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Review: Alone in the Dark 5- Da tappste im Dunkeln….

…und packst dir an den Kopf!

Außen Hui innen Pfui. Mit diesem Satz würde ich das Review gerne beginnen. Und könnte damit auch schließen.

Als bekannt wurde das die Spiele-Reihe "Alone in the Dark" die auf dem von H. P. Lovecraft erdachten Cthulhu-Mythos basiert, fortgesetzt wird, setzte sicher nicht nur ich große Hoffnungen in die Fortsetzung der Geschichte. Gruselig und schauerlich waren die Vorgänger; einmalige Spiele in einem tollen Setting. Nun also zum ungruseligem Teil 5…..


Wie man den Gruselfaktor in Grund und Boden stampft? Das ist leicht: Zeige dem Interessierten GruselSpiel-Gamer schon in den ersten 2. Minuten des Abenteuers ein paar überirdischen Kräfte in Form einer aufreißenden Mauer durch die "irgendwas Mysteriöses" hindurchsaust, und lasse schon kurz darauf den ersten Protagonisten von "irgendetwas Mysteriösem" im Boden verschwinden.

Lesen mag sich das Ganze ja nicht mal sooo unspannend. Wenn dies aber dermaßen offensichtlich geschieht (Boden Platz auf, NPC jault jämmerlich, wird in den Boden gezogen und guckt dabei nicht mal mit schmerzverzerrtem Gesicht, sondern eher wie ein Milchbrötchen) das einem jegliches Gruselfeeling abhanden kommt….dann haben die Macher eindeutig etwas falsch gemacht.


Nehmt mal Silent Hill oder auch Condemned. Nehmt das grandiose Prey. Die Sounds. Die Lichter. Da können alle drei Games "Alone in the Dark" nicht schlagen; lässt man sich nur von der Optik leiten dann ist "Alone in the Dark" ein echtes Highlight! So schön bin ich noch nie durch ein in sich zusammenbrechendes New York gedüst! Einfach toll!

Nimmt man die o.g  Games, und urteilt nach dem was wirklich zählt, nämlich der Gruselfaktor in Kombination mit dem Spielspaß…. sieht "Alone in the Dark" sehr sehr alt aus. Steinalt.
Bei Prey hab ich mich fast vollgenässt als ich mich vor meinem eigenen Schatten erschreckte. In Silent Hill traute ich mich manchmal nur zögerlich um die nächste Häuserecke zu spinksen, und Condemned trumpfte (streckenweise) mit einer unfassbar dichten Atmosphäre auf.

In "Alone in the Dark" sehe ich nach gefühlten 3,5 Minuten die Erste Monster-Fresse zum reinhauen. Nein, ohne Schockeffekt. Der steht einfach da. "Bäääh, ich bin böse und gruselig" <- Evtl. hätte da ein Hinweisschild mehr Effekt gehabt als eine lieblos hingerotzte Cut-Szene!
Pfui!
Ok,..den ersten Schock das es keinen Schock gibt überwunden: Hauen wir den blöden Zombie eben mal flott um, gucken wir was noch kommt….Argh! Moment. Kurz umhauen ist nicht: Der erste Kampf dauert (wieder gefühlte) 5 Minuten. Das Grauen wird aus jedem erdenklichen Blickwinkel nahezu perfekt ausgeleuchtet….damit du auch ja nachher keinen Schreck mehr bekommst, falls dir mal wieder eine solche Fratze auf den Screen springt.


Ich hatte das Inventar welches im Spiel zum Einsatz kommt schon mal lobend erwähnt, lehnte mich gar aus dem Fenster und sah "das beste Inventar, ever" schon in das fertige Spiel implementiert. – Pustekuchen.

Wie so oft sieht die Realität anders aus als Youtube es vorgaukeln wollte: Grott-en-schlecht. Erstmal klappt das nicht so wirklich flüssig mit dem Auswählen der Gegenstände (Kombination: Eisspray+Feuerzeug, netter Flame-Effekt) und dann muss ich das rumgehackele auch noch "live" erledigen: Die fiesen Zombie-Mützen haben schon ihre Klauen in meine Aorta genagelt,…und ich such‘, – na klar, in aller Ruhe, wie der letzte Volldepp – in meinen Manteltaschen nach ner Wumme rum.

Ganz.
Großes.
Kino.

Ein Pausenmodus wäre toll gewesen. Ich denke nicht das dies programmiertechnisch eine allzu Große Hürde gewesen wäre!?

Weiter:
Das Trail & Error Prinzip an sich ist ja gar nix schlimmes. Muss ich aber ca. 24x durch die selbe Szenerie eiern, ödet es einfach nur noch an, killt den Spielspaß und lässt mich Haare raufend zu den Göttern der Gamesentwickler beten; sie mögen doch künftig sämtliche Gehirne der Eden-studios mit ein ganz klein wenig Kreativität ausstatten.

