aus: Charles Simic – Selected Poems (1963-2001)
Sonst poste ich ja mal ganz gerne einige Lese- & Anguck-Empfehlungen, die einen Querschnitt meiner literarischen Interessen repräsentieren. Diese eine Buch, welches ich nun vorstellen möchte, ist jedoch so besonders, das kann ich nicht einfach so mit ein paar anderen ablichten und hier einkleben. Denn dieses Buch hat mich schon nach den ersten drei Kapitel mehr fasziniert (und auch inspiriert), als alles, was ich in diesem Jahr sonst so auf dem Nachttisch liegen hatte. Es geht um Walden oder Leben in den Wäldern von Henry David Thoreau.
In Walden beschreibt Thoreau sein Leben in einer Blockhütte, die er sich 1845 in den Wäldern von Concord (Massachusetts) am See Walden Pond baute, um dort für mehr als zwei Jahre der industrialisierten Massengesellschaft der jungen USA den Rücken zu kehren. Nach eigener Aussage ging es ihm dabei jedoch nicht um eine naive Weltflucht, sondern um den Versuch, einen alternativen und ausgewogenen Lebensstil zu verwirklichen (wiki).
Die 68er und/oder Literaturkenner unter euch werden jetzt sagen: Alter Hut. Wieso kommste denn da erst jetzt drauf? Kann ich euch sagen. Als ich das andere Thoreau-Referenzwerk (Über die Pflicht zum Ungehorsam gegen den Staat) las, muss ich so gerade eben aus dem Teenager-Alter raus gewesen sein. Das war mir damals alles irgendwie zu….zu weit weg. Zu hochgestochen und zu unrealistisch. Heute – so ca. 10,12 Jahre später -, ist das anders. Sehr anders. Heute verstehe ich viel besser was Thoreau meint, wenn er schreibt:
Die Wege, auf denen man Geld gewinnen kann, führen fast ausnahmslos abwärts.
Oder hier, das ist auch wie aus meiner Seele herausgerissen:
Ihr glaubt, dass ich mich selbst arm mache, indem ich mich von den Menschen zurückziehe, aber in meiner Einsamkeit habe ich mir ein seidenes Gewebe wie eine Schmetterlingspuppe gesponnen, und gleich einer Nymphe werde ich in Bälde als ein vollkommeneres Wesen hervorgehen, einer höheren Gesellschaft würdig. Durch Einfachheit, gewöhnlich Armut genannt, ist mein Leben konzentriert und damit organisiert, ein Kosmos, während es vorher unorganisch und knotig war.
Nicht, dass ich heute sehr viel enthaltsamer oder ärmlicher leben würde, als noch vor einigen Jahren. Dennoch – so meine Einbildung – begreife ich heute viel besser, was mir gut tut, was meinem Leben Relevanz verleiht. Damals waren es urbane Hauswände, die ich verschönerte. Heute finde ich eine alte Eiche genau so schön, wie sie ist. Ich habe weniger Drang etwas großes zu verändern. Eher freue ich mich über die kleinen – aber feinen -, Lebenslinien, die mir das Leben gerade in den letzten fünf Jahren in mein Gesicht gemalt hat.
Noch mal Wiki eben:
In vor-marxistischer Zeit war es in vielen Arbeiterhaushalten zu finden, im 20. Jahrhundert inspirierte es dann die Naturschutzbewegung ebenso wie die 68er-Generation. Auch außerhalb der Vereinigten Staaten fand es breite Anerkennung, so berief sich beispielsweise Mahatma Gandhi mit seinem Ideal des gewaltfreien Widerstandes und seiner asketischen Lebensführung ausdrücklich auf Walden.
Gandhi. Man mag von ihm halten, was man möchte. Seine literarische Orientierung teile ich. Aber sowas von. Einen habe ich noch:
Ich habe nie eine Gesellschaft gefunden, die so gesellig war, wie die Einsamkeit.
