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Social Web-Fail: DRLIMA und Rügenwalder

Vorweg: Dieser Rant passt eigentlich schon wieder besser in mein angedachtes Business-Blog auf chrisheil.de. Ich komm‘ nur zu nix, und solange da nix vorzeigbares steht, tippe ich mein hasserfülltes Fachwissen halt hier rein. Kommt Zeit, kommt Blog.

Vorweg #2: Der besagte Blogger kommt hier nicht gut weg. Das tut mir beim zweiten drüberlesen nun etwas leid. Nimm’s sportlich, Kollege, mein Ranting geht eher gen Rügenwald.

Nun aber:

Ich übe meinen Beruf nun viele Jahre aus. Und immer wenn ich Mist gebaut habe, habe ich anschließend am allermeisten gelernt. Meine Workshops und Lehrtätigkeiten haben viele FAIL-Elemente, ich rede gerne von Worst-Case-Szenarios, – weil Best-Case können ’se ja eh schon alle. Natürlich beleuchtet man auch gute Ideen und Prozesse die Sinn ergeben. Zur Auflockerung – aber auch für ein echtes Learning – tun es ab und zu aber falsch gedachte Dinge die man eindeutig besser denken / machen kann auch ganz hervorragend.

Heute im Programm: Das Blog DRLIMA, und die Marke Rügenwalder Mühle.

Das Geschilderte bröselt einige (Marketing?-)Prozesse auf, wirft einen Blick auf Aspekte der modernen (aber nicht zeitgemäßen!) Kommunikationstechniken; darf aber auch als Synonym für asoziale Kommunikation und Missbrauch von Medienkultur verstanden werden. Die Headline dieses Artikels könnte also auch so lauten:

Wie irgendein Blöd-Blogger sich von irgendeinem Blöd-Werber von irgendeiner Blöd-Marke verkapitalisieren lässt und damit nicht nur das Image des Blog – sondern auch das der Marke beschädigt.

Nur wäre die Headline dann zu lang. Und polemisch noch dazu. Auch würde sie nur die halbe Wahrheit transportieren: Als Blogger liegt es nahe, den Blogger zu kritisieren, der mir meine arbeistalltägliche Routine mit Mail-Spam vergeigt und dem ich dafür am liebsten… Nun ja. Viel mehr Wahrheit – oder Weisheit – liegt aber in diesem Falle darin, jetzt mal die Marke – oder die Agentur (?) hinter der Marke – anzupissen. – Das mache ich nun mal kurz, dann gehen wir in die Analyse und haben Spaß mit 1.000 Fails in der Markenkommuniktion einer Wurstmarke.

Ey! Rügenwalder! Habt ihr da bei euch im Marketing einen von diesen ominösen Master of Professional Media Creation-Menschen ’nen Knopf drücken lassen? (Die sind maximal 30 Jahre alt, die ersten ihrer Art, und können oft nix dafür – außer sie waren meine Studenten!) Ist euch echt alles Wurst? Was’n los da? Jesses! Wär‘ ich eure Oberwurst, ich würde ja… etc etc.

Die Elemente der Worst-Case-Wurst-Analyse

  • Die Wurst / Eine Wurstmarke (glaube ich)
  • DRLIMA: Ein (altbekannter) Blogger
  • Storify: Ein Social Web-Tool
  • Mein Outlook

Die einzelnen Elemente werden nun erklärt, dann wird der Prozess eröffnet.

Die WurstRügenwalder! Das lese ich plötzlich in meinem Posteingang. Ich denke an eine eher fiese Stimme im Radio… und an …Gesichtswurst! Verwirrung setzt ein. – Wie kommt die Wurst denn jetzt in mein Outlook?

DRLIMA: Neben der steht Wurst steht der Name Dr.Lima. Da geht mir ein Licht auf! Das mir bekannte Blog DRLIMA ist gemeint! Plötzlich geht das Licht wieder aus….das ist doch der Willy, denke ich! Die Verwirrung ist zurück.

Storify: Neben der Wurst, und dem Willy (kennt‘ wer den Wurst-Willy am Ring? Supergeile Kringelburger!) steht dann noch: Storify! Ich denke: Ahhh…ja, da hatte ich mich neulich mal angemeldet. Weil… Weil… Wurst!

Mein Outlook: Meine armes Outlook, welches eben diese Mail empfangen musste, lenkt meinen Blick ganz klar auf einen Link: Der einzige, der mir klickbar erscheint, ist der, der auf das Impressum von Wurstwilly Rügenwalder verweist.

Klingt komisch, ist aber so:

Unbenannt

Das wären die FAIL-Elemente. Und nun brösele ich euch meine analytischen Gedanken zu dem Prozess mal auf. Bitte bedenken: Nicht jeder Endverbraucher hat eine fachliche Sichtweise auf solche, öhm, Vorkommnisse, viele bekommen sowas und sind dann einfach nur total genervt. Bei mir hielt es sich die Wage: Genervt sein vs. fachliches Interesse an Fails meiner Branche. Dennoch versuche ich einige Endkonsument-Gedanken mit aufzunehmen. Los geht’s:

  1. Noch ’ne Mail! Uff. Ok…. WHAT? Teewurst, RadioFail, Willy, …und die Mühle hat ja Würste als Propeller, ey, das ist ja witzig, was für’n Scheiss, na klickste mal! 
  2. Ich klicke auf den plausiblen erscheinenden Link und lande hier:

imp

3. Öhm. What? Wieder zurück, noch mal die Mail ansehen. Ok, da steht „der offizielle Twitter-Kanal der Rügenwalder Mühle“. Damit ist wohl nicht der Link gemeint? Oh, da steht ja auch noch „Impressum“!? Mmm. Aha. Blöd.

4. (Und an dieser Stelle wäre jeder Endverbraucher raus – und kauft ab morgen nur noch… DuDarfst?) Ich „studiere“ die Mail in Ruhe (poah ey!). Ich sehe: Die hellblaube Typo weiter oben- da wo Tiefkühlprodukte steht – könnte auch ein Link sein! Tschakka, ich kann Mails lesen!

