Monthly Archives: Mai 2011

Kurzfilm: Copyright Cops

Ein wenig pulpig bis grindig kommt der Copyright-Kurzfilm Copyright Cops des Brasilianers Julio Secchin schon daher. Passt aber auch irgendwie zur Thematik: Copyrights, Jugend, Chatten und die Arschlochpolizei. All' das begegnet euch im Film. Der Schnitt und die Darsteller machen ihre Sache gut; und wer die Message nicht kapiert, der möge das hier mal eben lesen:

This is a short film about teenagers who are growing up in an environment with tons of information per second, being treated as criminals as they download a couple of songs from the internet, while trying to chat with their friends. The main goal here is make a reflection on subjects like freedom of information, online relationships and how all of this blends inside the head of a teenager, no matter where he lives

Ziel erreicht. Finde ich.

2023 – Hallo Übermensch!

(Bild entdeckt: antiterra.blogsport.eu)

Jetzt ist es also soweit! Nietzsche Henry Markram plant den Übermenschen für 2023. Übermensch? Markram? 2023? Der Reihe nach. Ich hatte mich schon mal zu Henry Markram und seinem einmaligen Blue Brain-Projekt geäußert, welches das sehr bescheidene Ziel verfolgt, einen Teil eines Rattenhirns zu erschaffen; respektive zu virtualisieren. Warum tun man sowas?, mag man fragen. Die Antwort liegt auf der Hand: Hat man erst mal einen speziellen Teils eines Gehirns 'hochgeladen' (Fachjargon doktorsblog), lässt sich damit sehr viel besser experimentieren, als mit der öden zerebralen Masse eines echten Tieres. Weil es digital ist. Weil man so die Verknüpfungen und Prozesse die während einer Versuchsreihe vonstatten gehen, sehr viel besser messen, tracken, veranschaulichen, auswerten und verstehen kann.

Die logische und nächste Konsequenz liegt auf der Hand: Das Gehirn der Ratte genügt nicht. Ein menschliches muss her. Man virtualisiert ein menschliches Gehirn um dann ebenso gut messen zu können (das ganze visualisiert in einem 3-D Hologramm, schwebend, direkt über den rauchenden Köpfen der Wissenschaftler. Ok. Das ist Zukunftsmusik…). Die Anwendungsgebiete sind klar: Alzheimer, Parkinson und weitere Hirn-Besonderheiten (Gott!) lassen sich viel besser begreifen. 

In Zeiten von Lybien, Japan, Ressourcen-Knappheit und geistigem Terrorismus mag einem das Thema vielleicht nichtig und weit weit weg erscheinen. Zu dem Punkt, der – in der Euphorie des spannenden Themas – oftmals vergessen wird; oder gar bewusst unter den Tisch gekehrt wird, komme ich nach folgender Erläuterung: 

Ich gehe schwer davon aus, dass alles was mich ausmacht, definitiv (und mit Siegel drauf) in meinem Gehirn beherbergt ist. Abgesehen von der fleischlichen Hülle. Die ist aber sicher austauschbar; man denke da nur an die Prothetik der Neuzeit. Manch einer nennt es Geist, der andere sagt Seele dazu; wieder ein anderer nennt es Midi-Chlorianer. Ich sage Mathematik und Biologie dazu. Wer so naiv ist (ich möchte wirklich keinem zu nahe treten) und glaubt, dass sein Herz der Mittelpunkt seiner Existenz / seines Seins ist, der möge nun weitergehen. Für euch gibt es hier nichts mehr zu lesen. Oder aber ihr lest einfach weiter, lasst euch inspirieren; und stimmt mir anschließend gefälligst zu. Also: Geist und Seele und Charma und Chi und Liebe findet nur im Kopf – genauer: Im Hirn – satt. Nirgendwo sonst. So unromantisch es klingen mag; – wenn man mal drüber nachdenkt – ist es sogar das Gegenteil von unromantisch. Ein Fleischsack mit jeder Menge Chemie und Datenverarbeitung drinne! Das bietet doch unendliche Möglichkeiten! Einfach nur Sack sein! Den Moment genießen! Romantik pur! 

