anarchism

R.I.P. – Flavio Costantini

Unbenannt

Der von mir sehr geschätzte anarchistische Künstler Flavio Costantini ist bereits am Montag nach längerer Lungenkrankheit – aber ohne Pein – in einem Krankenhaus in Rapallo, Italien verstorben.

Sad news today: after a month’s deterioration in his health, Flavio Costantini, graphic artist and friend of 40-years, passed away peacefully in a Rapallo hospice on Monday 20 September. His wife, Wanda, and other close family members and friends were at his bedside. Flavio had lung cancer for some time; the seriousness of his condition, however, was known only to himself and Wanda — until near the end, which came sooner than everyone expected. He leaves cheery memories, and the world — artistically at least, with his visually thought-provoking images — a richer place (anarchistnews.org

Nach dem Klick, findet ihr einige weitere Kunstwerke von Flavio Costantini. Möge er in Freiheit ruhen! 

Public Space: Macht kaputt, was euch…ok, fast!

Ich hol‘ mal gerade (zur Unterfütterung des Videos und der ziemlich großartigen Aktion darin) etwas aus. Oft, wenn es in Gesprächen um meine Haltung zu den Themen Staat, Anarchie und Selbst/Fremdbestimmung geht, sage ich, dass ich nicht glaube…nicht glauben will, dass die Menschen so blöde und scheisse sind, wie es uns die Holzmedien wie BILD und RTLII oft weiß machen wollen. Ich vertrete dann meist den Standpunkt: Lasst die Menschen doch mal machen. Die Zeiten von noch mehr Regularien, weiteren Sicherheitszäunen und dämlichen Schildern sind vorbei; der Mensch als selbstbestimmtes Wesen war und ist nie eine Utopie gewesen; ich möchte einfach daran glauben, dass wenn morgen der Staat und seine Exekutive den Dienst einstellen, es uns zumindest mal nicht schlechter gehen wird. Klar ist mir aber auch, dass in jeder Gruppe in der sich mehr als vier Menschen zusammenfinden, zumindest ein kleines Regelwerk von Nöten ist. Ob das dann zwingend hierarchisch organisiert und exekutiert werden muss, ist noch mal eine andere Frage (persönlich denke ich – und auch das ist ein grund-anarchistischer Ansatz – dass man – sollten Ungereimtheiten auftauchen – man solange diskutieren und schwätzen MUSS, bis die Hierarchie auf der flachsten aller Ebenen angekommen ist; möglicherweise gar nicht mehr nötig ist. Weil man – und sei es nach einem Dutzend durchdiskutierter Jahre – sich wieder auf nicht-hierarchischer Augenhöhe begegnen kann.) Gewalt ist keine Option. Nie. Und genau das ist auch einer der Gründe, warum ich ein grundsätzliches Problem mit dem Berufsbild des Polizisten (etc) habe. Deren Existenz ist nämlich – wie bekannt – die Staats-Gewalt und somit mit meinem Teilzeit-anarchistischem Weltbild  definitiv nicht in Einklang zu bringen. – Punkt –  

Zurück zum Video: Mir ist das Projekt bekannt; das Video dazu kannte ich noch nicht. Daher führe ich seit einigen Jahren in den eben erwähnten Diskussionen auch immer gerne dieses Beispiel ins Feld. Da sitzt mir dann oft eine/r gegenüber der sowas sagt wie: „Ja, aber so ganz ohne Regeln geht es ja nun auch nicht“. Ich: „Nein, GANZ ohne Regeln ist ja auch dieses Projekt nicht gedacht. Die Regel Ellebogen wird durch die Regel Augenkontakt ersetzt und die Regel Vordrängeln durch die Regel Rücksichtnahme.“

Der Erfolg des offenen Verkehrs-Projektes spricht für sich: Die Unfallquote ist quasi nicht mehr zu messen, der Verkehr fließt besser als je zuvor. Und warum? Weil die Menschen einfach mal machen, statt sich erneut einsperren und zer-regeln zu lassen. 

Im Klartext: Ich bin der festen Überzeugung, dass dieses freiheitlich-anarchistische Verkehrsprojekt sich auf viele andere Lebensbereiche anwenden lässt: Gibt man den Menschen etwas mehr Verantwortung zurück; lässt sie selbstbestimmt entscheiden, so werden sie diese positiv benutzen und das richtige tun. Oft, nicht immer. 