5. Bevor ich draufklicke denke ich: TK-Schrott…nun ja, …merkwürdige Gesichtswurst aus Rügenwald, – der Gammelfleisch-Skandal kommt mir in den Sinn – und dann noch: Der hippe Willy, der auf Insta immer coole Bilder postet… wie geht DAS denn jetzt zusammen!? O_o

6. Ich ahnte böses, ….klickte….und es kam schlimmer:

uhah

(Ohne Scheiss: Die Pixelbilder sind da so zu sehen. Die URL gibt es hier: storify.com/Ruegenwalder/tiefkuhlprodukte)

7. Ich kapier‘ NULL was ich auf dieser Seite tun soll, ob da ’ne geheime Markenbotschaft drin steckt, ob Willy irgendwie ’ne eklige Diät macht, oder sein Blog gehackt (hackhack, haha) wurde, oder oder oder. Ich. Raffe. Es. Nicht.

8. Was ich raffe sind aber Willys (?) erste Zeilen da etwas unterhalb:

Wir alle stehen in unserem Leben manchmal vor einer Situation, bei der eine für uns wegweisende Entscheidung gefällt werden muss. Im Gegensatz zu früher ist es heutzutage zum Beispiel absolut konform, verstärkt auf seine Ernährung zu achten. Manche verzichten bewusst auf den Konsum bestimmter Lebensmittel, manche nicht.

Jo. Klingt für mich nach einer dieser Einleitungen, die letztlich dazu führen, sich selbst das Fleischfressen schön zu reden. Kann man machen; ich auch, ich ess‘ Fleisch sehr gerne. Was das mit Rügenwalder zu tun hat, kapier‘ ich (bis zu diesem Punkt) dennoch nicht. Irgendwas mit Ernährung, schätze ich.

9. Meine Gedanken in Stichworten bis zu diesem Punkt: Nerv-Mail ohne Sinn! TK-Schrott! Gesichtswurst! Willy, der irgendwas anstrengendes erklären möchte! – Meine Begeisterung für die Marke mit der Wurst ist dem Siedepunkt nahe….

10. Ich versuche mich krampfhaft an meine Anmeldung bei Storify (Mist, was zur Hölle war das denn noch!?) zu erinnern. Womöglich liegt das ganze Drama nur an mir? Hatte ich mich in dunkleren Tagen bei einem Willy-Wurst-Social-Newsletter angemeldet? Bekomme ich diese Mail weil ich es nicht anders verdient habe!? …und weil ich meine Social Web-Aktivitäten doch nicht so im Griff habe, wie ich es mir oft illuminiere? Ich bekomme es mit der Angst! O__o.

Dann denke ich: Mir doch scheissegal was Storify ist. Der Check, was genau der Multiplikator auf seinen Social-Channels ausspuckt, liegt klar bei den Verantwortlichen der Kampagne. Es nervt. Und die sind schuld. Tsö.

10. Angst bekämpft man mit Wissen; das hört man ja ständig. Ich beginne mit der Dokumentation und mache mir Notizen. Da sind wir nun.

11. Lasst uns zusammen mal schauen, was passiert, wenn man von dieser ominösen Seite aus weiter rumspionieren möchte. Mir dünkt: Die Nutzen das Wort „Seeding“ (Übrigens wieder ein FAIL: Ein solch technischer Begriff darf neverever im B2C-Bereich genutzt werden, kapiert doch keiner), also machen die sicher irgendwas budgetiertes im Web mit Multiplikatoren (also Bloggern und weißichnichtwas) und trendy und # und so. Willy ist ja dabei, muss ja ;).  Wir klicken als mal auf: „by Rügenwalder“… so kommt man ja meist zur Profil-Ebene. Here we go:

ohjePG

12. Eigentlich möchte ich hier aufhören. Ich habe körperliche Schmerzen. („1“ Follower steht da. – Wer ist gemeint? – Und lebt der wohl noch?)

13. Was….was…WAS SOLL DAS SEIN? Hat der Wurst-Praktikant im Duden das Wort „Mediawall“ gefunden und…. Herrje. Ich weiß es nicht. Immer noch nicht.

14. Ich denke: Früher war alles besser! Sollte ich den Telefonhörer nehmen, die Auskunft bitten mich nach Rügenwald (?) zu verbinden und dann einfach nur stundenlang ins Telefon weinen? Es erscheint plausibel. Ob es hilft?

15. Ich klicke frustiert rum. Ich habe eigentlich keine Lust mehr. Aber jetzt sind wir ja einmal dran.

16. Ich lese dann doch mal beim Willy um was es geht: Um vegane Wurst. Oder Burger. Oder sowas. Sensationell. Seit 2012. – Ich hole mir einen Kaffee.

17. Als ich den einzigen Kommentar bei Willy zu dem Artikel lese (von wegen böse Fleischindustrie und so), …und der von Will mit „OK“ beantwortet wird, muss ich laut lachen. Ich empfinde diesen kurzen Dialog (?) als sehr sinnbildlich.

18. Jetzt möchte ich wirklich in Rügenwald anrufen und fragen, wer denen die Kampagnen verkauft hat. Solche Anfragen (der Hate-Kommentar ist gemeint)  an die Blogger (die sich offensichtlich für viel Geld völlig irrelevanten Content ins Blog schreiben lassen – schlimm genug!) beantwortet die Marke, nicht der Blogger / der Autor. Das klärt man vorher. Mir liegt das Wort Idioten auf der Zunge. Ich schmiere mir ein Wurstbrot (DuDarfst).

19. Ich komme zum Ende.

Würde man mir jetzt sagen: Junge, alles wahr was du da sagst! Das ist Mist, es nervt, verbrennt unsere Wurst Marke, und macht genau keinen Sinn… hier sind ’n paar Euros und mach‘ das mal richtig: Ich würde jetzt nachgooglen oder rumfragen, wer das zu verantworten hat. Wenn es  ’ne Agentur ist: Selbst schuld. Wenn es inhouse passiert: Köpfe ab waschen. Und dann noch mal von vorne. Ganz in Ruhe. Mit ’ner Idee.

Denn die fehlt völlig: Weder auf der Rügenwalder-Home, noch auf deren Blog, noch bei Facebook kann ich auf den ersten Blick (und nur der zählt in der digitalen Kommunikation) irgendwas zu irgendeiner Blogger/Veggie-Burger-Kampagne nachlesen. Nix. Nada. Nirgendwo.

…dann aber ne kryptische (nicht-moderierte?) Story(?)Wall aufbauen; mit den ganz dicken Würsten Hosen und Tweets und #’s und alles sowas? Ist klar. – Nicht.

Was will ich nun mit dieser Chronik sagen?