Ich korrigiere: Nicht nie, sondern in meinem Falle eher ganz selten. Mal sehen, wie ich in zehn Jahren über dieses Thema denke. Bis dahin habt ihr das Buch alle gelesen, und pflichtet mir bei. Hoffe ich.
Amazon-Partnerlink: Gibt es nicht. Das wäre nicht in Thoreaus Sinn gewesen. Da bin ich mir sicher.
Zumindest etwas, was ich sicher weiß.
Knaller. Man mag ja von Christopher McCandless und 'seinem' Film Into the Wild (Eigentlich ein Sean Penn Film) halten was man will. Die Bilder, die ich eben auf einer Website zu seinem Gedächtnis entdeckte, sind einfach umwerfend. Für die Nixwisser unter euch, hier mal eben der Wiki-Text zu Christopher:
Christopher „Chris“ Johnson McCandless (* 12. Februar 1968 in El Segundo; † (vermutlich) 18. August 1992 in Denali Borough; auch „Alexander Supertramp“ genannt) war ein junger Abenteurer bzw. Aussteiger. Jon Krakauers Buch In die Wildnis (Into the Wild) und Sean Penns gleichnamige Verfilmung machten ihn bekannt. McCandless zog mit minimaler Ausrüstung durch die USA. Er starb in einem abgelegenen Gebiet Alaskas an Auszehrung, möglicherweise aufgrund einer Vergiftung.
Ich mag das Buch lieber als den Film; auch wenn dieser recht nah an der Romanvorlage dran ist. Über Christopher hat sicher jeder Backpacker / Trekker / Aussteiger seine eigene Meinung. Ich hab' auch eine. Dazu komme ich gleich. Zunächst noch eine Anmerkung zu den Bildern, die euch nach dem Klick erwarten: Diese Bild, auf dem Chris vor seinem Magic Bus (in dem er auch starb) sitzt, ist wohlbekannt. Viel spannender finde ich die Original-Notizen aus seinem Tagebuch. An Tag Nummer 100 feiert er sich noch selbst. Das er so lange in der Wildnis überlebt hat (die nebenbei bemerkt gar keine richtige Wildnis war: 20 Meilen weiter gibt es einen riesigen Highway). Auch wenn er schon dort vermerkte, dass er in der weakest condition seines Lebens war. An den Tagen 109, 110, 111 und 112 ist er noch in der Lage einen gerade Strich auf's Papier zu bringen. Bei Tag Nummer 113 hat es dann nur noch zum Eintragen der Tageszahl gereicht.
Noch was zum Bild hier oben (welches gleichzeitig die Schluss-Szene des Films darstellt): Es ist ein Selbstportrait von Chris. Einige Tage (oder Wochen) vor seinem Ableben. Und – wie erwähnt – man kann von dem Kerl und dem Film halten was man will (auch ich sehe einige Aspekte durchaus kritisch), aber dieser Gesichtsausdruck auf dem Bild… Freiheit. Gleichmut. Unbekümmertheit. Man weiß es nicht. Und wir werden es auch nie erfahren. Das ist nämlich das tolle daran.
Ich finde. Ein Leben welches so früh endete, mit 24 Jahren…ein Leben das so gelebt wurde.. ist keinesfalls wertiger, als irgendein anderes. Ich für mich – sechs Jahre älter als der andere Chris zu seinem Todeszeitpunkt – kann nur sagen: Lieber mit 34 in der Wildnis vom Bär gefressen werden, als mit 84 einsam, alleine uns unaufgeregt im Spital zu Ende vegetieren. Wenn ich morgen sterbe, hatte ich ein gutes Leben, hab' nix ausgelassen und bereuen tu' ich auch nichts so richtig. Wenn das mit 84 auch noch so ist, suche ich mir einen passenden Bären aus. Ganz sicher.
No longer to be poisoned by civilization he flees, and walks alone upon the land to become lost in the wild. –Christopher McCandless, Mai 1992
- Zu den Bildern: christophermccandless.info
Only 200 copies of Ray Bradbury's novel Fahrenheit 451 were printed with an asbestos cover. What lucky future mesothelioma victim is going to get this copy, signed by the author? Opening bid is $3000.
