Die Matrix des William Gibson

Chris

So langsam legt sich mein Flash wieder. Denn nichts anderes war die Lesung von W. Gibson im Kölner Gloria – Theater: Er hat den Mund aufgemacht—> ich war geflasht. Eigentlich war schon das "Auf die Bühne kommen" sehr flashig: Sichtlich vom Jetlag gerädert, ein x-beliebiges Shirt über die Jeans, in Sneakers, betrat William Gibson die Bühne. Es gab sogar einige Jauchzer, was Mr. Gibson kalt lies. Der Mann kennt keine Starallüren. Dafür aber "die Ärzte". Der Blogeintrag dazu findet sich hier.

Schön, das der anwesende Kritiker dann auch mal nachhakte, woher denn die Faszination für die deutsche Band rühre: Gibson hatte keine wirklich adäquate Antwort in petto, stellte daraufhin jedoch Überlegungen an, in welcher "kulturellen Matrix" die Ärzte wohl hier in Deutschland angesiedelt sein mögen….Für mich persönlich gab es an diesem Abend zwei große Überraschung: Zum Einen war ich sehr angetan von der Tonierung, seiner Mimik und dem Südstaaten-Englisch, welches sehr gut zu verstehen war. In den Kommentaren schreibt kioopi:

"Gibson hat genauso gelesen wie ich es mir vorstelle wenn ich seine Bücher lese."

Dem habe ich nichts hinzuzufügen.

Zum anderen: Ich bin mir durchaus darüber im Klaren, dass Gibson einen sehr speziellen, diffizilen Humor besitzt, trotzdem war ich hin und weg  von seiner "jetlaggigen – humoristischen" Ader; wie er beispielsweise ein wenig über seine "Rückkehr zum Science Fiction" (mit ca. 27 Jahren ) und andere Inspirationsquellen plauderte, dass war schon einmalig –> Autos die aussehen wie Raumgleiter und "Spaceships", leere Postämter die mit Fiktion gefüllt werden möchten. Irre irre. Seine Zuneigung zu Verschwörungstheorien tat er auch kund; so hätten diese etwas "einfaches, simples, wonach sich doch heute manch einer sehnen mag" (sinngemäß)

Nebenbei erwähnt waren die gelesenen Text aus "Spooky Country / Quellcode" absolut erstklassig ;)

Fesselnd, informativ, illusionierend, paranoid, detailliert, futuristisch, einfach prima. Der Mix aus Drogendealern, Künstlern, Spionen, die augenscheinlich alle einem bestimmten Seecontainer hinterherjagen, klang schon sehr nach  mitreißenden Charakteren.  (Den Beruf des Literarturkritikers habe ich hiermit nun endgültig verfehlt, denke ich…;))

Simon Eckert war für die deutschen Parts zuständig, und war für meinen Geschmack etwas zu sehr Schauspieler als Vorleser. Was daran liegen mag, dass er ein solcher ist. (Schauspiel Köln) Ich (der das Buch noch nicht vorher angerührt hatte, weil ichs von "ihm, dem William"  vorgelesen bekommen wollte…) hatte trotzdem den Eindruck das die Übersetzung des Textes sehr gelungen ist. Der Eindruck das W.Gibson einem "Oberflächen-Fetischismus"  verfallen ist, hat sich für mich erneut bestätigt: Niemand beschreibt "Muster/Oberflächen/visuelle Reize" so wunderbar wie er. Das da die deutsche Übersetzung etwas ins stocken gerät, ist wohl klar…

Der Abend war einfach zur kurz; er hätte mir das ganze Buch vorlesen können, ich hätt `mich keinen Millimeter bewegt…Natürlich konnte ich es mir dann auch nicht nehmen lassen, mir meinen "Neuromancer" von ihm signieren zu lassen!

Die Schultertasche umgehängt, leicht buckelig, ein schräges Lächeln im Gesicht, sitzt er dort; bereit aufzustehen, sollte es plötzlich nötig sein, aus dem Cyberspace zurück in die andere Welt zu switchen. Denn "wir bewegen uns heute ständig im Cyberspace, sehen nur ab und an mal nach, ob es die richtige Welt noch gibt" (Sinngemäß)

In meinen Augen einer der großartigsten Schriftsteller der Zeitgeschichte, ein Visionär und Freak! Ich spare mir an dieser Stelle mal ein Zitat von ihm; er schreibt so viel was man ständig Mantra-mäßig vor sich hinblubbern könnte. Gibson noch mal in Deutschland? Ich bin da!

Ich mag den Mann. Und das was er schreibt.

Jetzt noch etwas mehr.

Portrait-Bild, W.Gibson by  Fred Armitage CC-Lizens, Flickr,

(Weitere"Gibson-Beiträge")


9 Kommentare to “Die Matrix des William Gibson”

  • scal (155 comments) Says:

    wie gesagthätte es sich zeitlich einrichten lassen, auch ich wäre gekommen. Hast du eigentlich Jürgen (CountZero) auch dort getroffen, denn er war auf alle Fälle da, genauso wie Deckhead. Wäre ein nettes CPC-Treffen geworden…

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  • Chris (1373 comments) Says:

    Nö,…wenn die meinen Blog nicht lesen.. ;)

    Hatte ja auch im Forum mal angefragt…
    Next time,..dann aber alle! ;-)

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  • Chris (1373 comments) Says:

    Achso,…wollte das kleine Review hier natürlich auch der CPC+FB gerne zur Verfügung stellen.
    Magst dus copen? Sonst mach ichs gleich….

    EDIT: Done! ;)

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  • Cyberpunk-Community Says:

    [...] picked up-> Doktorsblog.de) Explore posts in the same categories: CPC Literatur, CPC [...]

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  • scal (155 comments) Says:

    sorry bin heute erst um 20.00 an den Rechner gekommen… Danke fürs rüberkopieren…

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  • nexuslex (152 comments) Says:

    geil, danke chris, das ist annähernd anwesend zu sein, bzw. doctors pov lässt die Begeisterung rüberkommen.
    gut gemacht, commander

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  • Christian (436 comments) Says:

    Gerne wieder! ;)

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  • Update: William Gibson in Deutschland « cyberpunk2020 Says:

    [...] 2008 Er war hier und hat aus seinem Buch gelesen – und ich habs verpasst. Andere nicht: Lese hier. Tagged with: cyberpunk, quellcode, Spook Country, William Gibson « [...]

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  • Doktorsblog Says:

    Neuromancer! Trailer! Teaser! Credits! Hach, Dings halt!…

    Eigentlich ist es auch völlig egal wer oder was das ist. Oder sein soll. Es steht Neuromancer drauf. Und es hört sich so an; sieht so aus; und wenn ich’s riechen könnte, würde es nach Neonlicht und gemeingefähr…

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Trau dich!