Das ich zwar weiter Wurst esse, aber nie wieder eine von dieser Marke. Weil ich nun für immer an diese Mist-Mail und an Pixelbrei-Burger denken muss. Und auch, dass ich glaube, dass es ALLEN Konsumenten so – oder so ähnlich – gehen wird, sollten sie eine solche Mail bekommen (kein Plan wer von den fast 150.000 (!) DRLIMA-Fans bei Facebook auch bei Storify ist). Letztlich möchte ich aufzeigen, dass ungeplante und unprofessionelle Kommunikation immer die Marke schädigt, dass man als Entscheider nicht dauernd auf Buzzwords von Werbeheinis anspringen sollte, dass man spezielle Zielgruppen mit TOP-Bloggern zwar abdeckt, aber nicht erreicht, dass man zwar ’ne geile gutmenschliche Ideen haben mag (Vegane-Burger, yeay!), diese aber durch den Einsatz von nicht-zielführenden (a-sozialen) Mechaniken völlig vor die Wand fahren kann. – Wie hier geschehen.

Nimmt man dieses Wuorst-Case-Szenario – ob nun als Brand Manager bei dem Wurst-Laden, als Nachwuchs-Markteer, oder als Pro-Blogger – mal als Augenöffner, könnte man erkennen: Die Menschen kreieren die Botschaft – UND die Technik! Mit etwas mehr Hirn bei der Sache sparen wir alle wichtige Ressourcen. Die Geistigen – wie die Natürlichen.

Wisst ihr wie viele Veggie-Wurst-Burger ich essen müsste, um die Energie die in diesen Zeilen steckt (und ich rede gar nicht erst von den Serverkosten für ALL DAS!) wieder reinzuholen? – Ich auch nicht. Aber DAS wäre doch ein ganz cooler Kampagnenansatz:

Coole Nike-Blogger essen unsere Veggie-Burger und treiben dann krassen Tattoo-Sport auf Instagram.

Todsicheres Dingen. Läuft. Skizzier‘ ich in 20 Minuten.

Mit Gehirn und ohne Gesichtswurst-Witze.

Conchita-Wurst-host-eurovision

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Nerdcore macht Pause. Weil’s geht.

Bevor ich jetzt gleich im Rausch auf der Party im Park versinke, will ich – mit allen Sinnen die ich noch habe – doch noch mal eben hochkonzentriert eine Lanze brechen: Für den René vom Nerdcoreblog. Der Mann ist und war (sicher nicht nur für mich) eine – wenn nicht die – Galionsfigur der deutschsprachigen (Nerd)-Blogs. Mit Thorsten und Alex (kueperpunk und Cynx) war René, einer der dreien, die mich 2007 dazu brachten, diese Domain hier zu reservieren und diese Blog-Sache doch auch mal auszuprobieren. Das ist nun acht Jahre her. Seit dem sind ne Menge Clickbaits den Blog-Fluss hinuntergeflossen und viele Blogs – aber auch die Menschen dahinter – veränderten sich. Was man ja nur Gutheißen kann; ohne Veränderung keine Evolution; und so. Ich möchte euch nun aber exemplarisch mal drei Prozesse nennen, die für mich Indikatoren dafür sind, dass mit diesem unserem ach-so idealistisch-freiem Medium (Blog, Internet… hauptsächlich aber Blog) irgendwas echt krass im Argen liegt. 

1. Ein mir sehr lieber Musikblog bloggte einen Erfahrungsbericht über Senheiser-Kopfhörer. Erst auf Nachfrag eines anderen (mir sehr lieben) Bloggers, wurde der Artikel als Werbung kenntlich gemacht. Das war für mich und meine (ja, sicher leicht naive) Begrifflichkeit von Blogger-Ethik (immerhin nutze ich diesen Begriff in Workshops oder Lehrgängen, die ich gebe – ich meine also in der Tat etwas damit…) ein Schlag ins Gesicht. Wie können die nur, dachte ich. – Naja, die können halt. Schwamm drüber, wäre zu viel gesagt, aber mei, ich kann es nicht ändern und der Pranger war schon zu dem Zeitpunkt nur noch ein Mittel der zweiten Wahl für mich. Den Lesern eine Werbebotschaft unterjubeln, die nicht also solche gekennzeichnet ist, ist schlicht und ergreifend ein NoGo und an Asozialität nicht zu übertreffen. Das ist echt alles. Nur nicht rebellisch. FREUNDE! 

2. Ein mir sehr lieber Nerd-Blog kennzeichnet zwar seine Werbung. Nur war die dann für Zalando. O__O. Wenn man Teil dieses Internets ist – sein will – dann weiß man (gefälligst!) das hinter Zalando die Gebrüder Samwer stecken. Die Menschen rein als Ressource begreifen, ihren Scheiss billig aus China importieren, nix selber machen und für den Ruf des deutschsprachigen Internetz schädlich sind. Mit denen kooperiert man nicht, die spuckt man an; es kann keine Summe der Welt geben, für die man an diese Kackaffen seine Seele verkauft. Keine! Dachte ich… 

3. Clickbait. Klickfang. Verdummung im Internetz. Dazu möchte ich René eben zitieren: 

Interessante, neue und unbekannte Inhalte werden durch Gravitationseffekte in Social Media-Kanälen verdrängt und ersetzt durch: 1.) Neu verpackte, alte und oft „dumbed down“ Inhalte: Buzzfeed-Listen oder neu hochgeladene YT-Videos auf Facebook, oft ohne oder nur mit versteckter Verlinkung, im Prinzip eine nicht-vernetzte Ausbeutung vorhandener Archive, die wir in den letzten 15 Jahren aufgebaut haben.

Und in diesen Satz wir in den letzten 15 Jahren aufgebaut haben rechne ich mich mit rein. Ich habe das sieben – knapp acht – Jahre mitgetragen, mit-zelebriert und aufgebaut. Das kann man hier im Blog nachlesen. Und dann kamen die BWLer und Netzkapitalisten und machten unser Internet kaputt. UND IHR MACHT DA MIT! ALLE! Zumindest 90% meiner Facebook-Kontakte. Aber eben auch Nerd-Blogs, die heute längst keine mehr sind. Sondern eher sowas wie die BILD, für die schein-intellektuelle Netz-Community. Das sich dann ein Schlecky – oder wie sie alle heißen – da dranketten, draufsetzten, kann ich denen nicht mal verübeln. Als das losging…wo war denn da der Blogger-Core? Die harte Mannschaft? Wo war die idealistische Gruppe innovativer, geistreicher Blogs, als wir einen Blogger-Verband gründen wollten? – Wahrscheinlich gerade alle auf der re:publica, Johnny Haeusler dabei zusehen, wie der Mediakraft und die neuen YouTube-Stars auf der Bühne in den Himmel lobt. WHAT THE….? Mir war da schon zum Kotzen zumute. – Da kann man sich schon mal an den Kopp packen, sich fragen, was das alles noch soll, wohin das führt, wo der Idealismus hin ist, und warum das Netz früher doch so viel besser war. – Nur: Selbst wenn ich mich das frage… ändern kann ich es nicht.

