anarchism

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Anarchisten halten uns den Spiegel vor: So könnte die Welt aussehen, wenn wir wirklich aufgeklärt, mündig und frei wären! Dafür sollte man ihnen ein bisschen dankbar sein und sie nicht ständig als Terroristen oder Chaoten missverstehen. Also, liebe Kollegen in den Medien, wenn das nächste mal irgendwo Chaos herrscht und ihr wollt einen Wiederholungsfehler vermeiden: Nehmt "Durcheinander", "Wirrwarr", "Unordnung" – aber bitte nicht "Anarchie". Und wenn das nächste mal irgendwo eine Bombe explodiert: die Täter sind allemal Terroristen (vielleicht religiöse, vielleicht politische oder verrückte), aber mit hoher Wahrscheinlichkeit keine Anarchisten.

(Zitat, Dirk Maxeiner & Michael Miersch)

Doku: Die Welt Cyberpiraten

…nette kleine Doku über Hacker und Hackerspaces. Über Hacker, die heute mit Schäuble Kaffee trinken und ihm dabei seinen Fingerabdruck klauen. Über Hacker, die heute zur Schickeria gehören. Über Hacker, die Geräte bauen, mit denen man Spiegel-Online Nachrichten nach belieben verändern und auch an die Leser ausliefern kann (muss ich haben!)  

Ach klar, die Anonymen sind auch wieder mit dabei; es wird kurz erklärt, welche Unterstützung die Jungs und Mädels der Bewegung des arabischen Frühlings zukommen ließen. Eines der letzten Statements der Doku welches ich euch schon jetzt eben mitteilen möchte ist: 

Denn mit dem Internet wird etwas Grundsätzliches in Frage gestellt. Die Hierarchie der Macht. 

Schwarmintelligenter Staat: Island

Als 2009 die erstaunliche Konstellation einer Koalition aus überwiegend links-grünen Politikern den angemufften rechts-liberalen Premierminister Islands – Geir Haarde – schasste, staunte das restliche Europa schon nicht schlecht. Als der zweitgrößte Inselstaat Europas dann damit begann, eine softe – aber offenbar sehr wirkungsvolle –  digitale (R)Evolution ihrer Regierungs- und Staatsarbeiten zu forcieren, flauten die Berichte in unseren Leitmedien stark ab. Aus Gründen, die sicher jeder der mehr als zwei Gehirnzellen besitzt, zusammenreimen kann. Die verrückten Isländer schufen gar ein Ideen-Ministerium und haben neuerdings auch eine crowdgesourcte Verfassung. Das war dann schließlich und endlich zuviel für den durchschnittlichen Zwei-Gehirnzellen-Europa-Politiker.

Dann die Idee, doch mal eben 1.500 Landsleute per Telefonbuchblätter-Zufall einzuladen und die auch noch direkt mitbestimmen zu lassen,… das klang wie ’ne Mixtur aus Anarchie und Kommunismus. Ich fand’s großartig; habe alle News zu dem Thema aufgesogen, wie ein Anarcho-Schwamm. Unsere Politiker und Medienmacher dagegen zogen ihre Scheuklappen immer enger, bis das Thema endgültig von der Bildfläche verschwunden war. Dann plötzlich hatten wir nämlich alle die Schweinegrippe und es starben Milliarden von Menschen in Europa (wenn ihr noch lebt: pures Glück!).

Der Telepolis-Autor Christoph Mann hat zu dem Thema einen wirklich wunderbaren Artikel geschrieben: 

Was dabei herausgekommen ist? Ein Manifest der „Umsonst-Kultur“, ein Shitstorm vertrollter Netzkinder, die Weisheit der Masse, die Zukunft der Demokratie? Das kann jeder nachlesen, im Internet. Schwerpunkte der Neuerungen bilden Gewaltenteilung, Umweltschutz, Informationsfreiheit, Ressourcen, Transparenz und Mitbestimmung.

Kann man das denn alles überhaupt auf unsere schöne deutsche Republik übertragen? mag da jemand berechtigterweise einwerfen. Die Antwort ist: Nein. Wir hatten nämlich noch keinen Totalcrash. Dafür aber ’ne Partei mit Piraten drinne. 

The Anarchist Cookbook

The Anarchist Cookbook. Das Teil gibt es weiter unten (nach dem Klick) als komplettes PDF. Das kann man sich dann einrahmen oder für die Schwiegermutter hübsch verpacken. Zwei Dinge möchte ich dazu loswerden: a) verstehe ich sehr gut, dass sich die globale Anarchie-Bewegung relativ oft von dem Buch distanziert und b) bevor hier jetzt jemand schreit, aber da steht ja drin, wie man Bomben baut sei vorab gesagt: Bei Amazon kann man das auch ganz offiziell bestellen und eine Reduktion auf den Bombenbau-Part wird dem Werk nun wirklich nicht gerecht. Ich halte es da eher wie die deutsche Wikipedia:

Der Wert dieses Buches liegt in der Dokumentation der politischen Diktion der 1960er Jahre und seinem Kultstatus als amüsanter Schmöker.

