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Cyber-Skibrille: ‚Transcend‘

Irgendwann in den Anfangszeiten diese Weblogs habe ich mal einige Artikel über Gadgets im allgemeinen geschrieben. Dann habe ich festgestellt, dass das andere ja viel besser können und ich auch irgendwie nie die Kohle habe, um mir zumindest mal eins von den tollen, verbloggten, technischen Spielzeugen selbst zu kaufen. Und auch bei diesem 429$ teuren Brillenteil, bleibt mir wohl zunächst nur das virtuelle Bestaunen übrig. 

Warum nun also speziell dieses Gadget? Weil es eine Brille ist. Frauen mit Brillen faszinieren mich seit jeher. Sei es nun der klassische Visor oder eine interaktive Datenbrille. Ich steh' einfach drauf. Nun kommt also die Company recon instruments mit einer neumodischen Ski-Cyber-Brille daher. Da vereinen sich also gleich zwei meiner Leidenschaften in nur einem Gerät: Snowboarden und der eben erwähnte Brillenfetisch. Was will man(n) mehr? Was das Teil kann, außer beknackt aussehen? Das erklärt Euch der Herr Marketing-Chef am besten selber mal: 

So ein Teil würde ich ja einfach mal zum Spaß bei einer Abfahrt tragen wollen. 

Ich self-tracke, also bin ich.


(Bild mit GPS-Tracking-Kunst von hier: anttilaitinen.com)

Mal ganz unter uns: Self-Tracking-App. Wie klingt das für Euch? Bin ich hier der Misanthrop, weil ich dabei an Penisvergrößerung denken muss? Self-Tracking. Was für'n gigantisch-philosophisches Potenzial in dieser sonderbaren Wortkombination steckt. Man muss sich nur mal vorstellen, man verfolge sich selber (was das Prinzip der Self-TrackingApps ist). Man verfolge sich selber und optimiere seine Selbst-Verfolgung in soweit, dass man dabei abnimmt, seinen optimalen Schlafrhythmus findet und womöglich noch den besten Kinoplatz ergattert. Verrückt.

Mich faszinieren zwei Dinge an dem Thema. Einmal der simple Fakt, dass diese (und andere) neuartige Technologien langsam aber stetig in alle Bereiche unseres Lebens vordringen. Diese Evolution beobachte ich seit jeher gespannt und bin immer wieder verblüfft, was der Mensch doch alles so zusammenschrauben kann. Zum Anderen ist es das Marketing hinter den hunderten (!) von Self-TrackingApp-Anbietern.  

…da steht dann auf der Website eines Schlaf-Tracking-App-Anbieters (WakeMate) sowas wir das hier: 

Together, the WakeMate® wristband and application help you wake up feeling refreshed. Our Wakelytics™ analytics platform optimizes your waking hours by automatically analyzing your sleep and illuminating personal habits that affect your sleep

Wir erinnern uns: Es ging um's Schlafen. Wo wir gerade bei Schlafen sind. Wie wäre es mit einem schmissigen Werbetext eines Wie-Gut-Bin-Ich-Im-Bett-Trackingapp für 1,99$? (lovevibesapp) Biddesehr:

It's surprising what you can tell by simply listening to vibrations. Our proprietary software uses three separate movement receptors to analyze your love making in real-time.

Professioneller Apps (bedposted) machen das aber nicht mit Vibrationsmessungen, sondern verlangen ein Einloggen unmittelbar nach dem Geschlechtsverkehr:

Simply log in after every time you have sex and fill out a few simple fields.

Man munkelt hinter vorgehaltener Hand, dass schon unschuldige ungeborene Kinder durch allgemeinen Tracking-Irrsinn mit Twitter (und schlimmeren Dingen) in Berührung gekommen sind. Mutmaßlich mittels einer Bauchbinde. Die tweetet nämlich, wenn das Baby die werdende Mutter tritt (kickbee)

The Kickbee is a device that updates Twitter when a baby kicks its mother from the womb.