Was ich aber kann: Es drangeben. Was ich ja dieses Jahr auch tat. Für einige Wochen. Gefehlt hat mir das alles kaum. Nun blogge ich halt mehr eigene Fotos. Schlecky und Heftig waren ja eh schneller. Mit dem kopieren und verwursten der Inhalte. – Aus meinem Archiv aus 2008. Ohne Link-Setzung. Versteht sich. Und ihr feiert das? Echt jetzt? Dann sage ich: Leckt mich am Arsch, ich kann den René nur zu gut verstehen. Selbst Schuld, wenn das Netz bald nur noch aus Katzen besteht! – Natürlich wollte ich mit meiner angekündigten Blog-Pause ein Zeichen setzten. Eins für mich; eins das mir Zeit gibt, zu reflektieren, zu bewerten. Um dann mit voller Energie wieder weiterzumachen; das Netz wieder mit zu gestalten. Dann kam ich wieder, alles noch viel schlimmer als Wochen zuvor… René formuliert es so:

…es tatsächlich überall kracht und knallt, online und offline, überall. Und da habe ich von wirklich dringenden Themen wie Griechenland, dem IS oder Mass-Shootings noch gar nicht angefangen. Dieser Sommer brennt.

…und denke mir: Bloggste halt Urlaubsbilder. Die sind wahr und echt und nicht geklaut, und haben Relevanz. Für mich. Und für fünf bis zehn weitere Menschen da draußen. Die Zeit in der man im Internet surfte, ist längst vorbei, die Leute – ja selbst die Blogs – setzten heute weniger Links als früher, kopieren sich anstelle dessen ganze Bildstrecken aus Webseiten von Künstlern. Die nennen – mit viel Glück – noch den Namen des Urhebers; einen Link – DIE WÄHRUNG IM NETZ! – lassen sie aber nicht mehr springen. Und ich dann immer so: Ach, ich nehme nur ein Bild zum Teasern, Ehre wem Ehre…und so. Oder dieses "Entdeckt bei"…. mit huldigende Worten für andere tolle Blogs und Künstler…das mach(t)e ich ja immer so. WOZU? WOZU MACHE ICH DAS? HÄ? – Na weil es Inter-NET heißt, nicht Inter-EGO. – Ich denke, diese meine Idee ist antiquiert. – Is' mir egal, manche Dinge waren halt früher einfach besser. Wertiger. Moralischer. Was die Generation Snapchat einen Scheiss interessiert. Ist mir auch klar. 

Doch genau deshalb wünsche ich mir, dass die Pause von Deutschlands Nerd/Subkultur-Blog #1 auch als Zeichen verstanden wird. Als Warnung. Als Hinweis auf Stagnation. Als Denkzettel. 

Lest es wie ihr wollt. Aber lest es: 

This is where I leave you. (For a while.) beim René.

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Die „Netzfrauen“ – Oder: Warum man das Netz doch noch verstehen kann

Da mir in den letzten Wochen immer mal wieder…öhm… ich nenne es mal panisch-gutmenschlich-formulierte Meldungen der Netzfrauen über den Screen huschen (hauptsächlich in meinem Facebook-Feed), dachte ich: Schauste dir das Blog doch mal an. Die Netzfrauen über sich selbst: 

Nachdem die Netzfrauen zur Zeit das Netz rocken und sich einer wahnsinnigen Aufmerksamkeit erfreuen können, sehe ich die Netzfrauen durchaus als eine Art Bewegung.

Das die Chefin das Ganze als eine Art Bewegung sieht, kann ich mir sehr gut vorstellen. Dazu später mehr. Schauen wir uns doch die aktuellen Schlagzeilen mal an: Ein Brief von Deinem Hund an Dich gefolgt von Video: Monsanto und der WWF – Der Pakt mit dem Panda. Die Hundesache übergehe ich nun mal; weiß aber auf den ersten Blick, worum es im Text zur andere Schlagzeile geht: Um 'ne Anti-WWF/Monsanto-Doku. Die ich sah. Mit ganz langen Zähnen. Weil ich weder dem WDR – noch dem WWF – traue. In jedem Fall steigen die Netzfrauen also voll auf die Anti-Welle ein; sonst würde Sie ja die Doku nicht bloggen. Erinnert mich stark an die Deutschen Wirtschafts Nachrichten. Und wie es um die steht, wissen wir ja hoffentlich bald auch alle ganz genau. Wie ist es dann aber zu erklären, dass die Netzfrauen Monsanto-Werbung im eigenen Blog schalten? Schaut:

mon

Und da die Damen ja so zeitgeistlich, liberal und forsch daher kommen: Hier direkt noch mal Werbung für die katholische Kirche. 

ch

Quelle: psiram.com. Irgendwo bei den Frauen steht sicher was davon, dass die Google-Werbenetzwerke von Juden an der Ostküste der USA gesteuert werden. Oder von Nazis am Südpol. Ah, hier ist es: 

Da Monsanto und Co aber regelmäßig Tochterfirmen und Tarn-NGOs die Werbung schalten lassen, sind wir auf Euch mit angewiesen.

Die LeserInnen sollen also schlechte Werbung melden? Ist klar. Die liegen ja web-technisch voll im Zeitgeist. Apropos ZeitgeistDoro Schreier – Netzfrau Number One – hat da Ahnung von: Eine kurze Google-Suche bzgl. Frau Schreier und ihre Klitsche zeigt: Die hängt irgendwie mit der Zeitgeist-Bewegung zusammen. Hier kann man es sogar nachlesen: 

Unbenannt

Zeitgeist? Ich las mal deren Statements zu Impfen ist doof und Germanische Neue Medizin ist viel besser. Danach weißte bescheid. Ich zumindest. Das diese Spacko-Klitsche dann ab und zu zusammen mit dem Transhumanismus genannt wird, macht die Sache nicht besser. Da sind Eso-Spaten, keine Humanisten! Nun wissen wir aber auch, warum Frau Schreier das Wort Bewegung so gern hat. Weiter geht es. Wie geht Frau Doro nun also mit Kritik um? Zwei Zitate dazu:

Wie gesagt – wir sind Mütter! Mütter sollte man nicht ärgern – denn hinter den Müttern, steht die nächste Generation, ihre Familien (…) Greife nie Mütter an, denn du weißt nicht, welche Macht von ihr ausgeht.

