koeln

Köln: Jetzt mit Aussichtspunkt für Idioten!

Hier im christlichen Köln immer alle so: Schlaglöcher! Krippenplätze! Jesus! Kein Geld mehr da für nix; man verliert den kollektiven Glauben. Langsam, aber endgültig. Und jetzt das: Aussichtstürme aus der kapitalistischen Hölle! Und so sehen sie auch aus. Kostenpunkt: 218.000 Gaffelkorken. Damit ich dann voller Wanderlust ein Metallgerippe emporklettern kann. O__o Um was zu sehen? Die völlig verbaute und potthässliche Skyline von Köln?

Ich weine gleich. Ehrlich. 

Und welche Art der Bürgerbeteiligung soll es da gegeben haben? Wo sind denn die? Die sollen dann aber auch ja schön alle da raufklettern. Und runterfallen. 

Im Jahre 1955 entstand in Köln nämlich schon mal ein fastnatürlicher Hügel: Die Glessener Höhe. Und von da hat man wirklich 'ne tolle Aussicht:

Mit den leblosen Körpern von grausamen Menschen die sich so ein Naherholungskonzept ausgedacht haben baue ich euch 'nen Turm von hier bis zum Mars. Kostenfrei. Echt mal.

– Hat jemals einer von euch sowas gesehen und dazu dann Aussichtsturm gesagt!? Gibt es denn die Liebe noch oder sind alle Bäume zu Büchern geworden? Wieso schiebt man nicht den Dreck, den man aus dem Pulheimer-See gebaggert hat, einfach aufeinander? Warum steht das Teil fast direkt auf der A1, ist nur 5,80 Meter hoch​ und macht überhaupt gar keinen Sinn? 

Wo muss ich anrufen und was explodiert am schnellsten?

Herrje. 

(Wer sich an die Müllgate-Sache hier in Köln erinnen kann, kann evtl. auch besser nachvollziehen, warum ich bei solchen Projekten, immer recht, öhm, argwöhnisch reagiere…)

Was denkste zu dem Artikel?
  • Rakete (0)
  • Naja (0)
  • Idiot (0)

Ausstellungstipp: Andreas Fischer in Köln

fsicher

Eigentlich wollte ich ja mit Max zusammen in die Art Spiegelman-Ausstellung im Kölner Museum Ludwig gehen. Das hat letzte Woche nicht hingehauen; also war ich am Sonntag da und habe mir in stiller Andacht völlig geflasht die Maus im Original angesehen. Wahnsinn. Ergreifend. Alles. Da das Museumsticket für alle aktuellen Ausstellung galt, war ich dann auch noch im Keller des Museums und rannte unverhofft in die Installationen von Andreas Fischer: Machines. Your Time Is My Rolex.

In der Ausstellung Your Time Is My Rolex zeigt das Museum Ludwig nun einen Überblick aus dem Maschinenwerk des 1972 geborenen Künstlers. Aus vorgefunden Materialien und Objekten, wie z. B. Werkzeugen oder Sesseln baut Fischer mithilfe von Motoren und Mikroprozessoren bewegte und sprechende Skulpturen, die ihre Bauteile zweckentfremden und in ihrem neuen Verbund eigene Handlungsmotive und Funktionen erlangen. Als humorvolle Mensch-Maschine-Parodien hantieren, lamentieren und polemisieren diese Apparaturen und erzählen ihre Geschichten von inneren Zwängen und existentiellen Fragen, die ins Leere laufen oder in Dialogen endlos zerredet und erörtert werden

Irre, was der Künstler da aus ganz banalen Dingen so zusammengeschraubt. Mein Favorit: Der Sessel! Ich will gar nicht lange erzählen; sondern nur sagen: Kölner (und Reisewillige): Geht hin, zieht euch diese subtile Kritik rein und lasst euch einfach treiben. Das ist ein multimediales Erlebnis, wie man es selten erlebt. Schaut gern mal beim Max rein, der hat noch weitere Infos und auch einige Bilder dazu. Noch mehr Informationen zur Ausstellung gibt es nach dem Klick.

