Monthly Archives: Januar 2011

Menschenranking


In einem seiner wilden Sci-Fi Bücher beschreibt Charles Stross eine Zukunft, in der Menschen wie Aktien bewertet (und ebenso gehandelt) werden. Leider wird diese Idee im  Roman nur angeteasert; sie hat keine effektive Auswirkung auf den Fortgang der Geschichte. 

Nimmt man den Ansatz von RecommendationEngines (Empfehlungs-Software), denkt mal an die allgemeine Entwicklung von Bewertungssystemen im Internet; und verknüpft das Ganze dann noch mit der Idee des (kommenden?) Internet der Dinge, könnte man zum Schluss kommen, dass wir neben Page-Rankings und Toplisten, auch noch Platz für was menschlich(er)es haben sollten: Menschen-Ranglisten! Forbes deluxe! …von allen. Für Alle. Für Alles. Heal the world und fuck you. 

Schon jetzt dienen soziale Netzwerke nicht nur der sozialen Vernetzung, sondern sind auch Gradmesser und Indikatoren für die Wertigkeit der Verpflechtungen innerhalb dieser Netze und Netzwerklisten. Ein Beispiel: Werbefachmann X checkt den Vernetzungsgrad von Blogger Y, entdeckt bei der Recherche, das Blogger Y ja ziemlich gut mit Blogger Z vernetzt ist. Nehmen wir nun weiter an, Blogger Z ist in seiner Nische ein sogenannter Meinungsführer. Nun könnte also Werbefachmann X (theoretisch) auf die Idee kommen, die Wertigkeit von Blogger Y aufgrund seiner Vernetzung mit einem Meinungsführer (Blogger Z) höher einzuschätzen. Klingt alles sehr trocken und theoretisch, spiegelt aber einen Prozess der Werbewelt im Jahre 2011 wieder.

Die logische Konsequenz dieser Art der digitalen Personenbewertung ist ergo eine Ausweitung des Konzepts auf alle Menschen (zukünftig: auf alle Dinge!), die sich im Web aufhalten. 

…und schon gibt's ne App dafür: Hashable

Statt an Orten “checkt” der Nutzer soziale Aktionen mit Menschen ein. Daraus entsteht ein Reputationssystem – der “Pagerank für Menschen”. Er dürfte das nächste grosse Ding werden.(Netzwertig)

Ei der Daus! That's Fuckin' Cyberpunk! (O__o)

Bevor ich mich nun selbst in Mitleid ertränke, weil sich die Welt einfach zu schnell für mich dreht, hau' ich hier lieber 'n paar Fragen rein, die mir beim Durchdenken der (Un-)Möglichkeiten dieser neuen Technologie so durch's Hirn zucken:

Stellen Startups künftig nur noch Menschen mit einem 'Mindest-Human-Rank von 5' ein?

Werden Meetings nur noch mit 'High-Level gerankten' Personen abgehalten?

Wie viele 'erste Dates' scheitern an einem 'nicht passablem Human-Rank'? 

Wieso lassen Startups nicht mal einen Philosophen oder einen Ethiker am Produkt mitentwickeln? 

Bin ich eigentlich altmodisch oder eher Cyborg? 

Fragen über Fragen. Diese App/dieses Tool bringt mich in die klassische Bredouille des zweischneidigen Schwertes: Auf der einen Seite kann ich mich für die immer schneller voranschreitende Entwicklung solcher Anwendungen begeistern und reite gerne auf der Enthusiasmus-Welle verquerer Nerds (who?), die in solchen Apps das Heil der medial-vernetzten Zukunft sehen.