Uh. Oh. Die Mutter als Gottesgestalt. Oder was? Da geht noch was: 

Komisch, die Konzerne sind nett, schreiben mir Stellungnahmen und gehen mit mir ins Dialog, obwohl ich deren Schandtaten aufdecke. Menschen, aber für die wir GUTES tun, die sind wie Hyänen, obwohl das schon für diese Tiere einer Beleidigung nahe kommt.

Na die ist ja nett. Und die Artikel die sie schreibt erst: ADHS durch Giftstoffe in Schuhen und Kleidung?. Mit der sagenhaften – ja fast schon lyrischen – Subline: Unfassbar – Vergiften die uns fleißig weiter und wir schauen dabei tatenlos zu – und das noch bis 2020!!! – Wir werden alle sterben. Da wir jetzt ja wissen, dass ADHS durch Sneaker-Benutzung entsteht. – Echt jetzt? Und so ein Content findet den Weg in meine sozialen Netzwerke? Dann stimmt was nicht. Mit der Welt. Mit dem Netzwerk? Mit dem Sozialen dazwischen? Im übrigen habe ich mir gerade die Autoren-Profile der schreibwütigen Angst-Frauen angesehen (heißen die wirklich  Mo Major und Maria May? Echt jetzt?): Keine von denen hat auch nur annähernd eine naturwissenschaftliche Qualifikation vorzuweisen. Spucken Schreien da aber rum, wie die ganz Großen. – Ich will das alles nicht überwerten. Die wollen sicher auch nur Frieden… – und weniger Einwanderung. Ich hab' keine Ahnung. Aber Indizien. Die ich hier mal zusammengefasst habe. Meine Freunde von science-skeptical.de wussten 2013 bereits:

Unter dem Begriff „Handeln” verstehen die „Netzfrauen” dann allerdings in erster Linie das Beschwören düsterer Weltuntergangsszenarien. In den martialischen Texten, die sie mit missionarischem Eifer und nahezu im Stundentakt auf ihre Facebook-Pinnwand hämmern, kommt beinahe in jedem zweiten Satz das Wort „verseucht” vor.

Da kann einem Angst und Bange werden. Mein Eindruck nach 20 Minuten Web-Recherche: Alarmismus funktioniert auch für die Netzfrauen ganz prima. Und Doro Schreier trägt ihren Namen zu recht. Nicht so wie ich.

Jetzt ihr. Teilt das mal in den sozialen Netzen. Damit die Menschen mal lesen, was sie da lesen. 

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10.404 Kommentare. Nicht eine Zensur.

Unbenannt

Doktorsblog. Seit acht Jahren online. 10.404 Kommentare. Nicht eine (!) Zensur. So geht bloggen.

  • Lasst die Kommentare geschlossen, wenn ihr kein Feedback abkönnt.
  • ​Tut nicht so, als wären wir Leser euch was wert, wenn nur die Kultivierung eurer Egozentrik im Fokus stehen soll. 
  • Schreibt keine durchsichtigen SEO-Artikel, wenn ihr außer SEO nix (bis wenig) zu bieten habt. 

Ihr blöden Backpfeifen

(unter allen drei Artikel wurde die von mir vorgebrachte konstruktive – wenn auch harsch formulierte – Kritik weggelöscht, nicht freigeschaltet. Und ich hab nicht mal Vollidiot gesagt.) 

Danke für die 10.404 meist netten Kommentare ;) ♥ ;) Das wär's. Zurück zur Sache: Kaffee. 

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Warum es mit Blogs in Deutschland nie was werden kann…

UnbenanntWarum es mit Blogs in Deutschland nie was werden kann: Weil es Bloggerinnen wie Mel gibt, die mir ernsthaft (und vor allem UNSERER potentiellen Kundschaft!) erzählen will, ihr Blog würde sie 1.400 € im Monat kosten.

Hier ihre Beispielhafte Rechnung, man beachte gewissenhaft den Hinweis, es handelt sich hier um durchschnittliche Fixkosten:

  • (zugrunde liegt der gesetzliche Mindestlohn von 8,50 €)
  • Blogposts (8 Posts á 5 Stunden inkl. Recherche, Rezeptplanung, Einkauf Lebensmittel, Kochen, Styling Food und Props, Fotografie, Bildbearbeitung, Text und Rezept schreiben, Fotos hochladen, Korrekturlesen; 40 Stunden): 340,– €
  • Moderation von Kommentaren und Spam im Blog (3 Stunden): 25,50,– €
  • Pflege der Social Media Kanäle (15 Stunden): 127,50 €
  • Archivierung und Ablage von Inhalten und Bildern (3 Stunden): 25,50,– €
  • Wartung CMS, BackUps, Updates Software und Plugins (3 Stunden): 25,50 €
  • Beantwortung von E-Mails, allgemeinen Anfragen, spezifischen Fragen zu Rezepten und Bloggen sowie Kooperationsangeboten (8 Stunden): 68,– €
  • Fortbildung Technik und Recht (2 Stunden): 17,– €
  • Vorbereitende Buchhaltung, Korrespondenz mit Steuerberater und Finanzamt (2,5 Stunden): 21,25 €
  • Abholung von unerbetenen Warensendungen von der Post oder den Nachbarn (2 Stunden): 17,– €

Schon Punkt 1: Wer den gesetzliche Mindestlohn im Kontext Blog, dann noch im Kontext Blog in Deutschland anführt, hat bei mir schon verloren und offensichtlich wenig Empathie für die Sache an sich. Bloggen ist Leidenschaft, das was sie da macht Kapitalismus. – Was sie natürlich machen kann, damit hab ich ja nix am Hut. Womit ich aber was am Hut habe: Mit dem Bild der Blogs im Lande ganz allgemein. Das wird nämlich nicht besser, wenn da so 'ne Kochmutti einfach nur Blödsinn verzapft. Ich habe ehrliche Kunden, die Glauben so eine Kacke nachher noch. Deren Geschäft läuft dann – trotz meiner Beratung auf solche Geldblogger nix zu geben – schleppender, weil sie solchen Geld für nichts und wiedernichts in den Rachen werfen. Ja, auch bei mir geht es da nicht ausschließlich nur um Leidenschaft, natürlich auch um Kohle. Nur: Ich verdiene mein Geld nicht mit ehrenlosem Gelüge. – Ich brösele ihre Rechnung jetzt nicht komplett auf, das ist mir viel zu blöde, alleine schon der Posten Computer, 55€, Monat…

Schmeisste vor lauter Kochen alle zwei Minute deinen dämlichen Laptop in dein goldenes Waschbecken, oder was?