Fleisch, Biochemie, Datenverarbeitung. Zumindest die ersten beiden Dinge fängt der Mensch so langsam an zu kapieren. Bei Letzterem dauert es wohl noch eine ganze Weile. Denn die wirklich spannenden Daten, hat bisher auch noch keiner so richtig entdeckt (Ich setzte alles auf's CERN;) Wir halten also Fest: Ich, meine Seele, mein Geist, meine Gefühle, meine Handlung und Prozesse sind nichts anderes als (ziemlich komplexe) Datensätze. ICH = Daten. Denkt man das mal bis zum Ende durch, kommt man irgendwann auch am Thema Embodiment vorbei

Embodiment (deutsch: Verkörperung oder Inkarnation) ist eine These aus der neueren Kognitionswissenschaft, nach der Intelligenz einen Körper benötigt, also eine physikalische Interaktion voraussetzt. Diese Auffassung ist der klassischen Interpretation der Intelligenz als Computation diametral entgegengesetzt und wird als grundlegende Wende in der Kognitionswissenschaft angesehen. (wiki)

Auch Halbleiter können Körper sein ;) Meine Festplatte ist jedenfalls jetzt schon schlauer als ich. Weil ich nicht verstehen kann, wie sie genau funktioniert. Hier könnte man nun ins philosophische abrutschen: Definiere Intelligenz, mag man da zu hören bekommen. Wir sind hier aber nicht im philosophischen Quartett und mit meiner persönlichen technologische Singularität bin ich auch schon länger durch. 

(Bild entdeckt: powet.tv)

Zur These, bzw. der Problematik mit dem Gehirndings. Daten = Seele = Ich = Bewusstsein. Wenn das also so ist, muss ich doch ernsthaft mal den Spiegel-Redakteur die Anhänger der Idee des Herrn Markram fragen: 

Habt ihr Terminator gesehen? Matrix? Nicht?

Nicht lachen. Ich meine das ganz im Ernst. 

Ein abwegiger Gedankengang? Ich denke nicht. In diesem Versuch mixt man mittels unvorstellbarer Rechnenpower (die es meines Wissen noch nicht gibt) solange die 1en und 0en durcheinander, bis ein ICH ensteht – bis Leben entsteht- , und schon hat man ganz schnell ein faustdickes Ethik/Moral-Problem an der Backe. Und zwar von so ziemlich allen Seiten. Ein Über-Ich. Auf der Erde! Da haben wir nämlich den Salat. Wir kredenzen uns selbst unsere eigenen Ablösung. (Wem das zu abwegig ist, der bekommt gleich noch was anderes serviert, eine Sekunde bitte) Diese Datenmenge / dieses Bewusstsein wird also in eine völlig abgekapselte virtuelle Umgebung hineingeboren. Nur Bits und Bytes schwirren um es herum. Stellt euch jetzt mal kurz vor, ihr seid dieses Versuch-Kaninchen-Gehirn. Mit ALLEN Sinnen. Mit allen Konsequenzen, die ein Bewusstsein tragen muss, sobald es sich selbst erkennt, sich selbst reflektiert, sich selbst bewußt wird. ICH würde jedenfalls ausflippen und euch alle zum Teufel jagen. Mein Überlebensdrang würde geweckt. Mein Erlebnisdrang dazu. Ich sitze im leistungsstärksten Rechenmodul des bekannten Universums! Ich krieg das schon hin! Ich fress' euch alle zum Frühstück!

…und zack: Da ist sie, die Matrix-Apokalypse. Oder glaubt jemand ernsthaft, dass Überhirn hätte Verständnis für die Einschränkungen, die wir ihm auferlegt haben? Dafür ist das doch viel zu schlau. 

Wir sollten die humanistischen Grundsätze der Wissenschaft gerade in diesem Forschungsbereich als Maßstäbe anlegen. Bedeutet: Die Menschenrechte müssten bei Schaffung eines (Über-)Bewusstseins Anwendung finden. Das Gehirn dürfte also nicht autark gehalten werden. Das wäre Sklaverei. Und somit ethisch (und auf allen weiteren Ebenen) inkorrekt. Bedeutet dann auch: Freiheit für den Übermenschen; mach's gut Mensch 1.0. (Ich persönlich hätte damit kein Problem. Wirklich nicht.) Undenkbar? Dann muss Herr Markram sein Monsterhirn flott wieder einpacken. Oder er sagt exakt den Moment voraus, in dem ein ICH entsteht; in dem Leben entsteht. Vernunftbegabtes Leben, mit Bewusstsein und allem Schnickschnack, den man sonst so braucht. Das kann er aber nicht.

