Gametipp: Divinity: Original Sin

Questmarker? – Nope. Kurze Laufwege? – Nope. Einfache Rätsel? – Nope. Faire Gegner? – Geht so.

Abgekürzt könnte man sagen: Divinity: Original Sin ist ein knackiges RPG der alten Schule. Was aber auch geht: Divinity Original Sin ist ein knackiges RPG der alten Schule und macht – in Zeiten, in denen Casual und Einfach zu Maßstäben geworden sind -, alles richtig. Das Frustlevel ist (zunächst) recht hoch  (Nehmt ja nen Heiler und eine Frontsau mit, sonst wird es zur Qual, ich spiele die zweite Runde und würde am liebsten  noch mal loslegen, und zwar mit einem echten Mage), sobald man den allgemeinen Dreh aber raus hat und bei jedem Kampf den Kopf einschaltet, macht es Laune wie… naja…zuletzt Skyrim.

Irre, diese Möglichkeiten: Gegner steht da rum, Wasserfass daneben. Nun könnte man den Gegner anlocken, das Wasserfass zerdeppern und dann einen Eis-Zauber raushauen. Aber Achtung: Der eigene Nahkämpfer der Gruppe rutscht dann wie ne Eisfee über das Parket. Oh, ein Ölfass! Nächste Idee: Gegner einölen und anzünden. Die Brennen ja schon weil Feuerwesen? Mist. Ok, dann doch erstmal ne Runde Regen zaubern und die heißen Gemüter beruhigen. Es gibt unendliche Skill-Möglichkeiten; in der Theorie könnte man sich einen nahkämpfenden Waldläufer bauen der mit Tieren sprechen kann, dafür aber das Charisma einer Nacktschnecke hat. Oder eine Schnecke die…. naja, fast. Was ich sagen will: Ich kann mich nicht erinnern, wann ich das letze mal einen solch komplexen Skill-Tree gesehen habe. Der Wahnsinn. Der helle Wahnsinn! Ich hab' sicher 15 Ingame Stunden auf dem Konto, bin just im Level 4 (!) angekommen und würde am liebsten alles noch mal spielen. Weil es geht, und ich sicher nicht nur das Gefühl habe, dass es ein komplett anderes Spielgefühl wäre, wenn ich es doch mal mit echter Magie (satt dieser Mischung aus Mage und Rogue) probieren würde. 

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Wenn man nicht gerade mit melancholischen Muscheln spricht (die Dialoge sind toll und ab und zu recht witzig, ich lese das meiste aber im Journal nach), ist es möglich, das Game im Koop-Mode via Web zu zocken (was ich unbedingt testen will!). Es warten Schätze, Dungeons, unendliche Gegner, eine hübsche – wenn auch nicht überragende – Grafik, eine ultramegagroße Spielwelt, schwere Rätsel, sehr fordernde Kämpe, schwere Entscheidungen (die sich sicht- und fühlbar auf die NPCs und die Spielwelt auswirken!), ein umfangreicher Skilltree, (gefühlt) abertausende Waffen, Sprüche und Items, Crafting mit Tiefgang und minimale (!) 50 Stunden Spielspaß. Aber eben auch Spielfrust. Was ich so gern mag und seit Ewigkeiten in dieser Form nicht mehr gesehen bzw. gespielt habe. 

Nägel, Nadeln, Kochtöpfe, Angelruten, güldene Gläser, simple Eimer, Sextanten oder ein Schmiedehammer: Fast alles was man aufgabelt, kann man auch verwenden. Für die verschiedensten Dinge. Beispiel: Du skillst auf Lehrmeister um endlich die unidentifizierten Objekte aus deinem überquellenden Inventar zu entdecken/tragen zu können. Skillpunkt vergeben, nix passiert O__o. Also erstmal weiter. Drei Stunden später, den Kampf mal wieder mehr schlecht als recht überlebt: Der Gegner dropt eine Lupe. Die aufgenommen, und Tatataa: Der Hinweise: Nun kannst du – wenn du Lehrmeister bist – mit dieser Lupe Gegenstände identifizieren. Endlich keine blöde Kappe mehr, sondern ein echter Helm. Nach 13 Stunden Spielzeit. Freude pur. Und dann sah ich noch: Farben. Teure Farben. Kein Plan wozu die nun schon wieder gut sein sollen…

Ihr lest schon: Ich bin hin und weg. 

Ich sagte einst, dass ich Skyrim für DAS Rollenspiel dieser Dekade halte. Das war 2011. Nun, 2014, sage ich: Skyrim und Divinity: Original Sin streiten sich um das beste Rollenspiel seit KOTOR. Und das will was heißen.

Wer es nicht ausprobiert, verpasst so einiges. Vor allem diese drei leidigen Gobblins, die mir seit Stunden den Weg in die sagenhafte Unterwelt versperren. Um die umzunieten, muss ich mir was einfallen lassen. Und exakt in diesem Gedanken liegt die Magie des Spiels: Es fordert, es regt zum Denken an, es weicht keinen Zentimeter, sondern stampft dich in Grund und Boden. Immer mit dem Gefühl, das man selber – und nicht die Spielintelligenz – zu blöde ist.

Wundervoll!

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