Was denkste zu dem Artikel?
  • Rakete (0)
  • Naja (0)
  • Idiot (0)

Ausblicke

Um mich von meiner Killer-Huhn-Vergiftung etwas zu erholen, dachte ich, eine Miniatur-Wanderung kann da eigentlich nicht schaden. Gesagt Gedacht, getan. Es gab allerdings noch eine zweite Intention einen Hügel im Kölner Umland zu bewandern. Diese hier, nämlich: In meinem Wandern-Im-Soonwald-Artikel habe ich ja so von den Ausblicken und der Ruhe geschwärmt, die einem das Rhein/Main-Gebiet anzubieten hat.

Hätten wir hier im linksrheinischen Köln eine solche Naturlandschaft  in Gehweite…ich würde bei Wind und Wetter und bei jeder Jahreszeit da oben sein. Diese Ruhe, der Blick auf das Rheintal…man sieht Mainz, bei gutem Wetter auch Frankfurt, Teile des Hunsrücks, sogar die Eifel in weiter Ferne…Wunderschön.

Hier wird es nun also bis zum Wintereinbruch (und dann im Frühjahr wieder, wenn kein Arschloch-Huhn dazwischen kommt) immer mal wieder Bilder von Plätzen mit Sicht auf die Region Köln zu sehen geben. Klar, Köln ist jetzt nicht für seine Hügel- und Berglandschaft bekannt. Dennoch gibt es sicherlich einige Orte (so meine kühne Vermutung), die Kraft und Ruhe spenden, und dazu noch einen netten Ausblick auf das Gewusel in der Kölner Bucht bieten.

Vielleicht liest hier ja der Eine oder Andere Kölner mit, der auch gerne mal die Ruhe genießt und auf schöne Aussichten steht. Vielleicht schreibe ich aber ja auch irgendwann mal einen Ausblicke-Rund-um-Köln-Guide. Oder so. Vielleicht führt das alles aber ja auch wieder ins Nichts. Umso besser. 

Ziel der Wanderung war jedenfalls die Glessener Höhe, bzw. das Glessener-Gipfelkreuz:

Die Glessener Höhe (auch Glessener Kippe genannt) ist eine künstlich errichtete Anhöhe im Rhein-Erft-Kreis in Nordrhein-Westfalen. Sie ist eine ehemalige, heute rekultivierte Bergehalde (Kippe) der umliegenden Braunkohlentagebaue. Die Glessener Höhe liegt auf dem Gebiet der Stadt Bergheim, etwa 15 km westlich von Köln. Im Osten grenzt sie an den Staatsforst Ville, der wie die Kippe Teil vom Naturpark Rheinland ist. Nordwestlich der Glessener Höhe erschließt sich, jenseits der querenden Nord-Süd-Bahn der RWE Power (vormals Rheinbraun), über eine Fußgängerholzbrücke der Abtsbusch bei Oberaußem, nach Westen hin die Fischbachhöhe. (Wiki)

Man erkennt den Dom wirklich gut, sieht den Fernsehturm, das Hänkelmännchen, man sieht Leverkusen, ja sogar Teile von Düsseldorf. Auch das Siebengebirge ist noch zu erfassen und der Blick reicht bei klarer Sicht bin ins Bergische Land. (Hier habe ich ein gezoomtes Foto hochgeladen, darauf erkennt man die Kölner-Skyline schon recht gut.) Weitere Ausblicke folgen. Wenn das Wetter (und der Fuß) mitspielen. Einige weitere Anhöhen habe ich nämlich noch im Kopf; die werden alle erwandert, ganz sicher. 

Ist es eigentlich bedenklich, dass mir Menschen (im allgemeinen gesprochen) immer unwichtiger werden, dafür Naturerlebnisse zu einem festen, wichtigen Standbein meiner Existenz werden, und mir mehr Kraft, Ruhe und Gelassenheit spenden, als tausend Gespräche und irgendwelche gesellschaftlichen Ereignisse es jemals könnten? 