Einen Computer hat jeder Haushalt zu Hause. Das ist so, als würde ich bei Advertorial / Werbe-Anfragen für meinen Blog meinen Preis mit der Anschaffung der teueren AEG-Spühlmaschine rechtfertigen. Völlig an den Haaren herbeigezogen, schädlich für alle Blogs, echt peinlich, Verarschung am Kunden; und dazu einfach nur viel viel zu durchsichtig. These: Sie ist sich darüber im klaren, dass ihre Leistung nicht viel wert ist, rechtfertigt ihre Preise damit, sich selbst von Links nach Rechts in die Tasche zu lügen. – Kann man manchen. –  Anders kann ich mir so 'nen Stuss jedenfalls nicht erklären. Oder sie ist bezahlt, damit sie besser bezahlt wird O__o Kann ich ihre Steuererklärung mal sehen, junge Dame?

Warum das mein Bier ist? Na weil ich seit acht Jahren blogge, nicht einen Cent investiert habe, den ich nicht eh investiert hätte, und dazu noch – wenns knapp wird – einige Hunderter im Monat mit dem Teil hier verdienen kann. Weil: Leidenschaft. Und kochen kann ich auch. 

Wenn nun also alle glauben was sie da schreibt, siegt mal wieder das Kapital über die Idee, und da Blogging sowohl Berufs- als auch Lebensalltag für mich ist, fühle ich mich bei sowas echt persönlich angepisst. Und das nicht zu wenig. Wenn sie nun so transparent ist, wie sie tut, …hier mal an dich direkt, werte Mel: 

Kannst du eben noch mal neu rechnen und das Wort BLOG aus dem Text nehmen? Wär' echt nice!

Ach, liebe LeserInnen, hier, n geiler Kochblog, kost' auch nix der Link: kantinaporn.wordpress.com

Update: Gerade kommt die Mail der Bloggerin, dass sie meinen Kommentar in ihrem Blog nicht veröffentlich kann, weil… ihr könnt es euch denken. Soviel dazu. Aber: Ja liebe Kunden, kaufen sie, kaufen sie, hier geht alles mit rechten Dingen zu und ihr Feedback können sie sich in den Arsch schieben. 

Update2: Jeder / Jede die da in den Kommentaren zustimmt und schreibt: Das zeige ich ab sofort meinen Kunden! sage ich: Man kann sich auch verkaufen, ohne sich zu verkaufen. Idioten. 

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Zuerst dachte ich, das wär ein normales Blog, bis ich genauer hinschaute

Unbenannt

Alter. Falter. Was gehen mir diese Klick-Fänger-Seiten auf den Sack. Neben heftig.co sprießen die wie die Wurmlöcher aus dem Boden. Und nerven zu Tode. Weil meine offensichtlich minderbemittelten Facebook-Kontakte (not all of them) mir die Scheisse in die Chronik spülen. Jüngstes Beispiel: sicht.co. Deren Headline geht so: Zuerst dachte ich, das wären normale Bilder bis ich genauer hinschaute. Ich denk‘ dann immer: Denk doch nicht, halt deine blöde Fresse, du Kack-Blog mit Kack-Autoren, ohne einen Funken Ehrgefühl und Kreativität.

Mir ist klar, dass ich mit meinem Aufreger was spät dran bin, wir hatten das Thema ja im Sommer/Frühjahr schon zu genüge.

Dennoch: Ich sehe wie Leute denen auf den Leim gehen. Ich kenn‘ das seit etwas 12 Jahren (ok, fast) von Blogs wie whudat.de, die eigentlich nix anderes gemacht haben (ok, neben anderen Inhalten, zumindest bei whudat), als Fremd-Content wegzuklauen, sich das in die Seite zu kleben, um dann mit sensationellen Inhalten (und Headlines!) den Fremdcontent präsentieren zu können; um dann wiederum Klicks – und somit Werbeeinnahmen – zu generieren. Seit ich blogge (seit mehr als sieben Jahren) gab es das immer mal wieder; die betreffenden Blogs verschwanden jedoch immer in der Versenkung, weil es eben andere Kunst/Nerd/Pop-Blogs gab, die das Ganze besser machten, anders machten, die Bilder mit eigenen Texten und Anekdoten anreicherten und dem Leser das Gefühl gaben, dass sich ein Klick hin zum Macher/Künstler auch tatsächlich lohnen würde. Ich probier das bis heute so, nennt mich Naivling.

Ich stelle mir vor: Ich bin Künstler. Ich mache ein Bilderserie und präsentiere sie der Welt. Da kommt dann so ein Billo-Blogger (ohne Impressum und alles, wie bei sicht.co, etc…), saugt ALLE Bilder meiner Serie ab, klebt die bei sich ein, versieht die mit eigener Headline; und weist – wenn überhaupt – nur in einem Nebensatz darauf hin, dass es ja gar nicht sein Kram ist, den man da sieht. Die ködern die Leute mit Überschriften, die oft NULL mit dem Inhalt zu tun haben, machen Kohle und Fame, und ich als Künstler gucke total doof in die Röhre. Ich fänd‘ das ganz schön scheisse.

Ich halte hier eine wahrscheinlich sicher brüchige moralische Messlatte in die Höhe, wenn ich sage: Ich WILL das der Fame der ganzen Kunst hier im Blog den Leuten gehört, die die Kunst gemacht haben!

Als Galerist latsche ich ja auch nicht durch eine meiner Ausstellung und verkaufe die künstlerischen Exemplare als meine eigenen. Wie doof wär‘ das denn?

Doof nur, dass die Virtualisierung der Kunst eben diese Hürde genommen hat: Den persönlichen Kontakt. Keiner fragt mehr: Wow, von wem ist denn dieses Bild? Ganz einfach deshalb nicht, weil es heute weniger um Kunst und Kultur geht, denn um Dollar und Euro und Fame auf Facebook. Keine Kritik, nur ne Feststellung. Mitmachen muss ich bei diesem kulturellem Verfall aber längst nicht. Meinen Facebook-Kontakten das Moralsäckerl überstülpen… hat auch wenig Sinn. Also bleibt mir eigentlich nur eins: Die Dokumentation des Stumpfsinns, wie hier eben geschehen.