Und noch ein Snip von da:

The Anarchist Cookbook wurde vom High School-Absolventen William Powell 1969 als Protest gegen die US-amerikanische Regierung und den Vietnamkrieg verfasst. Es enthält Anleitungen für die Herstellung von Sprengstoffen, Drogen, einer Anzahl inzwischen veralteter Geräte zum Ausnutzen von Telekommunikationsschwachstellen sowie Texte zu anderen kontroversen Themen.

Oben sehen wir übrigens den Autor des Buches, William Powell, der sich 2009 eindeutig von seinem Werk distanziert hat. So hat der das alles nämlich wirklich nicht gemeint. Jetzt wisst ihr Bescheid.

…und jetzt mal ihr!

Max, einer meiner liebsten Blog-Buddies (und mittlerweile auch ein echt guter Kumpel von mir) titelt neulich auf seinem Weblog das hier: Die Totalüberwachung kommt und ich gebe auf

Ich erdreiste mich mal seinen kompletten Frust-Artikel hier rüberzukopieren. Here we go: 

Die größte Verfassungsklage aller Zeiten interessiert unser Regime nicht, die Vorratsdatenspeicherung kommt trotzdem, wir haben verloren, ich habe keinen Bock mehr. Wo ist der Sinn darin, gegen das 4. Reich anzukämpfen? Auf politischer Ebene scheint das offensichtlich nicht mehr zu gehen. Ich glaube, ich höre jetzt einfach auf, mich noch darum zu kümmern. "Wir" freiheitsliebenden Menschen scheinen dem Regime eh völlig egal zu sein, die Mehrheit der Deutschen interessiert sich einen Scheiß für alles, Hauptsache sie sehen auf Facebook gut aus und im Dschungelcamp passiert irgendwas ekliges.

Ich glaube echt ich steig aus der Thematik aus und dann könnt ihr mich…. von hinten sehn.

Also. Ich sach's mal so. Hier, bei mir, auf diesem Weblog schauen mittlerweile ca. 400-600 Menschen am Tag rein (die Bots sind da schon abgezogen). Nun meine Bitte: geht doch mal rüber zum Max, und sagt ihm, dass die Welt genau solche Leute wie ihn braucht. Das ihr solche Menschen wie ihn braucht. Denn genau so ist es; auch wenn ihr das selber gar nicht wisst; oder: nicht immer wisst. Macht das aber nur, wenn ihr das auch so meint (dazu könnt ihr ja einfach mal die letzten 10 Artikel bei dem Kerl lesen. Alle sind nämlich angebracht und richtig wichtig, wie ich das sehe)

Nun mal eine klare Ansage an die gefühlten 300 Unbekannten Besucher am Tag. Wenn ihr nicht auf Max – dann also auch nicht auf meiner –  Seite steht: Geht doch bitte weiter und steckt euren Arschloch-Kopf in euren Arschloch-Arsch  wählt demnächst wieder eine beliebige Lachnummer von Partei; damit die euch dann auch schön weiter Konsum- und Kapitaldiktieren und euch die Gehirne weichspülen können. Aber geht ja weg von hier! Wenn ich unter dem Artikel von Max bis morgen Abend nicht mindestens ein paar Dutzend gut zusprechende Kommentare von euch lese, bin ich traurig. Ganz im Ernst. Und was das heißt, das wisst ihr ja. Ausbaden müsst ihr das dann nämlich auch wieder ;) Ich kann und will einfach nicht akzeptieren, dass sich mittlerweile nur noch maximal 5 Weblogs in meinem täglichen Medienkonsum um etwas mehr kümmern, als um ihr eigenes Wohl. 

Was ist das für eine Welt, in der Menschen die so engagiert sind, sich so reinhängen, am Ende einfach frustriert die Hass Flinte ins Korn werfen. Hätten wir nicht wenigstens ein paar solcher Männer mit Format, wären wir längst in einem noch dystopisch-babylonischen Staatenkonstrukt angekommen; wir hätten noch mehr Grenzen, mehr Zäune, mehr Verbote und verdammt viel weniger Freiheit, als es heute noch der Fall ist. Ohne solche Jungs wären wir verloren. 

Ich kann und will nicht glauben, dass auch ihr nur an euer Aussehen auf Facebook denkt und die affenartige Meute im Junglecamp anfeuert (Zitat Max) 

Ich könnte nun hier anfügen, wieso ich vor ca. zwei Jahren selbst noch viel mehr politisch korrektes Zeug verbloggt habe (link). Das hat halt Gründe; allerdings geht es hier nicht um mich, oder meine politischen Kotz-Artikel, sondern um eure Zukunft. Um die Zukunft eurer (möglichen) Kinder! Es geht darum, dass dieses verfickte eine Prozent es so dermaßen gut drauf hat, einen Zermürbungskrieg zu führen, bis es im Jahre 2020 dann heißt: Der Gehirnchip bei Neugeborenen ist Pflicht! Bis es heißt: Dein Internet muss erst freigeschaltet werden! Bis es heißt: Der Konzern ist deine Community! Wollt ihr das so haben? Eine Welt, in der alles und jeder getrackt, gemessen und angepasst wird? In der Regeln mehr gelten als Farben? In der mehr Schranken stehen, als Brücken? Nein?

Dann rüber zum Max, und ihm sagen, dass die Welt ihn braucht.

Danke euch! 

  • Bild: Spider halt