Nö.

Was denkste zu dem Artikel?
  • Rakete (0)
  • Naja (0)
  • Idiot (0)

Fightin‘ Streetart: blackblockbeauty


*Hust* Das ist einfach zu geil; dafür stelle ich meinen Hust- und Unwohl-Modus mal eben auf Pause. Zuerst: Ist das nicht in Köln? Ist auch eigentlich wurscht wo das ist; Hauptsache ist, es ist da. "blackblockbeauty" heißt der Künstler, der sich offensichtlich auf solch‘ wenig abgedroschene Slogans wie "REVOLTE!" oder auch "WELTREVOLUTION!" spezialisiert hat. Herrlich. Manchmal frage ich mich, welche Bekannten aus düsterer Vergangenheit sich wohl hinter dem Einen oder Anderen Namen verbergen mögen….!?  -Wurst.

Bürger! Leistet Folge, ruft die Polizei!


Hier zur Galerie des Artisten: reclaimyourcity.net
Hier gesehen: Vergessen; sry; Medikamente, und so. just.blogsport.de

Was denkste zu dem Artikel?
  • Rakete (0)
  • Naja (0)
  • Idiot (0)

Köln inspiriert William Gibson – Ein Interview

William Gibson. Ein Genie denkt nach. Man siehts. Bild: CC-Flickr-Nowherenear


Alle seine Bücher flashten mich ziemlich. Die Lesung in Köln flashte mich sogar weit mehr als nur "ziemlich". Überhaupt:  Mich kann schon ein simples(?) Interview mit / von Ihm dermaßen wegflashen. Unglaublich.

Aktuell begeistert mich das Interview auf der Webiste intro.de. Der Fragende, Herr Wolfgang Frömberg, stellt Mister William Ford Gibson unter anderem einige Fragen bezüglich der Post-9/11- Area. Hochinteressante Denkansätze! Auch von Seiten des Interviewers!

Ich erdreiste mich jetzt einfach mal, und klau mir einige markante Sätze rüber. Klasse: Gibson holt sich Inspiration für seine Werke in meiner Heimatstadt:

(…) Wir waren eben essen und liefen durchs Kölner Zentrum. Mir fiel eine Straßen auf,die typische globalisierte Einkaufstraße: der Bennetton-Shop gegenüber von McDonalds, eine Kentucky Fried Chicken-Filiale  gleich um die Ecke(…)

Klasse, ein echter Köln-Kenner! ;)

Dann frage ich mich, was liest der Kerl eigentlich so?

(…)Erst vor kurzem habe ich einen Artikel darüber gelesen, wie der Digital Underground in Kuba funktioniert.(…)

Ah ja.

Der nächste Satz, ist Gibson pur:

(…)Versuch mal, Teenager daran zu hindern, an die nächste Version von ‚Grand Theft Auto‘ heranzukommen oder an die Alben, über die sie auf Mini-Stick-Versionen von Websites gelesen haben. Vollkommen unmöglich.(…)

Herrlich! Das ganze Interview ist Kopfkino der feinsten Sorte. Gibts hier zu lesen: intro.de-William Gibson. Je mehr ich von Ihm höre, desto begeisterter bin ich von ihm, seinen Ansichten und Gedanken.

Genie. Punkt.

Was denkste zu dem Artikel?
  • Rakete (0)
  • Naja (0)
  • Idiot (0)

Die Matrix des William Gibson

So langsam legt sich mein Flash wieder. Denn nichts anderes war die Lesung von W. Gibson im Kölner Gloria – Theater: Er hat den Mund aufgemacht; ich war geflasht. Eigentlich war schon das auf die Bühne kommen sehr flashig: Sichtlich vom Jetlag gerädert, ein x-beliebiges Shirt über die Jeans, in Sneakers, betrat William Gibson die Bühne. Es gab sogar einige Jauchzer, was Mr. Gibson kalt lies. Der Mann kennt keine Starallüren. Dafür aber Die Ärzte. Der Blogeintrag dazu findet sich hier.

