
Ich nehme Bezug auf diesen SpOn-Artikel: Die Generation C64 schlägt zurück. Mein Namensvetter Christian Stöcker, seines Zeichen SpON-Autor, meckert in dem Text über die bekloppte Polemik, die derzeit unsere Zensur-Politik begleitet. Leider verfällt er selbst in keinen besonders polemischen Schreibstil, sondern bleibt schön bei der Sache; bloß keinen Zuckermund zu feste verkloppen. Naja, so ist das mit’n Medien. Das ist genau der selbe Quatsch, den unsere Fast-Noch-Volksvertreter da oben im dicken B tagtäglich verzapfen: "Bloß keine Position beziehen; ich glaub zwar das die Web-Bewohner irgendwie recht haben; sagen tu‘ ich aber nix; nachher denkt noch einer, ich wär auf Kinder aus."
So denken die. Und nicht anders.
Und das in einer demokratischen Republik im Jahre 2009. In einer Zeit von Massen- und Highspeedkommunikation. In der nicht nur wir, – die C64-Kids-, leben, sondern jeder und alles und überhaupt und bald noch viel mehr. Ich find’s nicht mal peinlich. Ich schäm‘ mich auch nicht. Ich kotz‘ nur gleich mal wie wildgeworden in der Gegend rum.
Nein, das Thema hier ist nicht "Wie schwer fällt es einem Otto-Normal-Politiker Farbe zu bekennen?", das kauen andere schon zu Genüge durch.
Das Thema ist: Kotze im Cyberspace. Oder so.
Ich bin kein C64-Kid. Ich bin kein digital native. Ich bin nicht die Generation-Internet. Auch nicht die Generation-Online. Und schon gar nicht bin ich irgend‘ ’ne Nummer in ’nem verfickten System.
Ich bin Cyberpunk.
Und als solcher frage ich euch: Was passiert denn eigentlich wirklich? Ich sach’s euch so, wie ich es empfinde:
- Ich lese seit Wochen Blogbeiträge, die mir vor lauter Siechtum den letzten Funken Hoffnung aus’m Kopp /dem Herzen reißen.
- Ich lese Tweets, die so scharf formuliert sind, wie die ’ne Parteitagsrede bei den grauen Panthern.
- Ich verfolge (und unterzeichne) elektronisch abgehandelte E-Petitionen, die im Datencrawler des BKA’s verschwinden und mutmaßlich gefälschte Zahlen auswerfen.
- Ich lese kritische Texte, die sich am Ende ja doch nur wieder beim Wolle bedanken, dass er zumindest diesen Text nicht mit dem Zensur-Stempel versehen hat. (Bis auf den Hack, der war geil)
- Und genau so verhält (und verhielt) es sich auch in anderen Debatten (Videogames, Vorratsdatenspeicherung, SEK-Kommandos in deutschen Blogger-Wohnzimmern, Filtern von WasWeißIchNichWasNochAlles)
Und nun frage ich euch:
Welche Automobil-Lobbyist fragt uns denn mal, ob er 40 Tonnen Natur in (s)ein neues Airbag-System reinblasen darf? Welcher Konzern-Chef stellt einen Blogbeitrag online, in dem er die ausbeuterischen Arbeitsbedingungen in seinen Unternehmen zu erklären versucht? Wer macht ’ne Twitter-Umfrage, ob eine Reformierung des Finanzsystems überhaupt gewünscht ist?
HÄ?
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Und wir ihr so?
Verloren im Lifestream des eigenen Lebens? Längst in der Matrix, aber den Klick verpasst? Wartend "auf einen neuen Himmel und eine neue Erde, in denen Gerechtigkeit wohnt"? (Zitat Petrus) Microblogging als Heilsbringer? Facebook im Erlösergewand? Tss… Kotzklumpen, sach‘ ich.
…ich lese in IRC-Chats mit, treibe mich auch in anderen düsteren Ecken des virtuellen Garten Edens herum…ich sach’s mal so: Da geht’s etwas anders ab, als "hier, in der Öffentlichkeit". Da wird’s konkreter. Bald ist’s genug, mit’m Weichgespüle, so mein Eindruck. Pulverfass-mäßig, würd‘ ich sagen.
The next tweet may be your last!
Twitter ist nicht der neue ICE-Breaker! ….also benehmt euch auch so, ihr Digitalos!
…uff,…zehn Kilo leichter, gerade…und der "Tweet-this" Button hier drunter passt ja wohl voll!
Pulver Pulver.







