welt.de über den Transhumanismus

Richard Herzinger schreibt vorgestern das hier zum Thema Transhumanismus auf welt.de:

Doch in dem Maße, wie der Glaube im Zuge der Säkularisierung an Überzeugungs- und Anziehungskraft verliert, fällt den auf sich und ihre begrenzte Lebensspanne zurückgeworfenen Individuen die Aussöhnung, oder auch nur das Sich-Abfinden, mit dem Tod immer schwerer. Er erscheint als existenzielles, transzendenzloses Unrecht, als willkürliche Negation all dessen, was das Individuum in seiner Einzigartigkeit und Unwiederholbarkeit ausmacht. Dass die Erfüllung eines Lebens in Mühe und Arbeit bestehen soll, ist dem modernen, genussorientierten Menschen der Freizeit- und Konsumgesellschaft ohnehin kaum noch zu vermitteln.

Unterschreibe ich mal. Dann sagt er aber auch das hier:

Nachwachsende Generationen könnten nicht mehr davon ausgehen, dass ihnen die Älteren irgendwann den Platz frei machen werden. Und selbst wenn die Geburtenrate parallel zur Steigerung der Lebenserwartung weltweit drastisch zurückgehen würde, müsste der Globus wohl bald wegen Überfüllung geschlossen werden. Dass der Platz auf dem Erdball zu knapp zu werden droht, erhöht wiederum den Druck auf die Menschheit, sich andere, ferne Planeten zur Besiedlung zu erschließen.

Naaaaaja. Ich sach‘ mal: Das Wort bald im vorletzten Satz ist Quark. Die transhumanistische Idee hat auch auf dem Schirm, wie man 25 Milliarden Menschen auf der Erde satt und glücklich macht. Der Platz ist kein Problem, und Ressourcen u. Nahrung auch nicht; es hapert eher an der Verteilung, als an der Verfügbarkeit. In diesem Sinne steht der Transhumanismus auch für ein Ende des Kapitalismus – auch ein Grund, warum ich die Idee so mag. – Jetzt hätte ich fast mochte geschrieben. Langjährigen LeserInnen mag es aufgefallen sein: Das Thema findet nicht mehr so oft einen Platz in der Chronologie dieses Blogs. Warum weiß ich selbst nicht so genau; die Faszination ist nach wie vor ungebrochen, mich dazu äußern…. in diesen Zeiten… fühlt sich irgendwie falsch an.

Um ehrlich zu sein: Das ist so, seit mir meine  Bandscheibe letztes Jahr mal knallhart meine Verwundbarkeit gezeigt hat. Nicht, dass ich mich vorher für unsterblich gehalten hätte; zumindest nicht andauernd…wenn einem aber von einigen hochgebildeten Medizinern in einem der technologisch fortschrittlichsten Ländern der Welt mehr als acht Monate lang andauernd gesagt wird keine Ahnung woher der Schmerz genau kommt, dann kann man schon mal drüber nachdenken, ob Transhumanismus nicht vielleicht doch nur was für reiche Spinner aus den USA sein könnte (ist er nicht, aber der Gedanke kam mir).  Außerdem kann kein Mensch bis heute erklären warum Katzen schnurren, geschweigen denn wie sie das tun. Und dann will mir wer erzählen, 2040 gibt’s die Unsterblichkeit für Jedermann? – Da bin ich irgendwie raus. Die Idee der technologischen Singularität ist derzeit auch so gut wie abgesagt, zumindest für die nächsten 100 Jahre, und der Herr Moore mit seinem Gesetzt gerät auch zusehends ins stolpern. Dat wird nix. Richtig dran geglaubt habe ich eh nie, wär ja auch zu blöde, dann wär ich religös. Falls sich da doch noch was tut: Umso spannender; eine Kryo-Versicherung schließe ich dann ab, wenn’s brenzlig wird.

 

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