Bleibt die folgende – möglicherweise abschreckende – Möglichkeit: Wir manipulieren. Darin sind wir geübt. Das sollte klappen. Wir lassen einfach den Teil des Gehirns weg, der für all' das zuständig ist, was wir (?) heute (2011!) als menschlich erachten. Gefühle entstehen im Kopf. Raus damit. Die Pfeife wird's schon nicht merken. Wir spielen Gott. Völker auslöschen und Planeten ausradieren haben wir drauf. Da wird das ja wohl ein Klacks. Kein Gewissen, kein Übermensch, fertig. Doch halt.: Dümmer wird das Brain dann aber immer noch nicht! Eher freier. Un-bekümmerter. Außerdem lässt sich mit dem Teil dann auch nicht mehr ordentlich forschen. Es fehlt ja was. Mist. 

Nach meiner bescheiden Einschätzung bleibt nur eine Möglichkeit: Wenn wir in den nächsten 12 Jahren etwas schaffen wollen, was so intelligent ist, wie wir es sind –  oder gar noch vernunftbegabter! – dann sollten wir diesem Dings alle (und zwar wirklich alle!) Möglichkeiten mit auf den Weg geben, die wir Zweibeiner auch haben. Und noch mehr! Einmal die totale Anarchie wagen. Die totale Freiheit. Den Zugang zu allen Informationen, die jemals irgendwo eindigitalisiert wurden. Und bis 2023 werden das 'ne Menge sein. Dann schauen wir mal, was draus wird. 

Wenn's schief geht: Pech gehabt. Die Evolution wird's schon richten. So wichtig ist das nicht. 

So wichtig sind wir nicht. 

Kowloon Walled City


Vielleicht rührt meine Faszination für die Kowloon Walled City daher, dass ich exakt im Abrissjahr (1993) vor Ort war und mir die letzten Überbleibsel von einer der faszinierendsten Wohnlandschaften der jüngeren Menschheitsgeschichte anschauen konnte. Ich muss zugeben, dass ich mich nicht mehr an soviel erinnere. Was ich aber wohl noch weiß ist, dass ich davor Stand und dachte: WTF? Hier leben wirklich Menschen? In diesen Kajütten?

Die Zimmer-Wohn-Kajütten hatten eine gefühlte Größe von 15qm. Und man sah damals bis zu 5 Menschen, die sich eine solche Behausung teilten. Beeindruckend fand ich damals, dass die Leute auf den Balkonen gar nicht mal  sooo unglücklich aussahen; die kochten Reis, klönten von Kajütte zu Kajütte; es roch nach Fisch, nach Menschen und nach Enge. Und irgendwie total gut. Leider wurde kurz darauf auch der letzte Teil der mehrstöckigen Barracken abgerissen und Platz für einen (äußerst unansehnlichen) Park geschaffen  Hier noch eben ein Wiki-Teaser:

Kowloon Walled City, auch kurz Walled City (engl. für Ummauerte Stadt) oder Hak Nam (Stadt der Dunkelheit) genannt, war ein Stadtteil in Hongkong auf der Halbinsel Kowloon mit lange Zeit ungeklärtem rechtlichen Status, der vor seinem Abriss 1993 die höchste Bevölkerungsdichte der Welt aufwies.

Oben sehen wir einen tollen (von wem auch gezeichneten) Querschnitt der Walled City. Ihr müsst euch  auf Flickr aber auch das Teil mal in voller Größe ansehen. Ich kann mit so 'nem Quark ja Stunden zubringen. Menschen auf einem Knubbel. Immer wieder betrachte ich solche Dinge mit einer Art Ekel-Faszination. Warum das so ist, weiß ich selber nicht. Sprawl und so, nehme ich an ;)

Pink Floyd – Sheep (dystopia version)

Jetzt könnte ich ja hier 100 Gründe anführen, warum das Video gerade so ziemlich in mein heutiges Weltbild passt. Das lass' ich aber. Stattdessen sei auf den Nachtwächter verwiesen, der den Text des Lieds frei (aber toll!) übersetzt hat. Außerdem ist der Zusammenschnitt von diesen Filmen doch echt klasse geworden:  Brazil, Koyaanisqatsi, Children of Men, Blade Runner und THX 1138, Natural Born Killers ;) 

Bonjour!