Es kann mir doch keiner erzählen, dass dieser Schilderwald hier in Köln die bessere Lösung sei. Nie im Leben. Ich könnte das jetzt noch weiter ausbauen; mit Daten unterfüttern, und euch was davon erzählen, dass der durchschnittliche Verkehrteilnehmer hier in Köln im Schnitt etwa jedes zweite Verkehrschild übersieht; somit missachtet und sich in eine strafbare Zone manövriert. Zum Brechen, das.

Mal anders gefragt: Was gilt für euch mehr? Ein Schild, welches signalisiert, dass ihr dieses oder jenes nicht dürft, oder ein Mensch, der euch mit Augenkontakt anzeigt, dass er gerne zuerst fahren würde? 

City of Anarchy – Kowloon Walled City

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Hier eine wunderhübsche XXL-Illustration der Kowloon Walled City (über die ich hier schon mal was geschrieben habe; in dem Artikel sind die auch die wichtigsten Fakten zusammengefasst). Die faszinierendsten Infos zu dem Teil: Die Gebäude-Stadt war anarchistisch organisiert, hatte lange Zeit einen ungeklärten rechtlichen Status, und wies bis zum Abriss (1993) die höchste Bevölkerungsdichte der Welt auf. In Kurz: Das Ding war ein Sprawl, eine Arkologie und ein soziales Experiment. Superspannend, alles was damit zusammenhängt! 

Die Grafik solltet ihr euch am besten runterladen und in einem Bildprogramm betrachten. Die is' nämlich echt groß.

‚Anarchismus durch Parlamentarismus?‘

Unbenannt

Meih. Ich hab' nun doch 24 Stunden grübeln müssen, ob ich das hier raushauen soll. Ich sage es mal so: Verliert man die etablierte Marktwirtschaft, den Turbokapitalismus und die allgemeinen Umstände in denen wir uns alle bewegen nicht aus den Augen, kann man den Text mal lesen, ohne dabei in eine nihilistische Grundstimmung zu verfallen. Die uns ja auch nicht wirklich weiterhilft. Also: Ich hab' euch gewarnt; nehmt das als Augen / Ohrenöffner, strengt eure grauen Zellen selber an, dann geht das super. 

Hier einige Auszüge – direkt raubmordkopiert – aus einem Text der umstrittenen Anarcho-Plattform freiwilligfrei.info:

Was ein Anarchist ist, ergibt sich aus dem Begriff „Anarchie“. Er kommt aus dem Griechischen und bedeutet soviel wie „Nichtherrschaft“. Man will als Anarchist also nicht beherrscht werden und kann somit in letzter Konsequenz auch die illegitime Herrschaft eines Parlaments nicht befürworten, ohne sich selbst zu widersprechen.

Um eine prinzipielle Ablehnung jeglicher Ordnung geht es dabei nicht, sie muss nur auf Freiwilligkeit beruhen. So könnte man sich in einem Verein der Pudelzüchter ganz freiwillig der autoritären Ordnung der Vereinssatzung unterwerfen, sich dieser jedoch durch Kündigung auch wieder entziehen. Sich dem Parlamentarismus durch eine Kündigung zu entziehen, ist jedoch nicht möglich und die daraus resultierende Gesellschaftsordnung somit erzwungen, was unter widerspruchsfreien moralischen Aspekten nicht zu rechtfertigen ist.

Im Parlamentarismus, der bevorzugten Herrschaftsordnung weltweit, wählt das Volk durch Mehrheitsentscheid Vertreter, die Parlamentarier, die dann über das Parlament für eine bestimmte Zeit die Gesetzgebung, die Kontrolle der Regierung und ihr Budget übernehmen […] Auch der libertäre Wähler ist wie alle anderen Wähler. Auch er fordert mit seinem Kreuz Veränderungen zu seinen Gunsten, die durch Zwang gegenüber denen durchgesetzt werden, die anderer Meinung sind.

So bleibt festzustellen, dass eine durch Parlamentarismus erzeugte Freiheit nur erzwungen und somit gar keine Freiheit wäre. Ein erzwungener Libertarismus wäre genauso wenig zu rechtfertigen, wie ein erzwungener Sozialismus. Egal, ob erfolgreich oder nicht, bedauerlich ist das politische Engagement allemal, weil es nicht kostenfrei zu haben ist. Die eingesetzte Energie hätte in anderen Projekten sicherlich zielführender verwendet werden können.

Den kompletten Text findet ihr hier:  freiwilligfrei.info