(Bild: flickr/bistrosavage/cc)

Noch mal zurück zu meinem Anfangs erwähnten Gedanken. Penisvergößerung. Was bedeutet es eigentlich für mich (und wo wir gerade schon dabei sind:) und für die Welt, dass ich mir eine App (ego-app) auf mein Telefon laden kann, die die folgende Subline trägt: 

You' re important.

?

Muss ich mir diese Fragen überhaupt stellen? Kann das mal bitte jemand tracken? Ruft da doch mal einer an!

Im medizinischen oder sportlichen Bereich mögen solche Apps und Tools sicherlich wahre Wunder vollbringen (traut man den Marketeeren). Doch frage ich mich: Bin ich so wichtig? Ist überhaupt irgendwer so wichtig? Und wieso gibt es diese Sinnflut von Apps, wenn das alles nicht so wichtig ist?  

…die einzige wahre Self-Tracking-App ist ja auch eigentlich der Schrittzähler vom Asimo. Den habe ich nämlich mit der Hand bedient. 

...weitere Links und Auszüge zum Thema:

  • Sie schreibt alles auf, was ihren Körper betrifft. Sie notiert etwa, wie viel Wasser sie trinkt. Als Gesundheitsapostel möchte die 44-Jährige jedoch nicht bezeichnet werden. Sie betreibt das Selftracking schlicht, weil es ihr ein Gefühl von Sicherheit gibt. (http://www.nzz.ch)
  • Liste mir Hunderten Apps und Tools: quantifiedself.com
  • Artikel der NY-Times: The Data-Driven Life

Ben Newman


(Bild: © by Ben Newman)

Wer seine Leidenschaft für Shadowrun genau so pflegt wie ich es tue (jeps, ich habe ganze vier Shadowrun-Romane im Regal stehen und habe nicht ein Einziges mal bei einer Runde mitgespielt), dem wird sicherlich schon mal ein Artwork von Ben Newman über den Screen (oder das Buch-Cover) gehuscht sein.

Wirklich festgelegt ist der Gute in seinen Arbeiten wohl nicht: Neben einigen heißen Fast-schon-Softporn-Szenen findet man auch ganz gewöhnlich-hübsche Mädchen und einige nette Haustiere in seinen Portfolio. 

Dead Drops – ‚How to‘

Ich mein', ich hatte irgendwann im letzten Jahr zuerst bei Doktor Katze von der merkwürdigen Idee des Dead Droppings gelesen. Dahinter versteckt sich die Idee des Offline-Filesharings. Zumindest würd' ich es so umschreiben. Guckt das Video, is' ziemlich selbsterklärend, und eine Bauanleitung für ein Selfmade-Offline-Hub ist auch mit dabei.

…was hier nach lustiger Straßenunterhaltung 2.0 aussieht, ist in einigen der großartigsten literarischen Werken längst dystopische Realität: In der Zeit nach dem Netz; nachdem alle kapiert haben, dass totale Vernetzung und Transparenz nicht zwingend eine bessere Welt bedeutet, tauscht man seine digitalisierten Yps-Hefte nämlich eh nur noch zwischen 2 und 3 Uhr Nachts. In verrauchten Hinterzimmern, eingeklinkt, voll verchipt und zugedröhnt und so.

Magazines from the Future


Die besinnlichen Tage sind rum; weiter geht's mit Vollgas in eine hässliche Zukunft, die gar nicht so hässlich sein muss, wenn wir nur alle feste die Daumen drücken, und viel mehr Cyberpunk-Literatur lesen, um zu begreifen, dass wir es sind, die die Zukunft gestalten. Kein Obama, kein Osama, kein Assange. – We! The People! 2011 wird unser Jahr! Fuck Yeah! 

Was wollte ich sagen? Ah: Drüben bei somethingawful gibt es Magazin-Cover aus Zukunft zu bestaunen. 

…wirklich gigantisch sind die Entwürfe jetzt nicht; aber recht lustige Zukunftsthemen finden sich dennoch auf den Covern. 

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