Nur um mal klar zu machen, auf welchem Niveau sich diese Klick-Blogger befinden, hier mal einige Auszüge aus dem Text zu dem o.g. Artikel:

Unter Verwendung von Acryllacke bemalt sie die Haut von Probanden in einer Weise, dass sie wie optisch flache, zweidimensionale Bilder erscheinen.

Was ist das für ein Satz? Mein Deutschlehrer hätte mir den Kopf abgerissen.

Weiter:

Sie ist auch auf CNN, NPR gekennzeichnet worden, und im WIRED, The Wall Street Journal, The Washington Post und The Guardian.

Gekennzeichnet? Hä? Nutzen die Google-Translate? Mich würde es nicht wundern, wenn es den Artikel 1:1 schon in den USA gegeben hat, und die Spaten sogar ihre Texte durch Google übersetzten lassen. Moooment… Ach was: Guckt mal hier! Ok, der Text ist nicht der selbe… aber sonst…. Klar, die Spinner denken sich: Wenn das in den USA schon luppt, kopieren wir einfach alles 1:1, brabbeln noch ne dämliche Headline hinzu, und schon rollt der Rubel. Ekelhaft, das.

Weiter:

Scrolle nach unten, um einige ihrer unglaublichen Kreationen sehen. Und denke daran, dass jede dieser Personen echt ist.

Scrolle nach unten? Was ist das für ne Anweisung? Also ich scrolle immer einen Horizontalkreis, beachte die Seitenpeilung, und biege dann hart nach Backbord ab. Wenn ich sowas lese. Ey.

Dann folgen, na klar, ALLE Bilder der Künstlerin. ALLE aus der Serie. Es besteht für den Leser NULL Anreiz, der Künstlerin selbst einen Klick abzudrücken, man hat ja schon alles gesehen.

Weiter:

Und vergesse nicht, diese bemerkenswerte Entdeckung mit deinen Freunden zu teilen indem du unten klickst.

Deutsch? Hallo? Bemerkenswerte Entdeckung? Die, die andere Blogger schon 2006 drin hatten, dazu einen netten Text schrieben, die Künstlerin mit ins Boot nahmen, den Lesern was tolles zeigten, weil sie es teilen wollten, nicht ihren Bausparvertrag zahlen mussten? Diese Entdeckung ist gemeint. Nehme ich an. Ich sach‘ mal nix. Das Teilen klappt ja auch so, wie ich anhand meiner FB-Chronik sehen kann. – Schlimmer geht es aber immer, ganz unten – am Ende der Bilderserie – steht dann das hier, bzw. poppt das auf:

Unbenannt

Drohgebärden 3000.

Ich will gar nicht meine alte Leier von wegen: Ich mach‘ das hier seit Jahren und zwar richtiger! auspacken. Natürlich ist es genau so, nur habe ich das Glück, dass ich mit diesem Blog nicht auf finanzielle Einkünfte angewiesen bin, und mir den Luxus erlauben kann, den werten Leser_innen auch wertige Einblicke zu präsentieren, die über GUCK WIE GEIL DIE BILDER SIND UND SCHEISS DRAUF VON WEM SIE SIND – hinausgehen. Zumindest hoffe ich, dass ich das so gemacht habe. Die letzten sieben Jahre. Die Autoren von sicht.co, heftig.co, wundervoll.co, etc die solchen Content präsentieren, sind mit Sicherheit auch die Leute, die sich mit ihrem jüngsten SEO-Projekt den Bausparvertrag gegenfinanzieren. Arme Würste, klare Sache.

Worauf will ich hinaus? Eigentlich auf wenig, der Trend ist da, ich kann mich sträuben und puckeln wie ich will, es ändert ja alles nix. –  Was ich aber erwarte: Treue Leser und wirkliche Freunde auf Facebook: Bevor ihr DIESE AFFEN anklickt: Besorgt euch mit drei Klicks einen Feedreader, abonniert euch Blogs, die es wert sind geklickt zu werden, UND die euch WIRKLICH geile Inhalte liefern; also Facebook-Taugliche Inhalte, mein‘ ich jetzt.

…oder eben mal meine Blogrolle durchgehen.

Warum? Das will ich euch sagen: Die Jungs und Mädels machen das alle um einiges wertiger, als diese neuartigen Klick-Fänger-Seiten: Es gibt (zumindest meistens) ne persönliche Anekdote, das Deutsch ist besser zu lesen, die Inhalte sind neuer und aktueller, die Künstler werden entsprechend vermerkt und gewürdigt. Und was am  obegeilsten ist: Die haben IMMER den geilen Scheiss! Und zwar VOR diesen Klick-Affen! – Ihr ja somit dann auch.

Und das ist es doch, was wir alle wollen: Der coolste auf Facebook zu sein; der mit dem coolsten und abgefahrensten Inhalten, der Sachen postet, die keiner je gesehen hat. Mit diesen vermainstreamten Otto-Blogs reiht ihr euch nur in die ahnungslosen Webnutzer ein, die Schuld dran sind, dass ich mich hier künstlich aufregen muss und – viel schlimmer – große Künstler möglicherweise einfach davon absehen werden, ihre Kunst mit der Welt zu teilen! Das ist die große Gefahr, die dieses Klick-Fang-Geblogge birgt: Kulturelle Gleichschaltung und kurzfristige WOW-Effekte, die verfliegen, wie Tränen im Regen. Und mindesten so traurig finde ich diese Entwicklung auch. Und das wollt ihr doch auch nicht. – Falls doch: geht zu heftig.co, euch heftig den Kopf mit 2009er Content vollblödeln lassen.

Ich kann die einfach nicht ab, dieses Gesocks macht mein Internet kaputt. Und da die nie ein Impressum haben, ich demnach auch nicht hinfahren kann, um denen persönlich in den Hals zu scheissen, müsst ihr euch nun diesen leidigen Text durchlesen. Oder mal einen richtigen Blog abonnieren. Dann klappt’s auch mit der Facebook-Coolness wieder besser.

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cyberpunk-god.blogspot.de

Unbenannt

Gestern habe ich das einzige Blog der Welt entdeckt, was fast soviel Cyberpunk-Content am Start hat, wie ich hier. Dieses ist es: cyberpunk-god.blogspot.de. Bei mir ist der Fokus ja eher auf die popkulturellen Auswüchse des CPs gelegt, bei den Kollegen geht es mehr in Richtung Wissenschaft; ist aber sicher auch für Rollenspieler / Spielleiter ganz interessant. Jede Menge Studien zum Thema, weniger visuelles, dafür tiefergehendes. Könnt ja mal gucken. Nach dem Klick.