Und das hab ich hier noch nicht mal reingeklebt. Sondern lieber dieses wundervolle Frank Frazetta-Gemälde von 1966 genommen. Sah' besser aus. Kostet auch etwas mehr: Startpreis ca. 50.000€. Wundervoll. Oder lieber doch einen Blade Runner? Erstausgabe!? Mein Herz. Ich bin weg. Geld besorgen.
- Auktionswahnsinn: historical.ha.com
- Entdeckt: boingboing.net
…ich hab' hier mal geschrieben:
Ich war stellenweise gelangweilt von den Romanen. Als Gesamt-Dingens waren die dann aber doch recht fulminant.
Wenn das so auch für das Game zutrifft, sehen wir uns im Multiversum von Tad Williams.
- Endeckt: google/alerts
- DirektOtherland
- Entdeckt: allthoseprttthngs.tumblr.com (via Käthe, danke)
Eiderdaus! (Das sagt man so) Das Snatcher-Hörspiel kommt ja wirklich! Snatcher? Ja, genau: Snääätschah, wie wir damals™ das weltbeste Cyberpunk-Grafik-Adventure genannt haben. Da muss ich so 11 oder 12 Jahre alt gewesen sein. Aber der Reihe nach. Ich kopiere mal eben 'nen Wiki-Auszug hier rein, dann wisst ihr wenigstens in etwa, warum ich mich vor lauter Vorfreude fast nicht mehr einkriege:
Snatcher is a cyberpunk-themed graphic adventure game produced by Konami, originally released in Japan for the NEC PC-8801 and MSX 2 computer platforms in 1988 (…) The game borrowed elements from the cult film Blade Runner (Wiki-Link)
Ich weiß es noch genau: Als ich das erstmals in meinen Händen hielt – und auch Hand dran anlegen konnte -, war das wie ein Blitzkrieg die berühmte Liebe auf den ersten Blick. Die Spiel-Musik habe ich heute noch ab und an in den Ohren (was auch daran liegen mag, dass ich den kompletten Soundtrack hier schon mal verbloggt habe und der auch fester Bestandteil meiner iTunes-Playliste ist.). Grafisch- und Gameplay-Technisch war das zu der Zeit eh die absolute Über- Revolution.
Irgendwann 2007 hieß es dann seitens des Herrn Hideo Kojima (Macher des Original-Spiels), dass dazu ein weiterer Teil angedacht ist. Dann hieß es: Nee, doch nicht. Wir machen da ein Hörspiel draus. Ich dann so: Meh! Okay, dat gibt doch eh keinen. Bis jetzt gerade. Sdatcher! So wird der beschissene ungewöhnliche Name des Hörspiels lauten. Es kommt definitiv. Und zwar erstmal in Japan. Und wehe es fühlt sich hierzulande kein Verlag dazu berufen, dass Teil auch zu übersetzten. Dann muss ich wohl mein erstes Fan-Projekt starten. Wer macht mit?
…hier gibt es übrigens einen spannenden Überblick über alle Snatcher-Versionen zu sehen. So viele! Verrückt! Aber in dem Falle durchaus berechtigt.
- Zur News: andriasang.com
- Entdeckt: Google Alerts
Erst gestern habe ich angekündigt, dass ich mich in den nächsten Monaten mit dem Thema DokBlog als Buch befassen möchte. Das es kommt, ist jetzt schon klar. Das es jetzt schon fünf Leute gibt, die es auch gerne haben möchten, hat mich überrascht. Eins vorweg (weil es in den Kommentaren vermerkt wurde): Ich verfolge mit der Sache keine kommerziellen Ziele. Es wird ein reines Just-For-Fun-Dings werden.