(Hinter dem Marketingbegriff 'true' network verbirgt sich übrigens ein äußerst gemeingefährlicher Marketing-Roboter)

Andererseits graust es mich bei dem Gedanken, dass wir mittels solcher Apps den (für mich) fragwürdigen Gedanken des hierarchischen  Systems nicht nur fördern, sondern quasi seine Umsetzung erzwingen. Laut Darwin hat die Evolution eine Abkehr von Hierarchie und Geltungsdrang erst so für ca. 2055 vorgesehen. Das Tool kommt also zu früh. Wie zum Beispiel auch 'ne Marslandung. Oder das CERN. Mit seinen talibanistischen Kernspaltereien. Oder die Idee, wir könnten uns in den nächsten 20 Jahren mit den Übermenschen anlegen. Oder. Oder. Oder. Schwachsinn.

Ich möchte nicht zum Boykott dieses Tools (oder Tools dieser Art; die sicher kommen werden) aufrufen. Drüber nachdenken sollten wir aber alle mal. Nur so. Für 'nen kleinen Moment.

Lieber komme ich noch mal auf Charlie Stross und seine Sci-Fi-Fantastereien zurück. Der gravierendste Unterschied zwischen unserem Universum, und dem, in dem ein solches Human-Ranking bereits etabliert wurde und auch funktioniert, liegt auf der Hand: In Charlies Parallelwelt ist der Mensch bereits in den Vorgang der Ablösung involviert. Bessere, ausgebautere, weitsichtigere Lebewesen haben für eine faire Umverteilung gesorgt, lenken die Geschicke des Planeten, bauen die Galaxie zu einem Matroschka-Gehirn aus und rauchen Joints mal eben so nebenher. Soweit sind wir aber längst nicht.

Es darf bezweifelt werden, ob wir einen solchen Punkt überhaupt jemals erreichen können und werden. In Zeiten von Anti-Demokratisierung, Neo-Kolonialismus, Oil-Peak und anderen Highlights, die aus der industriellen Revolution und ihrer kleinen Schwester – dem Informationszeitalter – resultieren, behaupte ich:

Das einsortieren von Menschen in Rankingsysteme bringt uns derzeit nicht wirklich voran. 

Liebe und Anfassen halte ich da für weitaus richtiger wichtiger.

Niko Henrichon


(Bild © by Niko Henrichson) 

Den Comicnerds unter Euch dürfte der Name Niko Henrichon schon mal unter gekommen sein. Sein Portfolio beinhaltet nämlich ziemlich starke Bilder, für ziemlich fette Kunden. Wir hätten da Marvel, DC, und einige Paintings in eigener Sache; die allesamt wirklich phänomenal aussehen und nur so voller Farben und Energie strotzen. Seine Arbeiten für Fables haben genau diesen bestimmten Look, den ich einfach nicht beschreiben kann, und euch deshalb nun direkt auf seine Website verweisen muss:

Der Clockworker braucht Hilfe!


Diese Woche macht mich dieses Interweb echt irre. Erst dieser nerdcore-Gau, und jetzt wird auch noch der Clockworker wegen verbloggten Bildern abgemahnt und denkt über die "generelle Fortführung des Clockworkers auf die bisherige Art" nach. Clockworker ist DER Steampunk-Laden im deutschen Web; und wer jetzt keinen rechtlichen Beistand oder heiße Anti-Abmahn-Tipps geben kann, dem bleibt es überlassen, umgehend Mitglied im Order of the Steam zu werden, und damit den Rauchersalon in dieser Sache zu unterstützen (Das geht in der Seitenleiste des Salons; rechts in der Mitte). Dies rate ich übrigens dringendst an. Sonst werd' ich sauer saurer. 

(Tschakka, Alex! Wir sind bei Euch!)

Danke! Bitte! Gute Nacht!

…und mahnt euch doch einfach mal selber ab. Ey.

Doku: Das Schweigen der Quandts

(Video läuft evtl. nicht in allen Readern!) 