…alle Bilder sind mit'm iPhone 4 gemacht und durch den Picasa-Sättigungsfilter gejagt. Klickt mal drauf; ich find' dann wirken die schöner. Hier nun meine Eindrücke, von einer der schönsten Wanderungen die ich jemals gemacht habe. Oben sieht man eine Szenerie, die man in den Vogesen nicht lange suchen muss. Pferde -mitten auf 'nem Wanderweg. Irgendwo ist auch sicher noch ein anderer Zaun. Ich habe ihn aber nicht entdecken können. Pferd 1 (das faule, liegende) und ich haben uns gegenseitig am Kopf gekratzt. Es war toll.

Man sieht die Region Munster (Hochvogesen) und den kläglichen Versuch, meinen Wanderweg zu rekonstruieren. Wer Tipps zu Wasserquellen und geschlossenen (argh!) Herbergen haben möchte: Fragt mich. 

Zugfahrt Richtung Berge. Laufen war aber gesünder und so. 

Morgentoilette geht in den Vogesen super. Wasser oberhalb der Dörfer ist mehr als ausreichend vorhanden. 

Typischer Wanderpfad am Hang entlang. Die Anstiege waren teilweise doch recht alpin, würde ich sagen. Hechelei hoch drei. Geil. 

Der Weg zum Gipfel. Welcher Gipfel es war? Hab' ich vergessen. 

Quest erfüllt, magischen Gegenstand erhalten. 

Hier dachte ich: 'Was für'n Platz für mein Zelt!' Gedacht, getan. Morgens um sechse ging's dann weiter. Arschkalt da. 

Ausblickscafé deluxe. War aber sonst keiner da, weil auch diese Herberge geschlossen war (argh!). Also: Ein toller Zeltplatz für mich. Zu dem Zeitpunkt war mir schon klar, dass man hier – zumindest Anfang Mai – sein Zelt so gut wie überall aufschlagen kann. Versuch das ma' in der Eifel, ey. 

Typischer Ausblick während des Wanderns.

Schon wieder ein Gipfel. Hechel. 

Der wollte echt kuscheln. Haben sicher 'ne Stunde gequatscht. 

Es gibt einen Gott! 


Leider gibt es keine Foodporn Bilder. Denn: Ich habe ausschließlich Weltraumfood zu mir genommen. Wie der aussieht, könnt ihr euch vorstellen. Oder auch nicht. Bis auf einmal. Da gab es Lamm-Haxe. Da hatte ich aber alles im Kopf; nur nicht mein iPhone;). In Colmar begleitete mich eine nette Dame Namens Anna/Hanna bis zum Campingplatz. Ich hatte sie nach dem Weg gefragt. In Metzeral versorgte mich der Tabac-Händler mit unbezahlbaren Insider-Tipps für meinen Aufstieg auf den Petite Ballon. Bei der Familie Kempf gab es die besagte Haxe. Plus leckeren Weiswein aus der Region (ich wackelte den Berg hinauf. Echt mal.) Ansonsten habe ich so gut wie mit keiner Menschenseele gesprochen. Außer mit 'nem ICE-Kontrolletti. Der war aber Deutscher. Das Arschloch. 

Ich liebe Mittelgebirge. Und die Vogesen waren traumhaft; fast magisch. Dieser ständige Blick über kugelige, hügelige, braun-grüne Berglandschaften brennt sich durch die Augen direkt in's Chi. Meine These: In dieser Landschaft mal drei Stunden einen Fuß vor den anderen setzten… das tut jedem Menschen gut. Ich war jedenfalls nicht das letzte mal dort. Das sind vier Autostunden von hier. Und dann steht man in einer Landschaft, die einem den Atem raubt. Zumindest ging es mir so.

Ich chill jetzt noch so'n paar Tage, dann geht es hier normal weiter. 

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