Schön, dass der anwesende Kritiker dann auch mal nachhakte, woher denn die Faszination für die deutsche Band rühre: Gibson hatte keine wirklich adäquate Antwort in petto, stellte daraufhin jedoch Überlegungen an, in welcher kulturellen Matrix die Ärzte wohl hier in Deutschland angesiedelt sein mögen. Für mich persönlich gab es an diesem Abend zwei große Überraschung: Zum einen war ich sehr angetan von der Tonierung, seiner Mimik und dem Südstaaten-Englisch, welches sehr gut zu verstehen war. In den Kommentaren schreibt kioopi:

Gibson hat genauso gelesen wie ich es mir vorstelle wenn ich seine Bücher lese.

Dem habe ich nichts hinzuzufügen.

Zum anderen: Ich bin mir durchaus darüber im Klaren, dass Gibson einen sehr speziellen, diffizilen Humor besitzt, trotzdem war ich sehr angetan  von seiner jetlaggi – humoristischen Art; wie er beispielsweise ein wenig über seine Rückkehr zum Science Fiction (mit ca. 27 Jahren ) und andere Inspirationsquellen plauderte, dass war schon einmalig –> Autos die aussehen wie Raumgleiter und Spaceships, leere Postämter die mit Fiktion gefüllt werden möchten. Irre. Seine Zuneigung zu Verschwörungstheorien tat er auch kund; so hätten diese etwas einfaches, simples, wonach sich doch heute manch einer sehnen mag (sinngemäß)

Nebenbei erwähnt waren die gelesenen Text aus "Spooky Country / Quellcode" absolut erstklassig ;)

Fesselnd, informativ, illusionierend, paranoid, detailliert, futuristisch, einfach prima. Der Mix aus Drogendealern, Künstlern, Spionen, die augenscheinlich alle einem bestimmten Seecontainer hinterherjagen, klang schon sehr nach  mitreißenden Charakteren.  (Den Beruf des Literarturkritikers habe ich hiermit nun endgültig verfehlt).

Simon Eckert war für die deutschen Parts zuständig, und war für meinen Geschmack etwas zu sehr Schauspieler als Vorleser. Was daran liegen mag, dass er ein solcher ist. (Schauspiel Köln) Ich (der das Buch noch nicht vorher angerührt hatte, weil ichs von "ihm, dem William"  vorgelesen bekommen wollte…) hatte trotzdem den Eindruck das die Übersetzung des Textes sehr gelungen ist. Der Eindruck das W.Gibson einem Oberflächen-Fetischismus  verfallen ist, hat sich für mich bestätigt: Niemand beschreibt Muster/Oberflächen/visuelle Reize so wunderbar wie er. Das da die deutsche Übersetzung etwas ins stocken gerät, ist klar.

Der Abend war einfach zur kurz; er hätte mir das ganze Buch vorlesen können, ich hätt'  mich keinen Millimeter bewegt. Natürlich konnte ich es mir dann auch nicht nehmen lassen, mir meinen Neuromancer von ihm signieren zu lassen!

Die Schultertasche umgehängt, leicht buckelig, ein schräges Lächeln im Gesicht, sitzt er dort; bereit aufzustehen, sollte es plötzlich nötig sein, aus dem Cyberspace zurück in die andere Welt zu switchen. Denn wir bewegen uns heute ständig im Cyberspace, sehen nur ab und an mal nach, ob es die richtige Welt noch gibt (sinngemäß). In meinen Augen einer der großartigsten Schriftsteller der Zeitgeschichte, ein Visionär und Freak. Ich spare mir an dieser Stelle ein Zitat von ihm; er schreibt so viel was man ständig mantra-mäßig vor sich hinblubbern könnte. Gibson noch mal in Deutschland? Ich bin da.

Ich mag den Mann. Und das was er schreibt.

Jetzt noch etwas mehr.

Was denkste zu dem Artikel?
  • Rakete (0)
  • Naja (0)
  • Idiot (0)