetzen: 

…also die uferlose Ausbreitung der Städte in suburbane Siedlungen.

Jau. Passt so. Da wir nun die Begrifflichkeiten geklärt haben, komme ich zum Thema. China plant den Bau des ersten wirklichen Sprawls. Die erste Megacity, die den Namen auch verdient. Hier mal eben ein paar Hausnummern: 

  • Es werden neun bereits existente Großstädte zusammengelegt.
  • Das Sprawl wird nach Fertigstellung die 26-fache Größe von London haben. 
  • (ca. 41.440 Quadratkilometer)
  • 42 Millionen Menschen werden in der Überstadt Platz finden. 
  • 221 Milliarden soll der Spaß kosten

In allen Sprawl-Texten hier im Blog lese ich eine gewisse Euphorie heraus. Die mir gerade irgendwie ziemlich pervers vorkommt. Warum? Weil's mal wieder wirklich passiert. Ein ähnliches Gefühl hatte ich neulich, als da irgendwas mit Wikipedia und Geheimvergewaltigungen im Gespräch war.

Entdeckt / Mehr Infos:

UPDATE: ..den Vortrag hier hab' ich gerade noch mal angeguckt. Städteinvasion. Apokalypse. Wir werden alle sterben. 

Coverart: Utopia-Magazin


Der Livejournal-User z3000 hat eben eine wirklich ansehnliche Sammlung von Covern des 50er Jahre Sci-Fi-Printmagazins UTOPIA hochgeladen. Ich find' ja die Headlines auf den Covern zu köstlich: Die Kinder des Chaos! Oder auch: Dorora, das Marsungeheuer. Supergut. …dazu diese wirklich atmosphärischen Cover-Illustrationen… Hach. Früher war's doch viel utopischer. 

Kurzfilm: The Thomas Beale Cipher

Mit etwas über zehn Minuten haben wir hier einen Kurzfilm, der gar nicht mal sooo kurz ist. Im Movie von Andrew Allen dreht sich alles um die mysteriösen Aufzeichungen des Herrn Thomas J. Beale. Wieso dieser Mann einen Kurzfilm verdient hat? Das erzähle ich (bzw Wikipedia) Euch gerne:

Die Beale-Chiffre ist die wohl bekannteste verschlüsselte Botschaft der Welt. Sie beschreibt einen Goldschatz, welchen ein gewisser Thomas J. Beale in den Jahren 1820/22 versteckt haben soll. […] Die erste und dritte Chiffre konnten bis heute nicht entschlüsselt werden.

Die Story des Herrn Beale war mir bekannt; dass man daraus einen solch' einmaligen Kurzfilm machen kann, hätte ich aber nicht gedacht. Mal ehrlich: Der Look in den Bewegtbildern ist doch echt passend; in der Form habe ich habe sowas selten gesehen.

Tolle Story, toller Look, gutes Timing, netter Sound….da passt echt alles. Und was lernen kann man auch noch. Wenn man denn willig ist. 

Verbrennt alle Flaggen!

(Bild:dpa) 

Ich persönlich halte ja 2011 bisher für ein wirklich gutes Jahr, um mal grundsätzlich über Dinge wie Staaten, Flaggen und Grenzen nachzudenken. Brauchen wir den ganzen Quatsch wirklich noch? Wer hat sich das überhaupt ausgedacht? Und falls wir es nicht mehr brauchen, was machen wir dann zur Fußball WM? O__o Schwierig. Aber nicht unlösbar. Intention für diesen Artikel ist ein toller Text drüben bei realitysandwich.com zum Thema Let's Burn the Flags of All Nations. Schon das Intro weiß zu gefallen und macht Lust auf mehr: 

Let’s burn the flags of all nations

No more nation-states

No more patriotism

Try it, you’ll like it

…und wer jetzt nicht noch mehr lesen will, der ist doof. 

Cookie Consent mit Real Cookie Banner