Eben las ich drüben bei wort-schuetzen.de den folgenden Satz: 

Nie und nimmer würde ich mir einen BMW kaufen, weil dieses Unternehmen seinen Erfolg auf Zwangsarbeitern und durch die Hochrüstung im Nationalsozialismus begründet (Immer “gern” gesehen ist die absolut erschreckende NDR-Dokumentation "Das Schweigen der Quandts") 

Ich so: Wie? BMW? Zwangsarbeit!? …nicht, dass ich mich in den letzten Jahren nicht ausführlichst (und streckenweise wie ein Besessener) über miese Machenschaften von Großkonzernen, Großkapitalisten und diversen Großkotz-Vereinigungen informiert hätte (und einige in der Tat zu 100% boykottiere). DAS war mir aber neu. Ergo: Ich musste die Doku sehen.

…und das liebe Internet hat sie auch in voller Länge am Start; so das ich diese faszinierend-erschreckende Familien-Doku nun mit Euch teilen kann. Hier noch ein kurzer Teaser, dann der Direkt-Link:

Zum weltumspannenden Konzernimperium der Quandts zählten in den vergangenen 100 Jahren Unternehmen wie Altana, Milupa, Varta und – bis heute – die Industrie-Ikone BMW. Doch die Quandts verbargen bislang ihre Familiengeschichte und die Herkunft von Teilen ihres Vermögens

(Klar, mag manch einer denken, ist ja nix neues. Trotzdem: Allein schon das Hemd des Herrn Quandt (BMW-Werbe-Aufnäher) zeigt auf, wie krass kaputt das Ganze ist und in wie weit uns (?) diese Story bis in die heutige Zeit verfolgt.)

Four Tet, The XX und Disney.

Eigentlich bin ich ja der Meinung, dass die spitzenmäßige xx-Platte (mit Namen 'xx') nicht gecovert oder vermashupt werden sollte. Wenn sich aber Kieran Hebden aka Four Tet (hier vermerkt) daran macht, den Track VCR etwas zu unterfeuern, dann will auch ich jetzt mal beide Ohren zudrücken.

…um sie ganz flott wieder aufzumachen! Der Remix klingt nämlich echt nice, und die Animationen des Disney Films Fantasia passen auch wie die Faust in's auf's Auge. 

Das beste ‚A Serious Man-Review‘. Überhaupt.


Ich liebe die Coen-Brüder und so gut wie alle ihre Filme. Einer der faszinierensten Streifen den die beiden gedreht haben, ist sicherlich 'A Serious Man'. Die Gesichte vom jüdischen Physikprofessor Larry Gopnik ist einfach großartig erzählt und hinterlässt nach dem Abspann dieses typische WTF?-Coens! -Gefühl. Ich habe ihn mehrfach angesehen; und werde es wieder tun. Gerade macht mir nämlich das total spannend geschriebene Review drüben bei sieben-berge.blogspot.com mal wieder Lust auf einen Coen-Sunday. Hier ein Auszug und dann der Link dazu:

Kurz vor Ende führen die Coens die entferntesten Stränge der Weltdeutung zueinander, die Popkultur Dannys und die jüdische Tradition, die durch Rabbi Marshak verkörpert wird. Danny erscheint bekifft zu seiner Bar Mizwa. In diesem Zustand muss er das erste Mal in seinem Leben aus der Tora lesen. Die hebräischen Buchstaben scheinen ihm zu entgleiten, doch er fängt sich. Er deutet die Zeichen richtig, aber doch ganz anders, als seine beglückten Verwandten gesehen zu haben glauben. Er wird in einem popkulturell entspannten Sinne Mitglied der Gemeinde, der Tradition.

Telekineseheadset

(Player läuft nicht in jedem Reader)

Ich wette im Jahre 2034 gehört das Wort Telekineseheadset schon längst nicht mehr zum alltäglich Sprachgebrauch. Dann sind die Dinger nämlich unter der Haut, und der Mensch lebt ausschließlich durch gedachte Gedanken. 

Ich red' Quatsch? Dann lest mal:

Tan Le's astonishing new computer interface reads its user's brainwaves, making it possible to control virtual objects, and even physical electronics, with mere thoughts.

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