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Overlay-Terrorismus

Unbenannt

…sah das Overlay – was jetzt hier bei jedem ersten Besuch des Blogs erscheint – eben beim René und hier gibt es das nun auch. Weil es geht, weil ich eh bald in Urlaub bin, und das Teil euch – und den neuen Besuchern – dann so richtig schön auf den Keks gehen wird. 

René hat in seinem Artikel 1 Jahr Snowdenleaks: Deine Mudder und die NSA eine grandiose Textpassage am Start:

Dieses Blogposting mit seinen genau 705 Worten triggert in circa einer Stunde ein viertellaues Signal bei einem BND-Praktikant, der es in der Datenbank unter „harmlos, aber beobachten“ einsortiert. Viel schlimmer aber: Dieses Blogposting wird Teil des Noise-Filters der Geheimdienste im Krieg gegen den Terror, dem diffusen Daueralarmzustand der Weltpolitik. Dieses Blogposting wird damit zu einem kleinen Atom im digitalen Waffenarsenal der Terrorkrieger. Gefragt hat mich keiner und ich hätte dem ganz sicher nicht meine Zustimmung gegeben. Ich will kein Waffenteil sein, auch kein ganz kleiner. Und es tastet meine Menschenwürde an, wenn die Sicherheitsfanatiker es dennoch tun: „We kill people based on Metadata“. Aber all das ist egal, weil: Deine Mudder hat nichts zu verbergen und liked heftigen Scheiß auf Facebook mit knuffigen Hasen und guck mal wie süß die Kinder mit den großen Augen awww. Alles nich’ so schlimm, is’ doch nur Internet.

Jop. Zug nach Brüssel und so. 

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Blogparade: Internetutopie

internetoptimismus

Vom Blog der Karlshochschule ausgehend läuft derzeit eine Blogparade, an der ich mich gerne beteiligen möchte. Blogger und Dozent Patrick fragt:

Ist das Internet wirklich kaputt? Versinken wir in einer einzigen Big-Data-Dystopie, also einer Infrastruktur zur gegenseitigen Überwachung und zur massiven Kontrolle der Bürger und Konsumenten? 

Es gibt schon viele tolle Beiträge dazu, hier ist eine Übersicht zu finden, einige Antworten stecken drin; eine endgültige aber nicht, die Zukunft wird's uns allen zeigen. Und in dieser liegt der Schlüssel. 

Gleich­wohl​ ich hier im Blog oft über Dystopien philosophiere, ist auch mir der utopisch-optimistische Aspekt des neuen sozialen Internets nicht entgangen. Beispielhaft dafür, dass Big-Data eben nicht gleich Datenapokalypse sein muss, oder wir vielleicht doch nicht an den Machschaft einiger weniger völlig aus der Kontrolle geratener Algorithmen zu Grunde gehen werden, ist das von den Vereinten Nationen 2009 gegründete Global Pulse -Projekt. Hier ein Erklärbär-Video dazu: 

Ein Recorded Future, für eine bessere Welt, wenn man so will:

Die Initiative versucht mit Big Data Reaktionen auf politische Entscheidungen in Echtzeit zu verfolgen und Informationen über das menschliche Wohlsein sowie seine Anfälligkeit gegenüber Gefahren darzustellen. Diese Informationen werden u. a. politischen Entscheidungsträgern zur Verfügung gestellt um Menschen vor Paniken und Epidemien zu bewahren

Ich möchte gar nicht zu sehr auf den philosophischen Aspekt, oder meine persönliche Utopie eines optimistischeren Internets eingehen (das wird in den oben erwähnten Beiträgen teilweise schon ausführlich getan, und die machen das dann auch viel besser, als ich es je könnte), lieber mal was vorzeigen, was mich hoffen lässt, dass Big Data – und all die kleinen damit einhergehenden dystopisch-boshaften Features, die uns die künftige Web 3.0 Welt bescheren wird – auch mal für was echt gutes zu gebrauchen sind. So im Sinne der Menschen und des Weltfriedens und sowas alles.

Ein tolles Tool der oben erwähnten Global Pulse-Initiative ist dieses hier: Post-2015. Guckt, was es kann:

The globe spins to show the 20 countries that have proportionately talked the most about the highlighted Post-2015 topic on Twitter from August 2012 to now.​

 

Unbenannt

 

Ich sage es mal so: Selbst für den weltverschwörerischsten Vereinten Nationen-Hater, sollte klar sein: Das sind Daten, die man in der Tat zum Zwecke eine besseren, optimistischeren (Internet-)Welt heranziehen kann. Ich gebe zu: Ein gewißer Grundoptimismus gehört schon dazu, sich vorzustellen, dass da irgendwo auf unserem kapitalistisch geprägten Planeten ein netter Mensch sitzt, der nicht weiß wohin mit seiner Knete, und das Tool zu Rate zieht, um in Mali für eine bessere Gesundheitsversorgung zu sorgen. Aber schön ist der Gedanke ja schon, ne? 

Gegensätzlich zum loboistischen Rumgenöhle in der FAZ zum Thema Die digitale Kränkung des Menschen habe ich diese Kränkung bereits 2010 erfahren und als ebensolche begriffen. Die Jahre 2011, 2012 gaben mir Hoffnung: Assange, Wikileaks, die Piraten, Occupy, Anti-Acta, Anonymus, der (verlängerte) arabische Frühling,… alles und jeder (öhm) bewegte sich, es rumorte, und ich dachte tatsächlich: Was die Hippies nicht packten, das packen wir jetzt! Mein demostärkstes Jahr war 2012, glaube ich. Und dann kam Snowden. Der für mich nicht alles änderte und mich bis heute auch kaum überrascht hat, sondern eher mein hintergründiges Entsetzen​ an die Oberfläche beförderte. 2013 war dann das Jahr der Resignation​. Das hat jetzt ein Ende. 2014 geht's wieder nach vorne. 

Wenn ihr also neben dem Entscheidungs-Menschen mit viel Geld sitzt, der nicht weiß wohin mit seiner Kohle: Zeigt dem mal die Blogparade und / oder das Tool weiter oben, vielleicht fällt ihm dann doch noch was ein. 

Social Media und Big Data in Kombination haben durchaus – und immernoch (!) – das Potential die Welt zu verändern. – Und DAS wär' doch echt mal nicht die allerschlechteste Idee. 

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