Ich habe damals über Wochen für meine Ex-Frau mal so ein Foto-Buch (mit kleineren Texten) selbst gestaltet (war sehr hilfreich für meine Photoshop-Skills…) Sowas macht mir einfach voll Laune; es ist als Ergänzung zum beruflich unterbesetzten Thema Design gedacht. Ich kann nämlich Grafikdesign-Zeugs wirklich; man lässt mich nur viel zu selten;) Daher die Idee eines Blog-Buches.
Zurück zum Thema. Da es also wirklich verrückte Leute da draußen gibt, die sowas auch brauchen könnten, stellt sich natürlich die Frage: Wieviel würdet ihr denn für sowas auf den Tisch legen? (Ich für mich, würde da nämlich sicher mehr für ausgeben wollen, als ihr. Tippe ich einfach mal so ;) Hier also die Umfrage (Feedleser mal bitte rüberkommen!) [poll id="4"]
…die Umfrage lasse ich jetzt mal solange in der Seitenleiste, bis ich ein Ergebnis habe; oder es in Richtung Preisgestaltung geht. Ich halt' euch auf dem Laufenden.
Also. Ich hab mir da mal was überlegt. Ich möchte aus diesem Weblog ein Buch machen. Drei Gedanken, die mich seit einiger Zeit verfolgen, möchte ich mit euch teilen:
1. Da ich seit etwa drei Monaten nicht mehr wirklich zum Bloggen komme, sogar schon mal daran gedacht habe, das Dingen hier einzustampfen, oder mal eine wirklich lange Pause zu machen, wäre es doch schade, wenn einfach mal so gar nix übrig bleiben würde. Da käme doch ein Blogbuch gerade recht, so mein Gedanke
2. Ich habe hier mittlerweile über 350 Künstler aus verschiedensten Bereichen verbloggt. Etwa 300 ganz klar aus der Illustrations/Design-Ecke. Die anderen waren entweder (düstere) Fotokünstler, oder Multimedia-Stars. Mit den verbloggten Inhalten geht es mir wie mit meiner Filmsammlung: Ich kann 90% der Inhalte blind, nackt, im Schlaf, jederzeit und mit gutem Gewissen weiterempfehlen.
Bedeutet: Ich sammele hier seit Jahren echte Hochkaräter; die aber natürlich im Sumpf der chronologischen Bloggerei immer weiter nach Hinten rutschen. Und somit in (scheinbare) Vergessenheit geraten. Klar, könnte ich ab und zu mal einen Best-Of-Artikel tippen. Nur…da kommt auch wieder der Zeitfaktor ins Spiel. Ich schätze, dass ich von mindestens 85% der vorgestellten Künstler die Lizenz zum bloggen bekommen habe. Weiterhin weiß ich, dass so gut wie alle der Künstler nichts dagegen haben werden, wenn ich ihre Kunstwerke in einem Buch zusammenfasse (natürlich mit Credits; evtl. auch mit meinen begleitenden Blogtexten dazu…mal sehen).
3. Könnte ich mir vorstellen, dass der Eine oder die Andere (kunstverrückte) LeserInn durchaus Interesse an einer DokBlog-Buchausgabe haben könnte. Stimmt das?
Weitere Fragen, die ich mir Stelle:
Soll es dann wirklich nur ein reines Artbook (also wirklich nur mit Kunst drinne) werden, oder will ich auch einige Essays, Reviews und andere Gedankencluster darin verbrasselt sehen? Oder mixe ich einfach alles quer durch? – Ich weiß es noch nicht.
DAS ich aber ein DokBlog-Book machen werde, steht jetzt schon fest. Das es ein großes Format werden wird – mit toller Druckqualität – weiß ich auch bereits. Der Titel hier wär 'ne Idee:
2007- 2011 – Doktorsblog in Cyberspace
Gebt mir doch mal ein etwas Feedback dazu; fänd' ich echt gut! Sollte nämlich wirkliches Interesse am Erwerb eines solchen Buchs bestehen, würde ich mir nämlich ausnahmsweise mal anhören, was ihr so dazu meint ;)