Schön, das man sich solche Gedanken über die Kombination "Physik & Videospiel" gemacht hat: Zu Beginn knistert ein Stromkabel an einem Drahtzaun herum: Unser Held schwingt sich mittels einer Indiana Jones-artigen Peitsche von einem Dach herab, und schiebt mittels Seitwärts-Bewegungen dieses gefährliche Stromkabel weit von sich weg, um somit die Passage meistern zu können.

Nicht schlecht gemacht, ehrlich, sieht auch noch toll aus und hört sich auch so an.
Aber: Das Spiel ist genau so linear wie alle Teile vorher. Darüber täuschen auch nicht die 1-2 (physikalischen) Lösungsvarianten hinweg, die einem das Spiel passend zur jeweiligen Situation vorschlägt: Es ist und bleibt ein Sprint von A nach B.



Syncro….lassen wir das besser. Oder auch nicht:
Die Stimmen klingen wie ein 6-jähriges Emo-Kid auf einem Onkelz Konzert: Gar nicht. Glücklicherweise haben auch die Englischen-Sprachfiles auf der DVD Platz gefunden, und somit lassen sich die (nebenbei bemerkt: dämlich flachen) Dialoge im Originalen, -und sehr viel authentischerem- Sound, anhören.

Die orchestrale Untermalung ist Top. Da gibt es nichts zu meckern.
Fast: Leider passt das TamTam nicht immer zu den Situationen die einem die Bilder vermitteln möchten: Da stehste da ca. 2 Minuten wie ein Stein vor der Wand, nix regt sich, du starrst einfach nur die olle Raufasertapete an, (Die übrigens mittels wunderschöner Texturen simuliert wird) und plötzlich geht eine Musik los die jeden Soundtrack eines Spielberg Films alt aussehen lässt.
Warum?
Das werden wir nie erfahren. Einen Wand-Geist konnte ich jedenfalls nicht entdecken.
Bzw. schon. Aber nicht in dieser Wand.


Zu erwähnen wäre noch das ungewöhnliche Speichersystem. So lässt sich mit einem DVD-ähnlichem Menü das Spiel sogar vorspulen: Die Endsequenz lässt sich allerdings nur nach erreichen eines Mindest-Spieleinsatzes ansehen.
Angeblich soll dieses System zum "Fertig-spielen" animieren.
!?
Nun: Habe ich ein tolles Game auf dem Schirm, bin ich der Letzte der wegen einem kniffeligem Rätsel oder auch einem unausbalancierten Endgegner dann die Lust verliert. Da muss man halt durch. Also sehe ich dieses neuartige Speichersystem als Zweischneidiges Schwert: Wissen die Entwickler das Sie Murks gebaut haben, und geben einem damit die Möglichkeit den Murks zu überspringen? Man weiß es nicht…..


Hier mal die Tops und Flops von "Alone in the Dark (5)":

Top:

  • Eine absolut hochklassige Atmosphäre kommt auf (manchmal)
  • Eine absolut großartige State-of-the-Art Grafik (die oft ruckelt)
  • Nette Physik-Spielereien
  • Ein Soundtrack der begeistert (und oft nicht so recht passen will)
  • Tolles Feuer: sieht toll aus, und brutzelt auch so
  • Tolles Central-Park Szenario
  • Nette Minigames
  • Oft frustige Steuerung

Flop:

  • AtmosphärenKiller durch Trail& Error-System
  • Grafikruckler und eine oft bescheidene Kameraführung
  • Frustmomente durch hohen Schwierigkeitsgrad
  • Grottenschlechte Synchronisation
  • Eine K.I die dümmer ist als Graubrot
  • Musikuntermalung die (so gut wie) nie passt
  • Nervige Zombies
  • Nerviges Entsorgen dieser

Sollte ich eine prozentuale Wertung abgeben….? (Hab ich ja bei Mass Effect auch so gemacht.) Ok: Die tolle Optik kann das Spiel grade so aus dem 60er Bereich rausreißen:

70%

Fazit:
"Alone in the Dark" ist ein liebloser Nachfolger der vorangegangenen Teile mit wenigen Innovationen. Wenn auch ein abwechslungsreiches Gameplay sowie die grandiose Optik für einige Stunden durchaus zu fesseln wissen.
Auch das Recht innovative und nett gemachte "Was bisher geschah"-Feature, welches einem beim Laden des letzten Spielstandes präsentiert wird, reißts nicht mehr rum!

Nach der X-ten wiederholten Zombieschlacht reicht die Scheibe dann nicht mal mehr zur Abwehr von kreuzendem Wild an Schnellstraßen (Besser: Zur Abwehr von kreuzenden Schnellstraßen in Waldgebieten mit Wildtieren)

 -> Nicht mal Bambi hätte davor Angst gehabt!

Teil 6 kauf ich nicht, und Teil 5 ist schon wieder verkauft.
(gespielt wurde übrigens die 360er Version)