therapie

Helden der Arbeit

Ich bin spät dran, ich weiß.

Dann will ich mich mal als letzter hier in der Selbsthilfegruppensitzung, die wir in der Praxis von Doktor Chris anhalten dürfen, vorstellen.

Hallo, ich bin seit 14 Jahren als el-flojo unterwegs und ich bin internetsüchtig, was ich auf DenkfabrikBlog.de und bei Twitter unter @elflojo jedem zeige, der es sehen will.

Nein, ich will nicht geheilt werden. Dafür macht es viel zu viel Spaß. :)

Mein eigenes Blog befülle ich schon seit 2001 (unter der Domain DenkfabrikBlog.de aber erst seit 2006), was wohl bedeutet, dass ich ein alter Sack bin. da kann ich aber mit leben. Muss ich ja wohl auch.

Momentan versuche ich die Zeit bis zur Rente rumzukriegen, was sich wohl noch ein bisschen hinziehen wird, da sich die APPD ja damals leider nicht mit ihrer Forderung "Jugendrente statt Altersrente!" durchgesetzt hat. Natürlich könnte ich meine BAföG-Zeit als Jugendrente-Periode ansehen, aber musste ich ja zum Teil wieder zurückzahlen. Zählt also nicht.

Gut, dann muss ich eben warten bis ich 75 bin. Ich gehe jedenfalls davon aus, dass man das Renteneintrittsalter noch ein paar mal sachte anheben wird. Ich stelle mir die Zukunft dahingehend vor, dass wir die Wahl haben werden: Entweder eine Kugel ins Genick für die betagten Helden der Arbeit am Ende ihrer Produktivität oder aber wir werden nackt im Wald ausgesetzt. Nun, solange es im Wald freies WLAN gibt, ist die Sache für mich glasklar: Heja Safari!

Dummerweise wird bis dahin noch sehr viel Arbeitszeit vergehen, die ich wie so viele andere auch in mehr oder weniger einladenden Büros verbringen werde, wo wir mehr oder weniger stumpfe Arbeit verrichten, bis wir von einem Prozess in der Cloud ersetzt werden. Danach geht's dann auf den Seniorenstrich am Bahnhof, wo wir für ein paar NewEuros irgendwelchen Cyborgs die Algorithmen streicheln dürfen.

Wer jetzt empört einwerfen will, dass Arbeit doch toll ist, uns ausfüllt und zu besseren Menschen macht, der soll stille schweigen und sich auf sein "Mitarbeiter des Monats"-Bild als Autobahntoiletteniederlassungsschichtleitungsassistent einen runterholen. Nein, nein, nein! Arbeit ist Scheiße.

Da wir aber irgendwie alle ziemlich krank im Kopf sind gucken wir doch am besten jetzt zum Abschluss der Gruppensitzung noch zwei Videos, die uns die Trostlosigkeit und Redundanz unseres Daseins als kleines Rädchen in der großen Wachstumsmaschinerie vor Augen führen.   Bis bald! Seid immer schön fleißig, ihr Helden der Arbeit. Und wer mehr davon will ist zwar dezent bekloppt, findet aber unter DenkfabrikBlog.de mehr davon.

Das Titelbild basiert auf folgendem Werk: Bergbau von The Noun Project, veröffentlicht  unter CC BY 3.0

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